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Don Pedro Gonzales

Unser Cat dümpelt bei Anfi vor Anker. Die Sonne glüht, der Wind kühlt, und alle sechs an Bord grinsen vor lauter Wohlbefinden mit geschlossenen Augen in sich hinein, der Sonne entgegen.

Mehr als sieben Stunden lang sind wir zuvor nach Mogan und kreuz und quer gesegelt, hatten knapp 10 Knoten auf die Logge gebracht, und das allein mit den beiden Vorsegeln ohne Einsatz des Großsegels. Unser 17 Meter Cat ging ab wie ein Zäpfchen!

Nach harrrt durchsegelten Stunden macht Ulli ein formidables Ankermanöver – man merkt, sie kennt sich aus mit dem Schiff -, und jeder gibt sich auf dem Vordeck dem stillen Müssiggang hin – schlummernd, meditierend, träumend, sinnierend …

Nur Georgie ist wie immer geschäftig, und schon bald weiss ich womit: wie aus dem Orbit herab ertönt in Dolby Surround Qualität einschmeichelnd im Gleichtakt mit Wind- und Wellenspiel aus den bordeigenen BOSE Boxen plötzlich „Wish You Were Here“ von Pink Floyd. Es fehlen nur noch der Rote und die Tüte, und ich wäre vor Begeisterung über die Reling gesprungen. Aber auch ohne den beschleunigenden Süßstoff fangen wir alle offensichtlich an zu fliegen.

So auch meine Gedanken wieder einmal, und ich erinnere mich an einen Tag vor mehr als drei Jahren, als ich mit Georgie und seiner Yacht an derselben Stelle ankerte – in Gesellschaft mit ca. 8 weiteren im respektablen Abstand zueinander liegenden, beachtenswerten Seglern. Wir waren grad beim Klarschiffmachen, da betrat eine Motoryacht das Parkett. Flach, spitz und unendlich lang, ausgerüstet mit einem DuplexAntrieb, der wohl seine 500 Pferde auf die Schrauben brachte …

Auf dem schmalen, schnittigen, ja pfeilartigen Vordeck aalte sich Blondie im Bikini mit Mega-Augen und strich sich halb liegend lasziv mit der Rechten durchs Wind zerzauste, lange Haar. Hinten, im weissen Ledersitz des offenen Salons nahezu die Zwillingsschwester – nicht minder auf Exhibition und Geld aus.
Beide Barbies aber wurden in Bedeutung und Posing weit übertroffen durch den am Ruder stehenden Mann: Don Pedro Gonzales, braun getüncht, grau meliert, kontrastreiches, weisses Poloshirt über dunkelblauen Shorts, EdelstahlSteuer in der Linken, an der Rechten eine prunkvolle Golduhr. Die Krönung der am Ruder demonstrierten aristokratischen Haltung aber war seine rechte Hand, die halb auf Schulterhöhe ausgestreckt zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger eine 20 Zoll Havanna würgte. Den kleinen Finger weit von der restlichen Hand gespreizt (nach dem Motto: Finger weg vom Nikotin!) war der Ringfinger schliesslich dafür verantwortlich, nach jedem Zug die imaginäre Asche abzuklopfen.

Sein kubanischer Zauberstab aber wurde nicht kürzer, weil er kalt rauchte; ebenso wenig sein anhaltendes Cruisen zwischen all den anderen Schiffen, dessen Eigner angesichts seines nassforschen Fahrstils in nächster Nähe berechtigterweise um ihre Anker und Ketten bangten. Als Don Pedro Gonzales nach geraumer Zeit mit seiner Bugwelle die gesamte Flotte ins Wanken gebracht und sich selbst versichert hatte, dass ausnahmslos alle seinen Auftritt hinreichend bewundern konnten, legte er den Hebel auf den Tisch, was den Bug aus dem Wasser und VordecksBarbie vom Handtuch hob und entschwand mit zunehmender Geschwindigkeit endlich in der Weite des Atlantiks Richtung Horizont …

Pink Floyd reisst mich in die Gegenwart, die erste Gitarre wechselt zu einem weiteren Thema, was Träume weckt, und ich erwarte sanft schaukelnd den nächsten Film …

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