ERLkönig

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Archiv für Sonne

Irgend wann, irgend wer …

Millionen Male in meinem kurzen Leben habe ich es bereits bewundert, und immer wieder kann ich meine Augen nicht davon lassen: schon seit Stunden sitze ich an einem einsamen Strand in Hafennähe meiner Insel, und jede der hereinbrechenden Wellen fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Das Meer ist für die hiesigen Verhältnisse bis zum Horizont glatt, keine Schaumkrone ist heute zu sehen, nur eine leichte Kräuselung auf der Wasseroberfläche zeugt von böigen Winden.
Und ich wundere mich jedes Mal, wenn kurz vor dem aus Lavasand bestehenden und damit schmuddelig anmutenden Strandufer wie aus dem Nichts heraus sich eine fast zwei Meter hohe Welle über die gesamte Breite der Bucht fast lautlos aufbäumt, für kurze Zeit – fast eine Röhre bildend – ihre tiefblaue Wand zeigt, um sich schliesslich auf ihrem Höhepunkt schäumend und tosend in weisser Gischt über den Sand und das Steingeröll ihrem Tode hinzugeben und zu brechen, während schon die nächste Welle steil sich erhebt – im Begriff, denselben Suizid zu begehen.

Das unter der Folgewelle sich zurückziehende Wasser verfügt aber noch über hinreichend Kraft, um die zahllosen Lavasteine, die durch Wasser, Sand und Wellenspiel die Form und Grösse von Eierbriketts angenommen haben, ein paar Meter mit ins Meer zu ziehen, und das murmelnde Geräusch erinnert an die Glaskugeln im Leinensäckchen, die wir als Kinder wie einen Schatz gehütet und verteidigt haben.

Dieses Murmeln im Einklang mit dem Rauschen des ablaufenden Wassers und dem Dröhnen der brechenden Wellen ist wie Musik, scheint von besonderer Rhythmik bestimmt zu sein. Zugleich treiben Sonne und Wolken ihr verwirrendes Schattenspiel, verleihen dem Meer bis hin zu seinem Horizont alle Nuancen des grün-blauen Farbspektrums.

Es ist eine phänomenale Gesamtinszenierung der Natur von unbeschreiblicher Schönheit, Energie und Perfektion – Millionen an Jahren alt …

Und irgend wann wird irgend jemand irgend wo dasselbe sehen, fühlen und schreiben wie ich – wenn bis dahin nicht in seiner schitzoiden Machtbesessenheit irgend wer irgend wo mit einer falschen Handbewegung die Schönheit unseres Planeten hinweg bläst und damit diesem Schauspiel für die Ewigkeit ein unwiderufbares Ende bereitet …

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