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Schenk mir D/ein Lächeln!

Die breite Feder meines bei eBay ersteigerten Füllers fliegt über das leicht zerknitterte Papier meines A5 Kladdeheftes. Leider gelangt sie im Wettrennen mit meinen Gedanken immer wieder ins Hintertreffen …

Auf meiner Lieblingsbank an Morros Strandpromenade blinzel ich in die über dem Meer stehende Sonne, vorbei an den dahin flanierenden, bunten, halb nackten und zum großen Teil wohl genährten, verschwitzten Touristenleibern.

Grund genug zum Lächeln, zur Freude hätten sie alle, die Sonnengäste: geschmeidige 28 Grad – das Wasser nur ein paar Grad weniger -, keine Wolke trübt den Sonnenschein, der Duft der in Knoblauchöl gebratenen Fische verfliegt in der Meeresbrise, Freizeit von morgens bis in die Nacht hinein, alle Randbedingungen, ja sogar der Biorhythmus scheinen auf „Fun in the Sun“ geeicht zu sein. Alles locker, alles easy, denke ich …

Und dennoch, schaut man in ihre gebräunten Gesichter oberhalb von Goldkettchen und unterhalb von NikiLaudaKäppi, dann glaubt man sich in der Münchener U-Bahn zur Stoßzeit wiederzufinden:

Freudlosigkeit bis hin zum Frust, Sorgenfalten bis zum Hintern, fast schon Schmerz verzerrte Mimik und Mundwinkel, die an die freudvolle Ausstrahlung von Angelika Merkel erinnern. Rucksack und Seele scheinen beladen mit schwerer Last …

Zugegeben, das Leben ist schon eine ernste Angelegenheit, weil lebensgefährlich! Die Kunst aber besteht darin, trotz aller Widrigkeiten und Ängste dem Dasein in Demut eine helle, weil ursächlich wohl begründete Freude abzugewinnen. Urlaub, Reisen, Abspannen geben hinreichend Raum wie Anlass dazu!

Dies scheinen aber nur wenige zu beherrschen, zum Talent der Deutschen gehört dies schon Gen bedingt nicht!
Und so denke ich auf meiner Sonnenbank, ich sitze im falschen Abteil einer falschen U-Bahn, die in eine falsche Richtung nur fährt. Vielleicht reicht ein Abteilwechsel…?

Noch bevor ich diesen Gedanken umsetze, nimmt eine ältere Dame neben mir Platz. Grußlos, wortlos und synchron mit ihrem grau melierten Gatten fächert sie ihr massiges Hinterteil auf und lässt sich wie ein brütender Schwan auf sein Nest nieder – raumgreifend, plusternd und sichtlich zufrieden mit ihrem Plätzchen.

Mit aufmerksamen wie gleichermassen unverhohlenem Interesse verfolgt Madame zu meiner Linken den Federflug meines Füllers. Als sie es schon nach kurzer Zeit vor quälender Neugier nicht mehr aushält, bricht sie überraschend das Schweigen: „Wes schreibe Sie denn do?“

Nun war es wirklich Zeit für einen Abteilwechsel, und ich verließ – hatte ich es doch grad gelernt – gruß- und wortlos Bank und Nachbarin, die wohl als solche der Alptraum eines jeden friedfertigen Hausbewohners sein dürfte …