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Schmeichelhaftes kommt immer gut!

Heute erreichte mich eine liebe Nachricht einer fuerteventurischen Bekanntschaft, die ich auf der Insel bereits vor einem Jahr in mein Herz geschlossen hatte:

Hallo Wolfgang, ich habe heute so einiges von Dir gelesen –  glücklicherweise nicht über mich!
Warum sollte ich ein Buch in die Hand nehmen – Deine Berichte sind interessant, direkt, amüsant und geistreich.
Mir wird meine fehlende Bildung deutlich.
Werde Deine Berichte aufmerksam weiter verfolgen!

Nicht mit „ERL“ aber mit „ER“ ist mir etwas zu DIR eingefallen:

ERfolgreiche_Karriere,
ERwiderte_Liebe,
ERtragene_Schicksale,
ERleichtertes_Dasein,
ERbetene Gesundheit,
ERwünschtes_Glück.

Mit den allerbesten Wünschen – Bernd

Lieber Bernd, mit Abstand der schönste Kommentar, den ich auf meiner Seite bislang gelesen habe! Besten Dank dafür, lieber Schmeichler!
Mit Nachdruck muss ich Dich aber korrigieren! Wenn es jemandem an Bildung fehlt, dann bestimmt NICHT DIR!

Ich selbst bin es, der leider allzu oft an sein geistiges Vakuum erinnert wird, weil er in seiner Vergangenheit überwiegend lern- und exorbitant lesefaul war.

Nichts in meinem ganzen Leben hat mich mehr angekotzt als mein Gymnasium mit seinen teuflischen Lehrkräften – es gab nur zwei Ausnahmen mit halbwegs menschlichen Zügen! Der Rest war ein Haufen von gescheiterten Existenzen, die von der Pädagogik im allgemeinen und der Psyche eines Heranwachsenden im speziellen soviel Ahnung hatten wie die Kuh vom Klavierspielen …
Die Schule bezeichne ich als  die schlimmste Zeit in meinem Leben. Dort hatte ich es mit Lehrkräften zu tun, die heutzutage als pädagogische Krücken nicht annähernd eine Chance gehabt hätten, als „Erzieher“ den Fuß in die Tür einer Bildungsstätte zu bekommen. Aber ihnen will ich keine Schuld geben an meinem persönlichen Bildungsdesaster. Lesestoff, der mich ermüdet, war nie mein Metier. Und so habe ich einiges verpasst und mehr noch verpatzt in einer Zeit, in der man eigentlich gesegnet war mit einer riesigen Aufnahmekapazizät ….! O sole mio … culpa!

Meine beiden studierenden Kinder – als ob es nichts Einfacheres wie Unterhaltsameres geben kann – legen da eine Vorlage an Wissensdurst, Lernbereitschaft und schier unendlicher Energie hin, dass ich nicht glauben kann, sie wären von mir! Bereits das Abitur hatte ich schon beharrlich verweigert. Schande!

Mein lieber Freund R. in meinem Heimatkaff findet in seiner suffisanten aber liebevollen Art immer wieder einen Weg, mich zart darauf hinzuweisen, dass es nicht reicht, sich zwei Bücher zur Dekoration staubfrei ins Regal zu stellen. Nicht allein, dass es in heutiger Zeit einen gewissen Trend zum Drittbuch gäbe, nein, er, der Bücher frisst wie andere Nahrung zu sich nehmen, versehen mit einem Doktortitel, den er aber nicht wie die meisten Promovierten zur Schau stellt oder gar gekauft hat, er findet immer wieder das Fremdwort, das mir nicht einfallen will, kennt alle Synonyme dazu und beweist mir an einer unendlich langen, im Hirn gespeicherten Latte an einschlägiger Litaratur respektive Autorenverzeichnis beispielsweise zum Thema „Segeln“, dass man sich auch durch Lesen schlau machen kann. Zudem setzt er sogar die dokumentierte Theorie gleich in die Praxis um und baut sich schnell mal ein Schiff …

Welch schlaues Hirn sagte einmal „Ich weiss, dass ich nichts weiss!“? R. wüsste es! Mein geistiger Horizont dahingegen ist schnell erreicht. So taumel ich im Orbit meines nackten Unwissens und eines gähnenden Bildungsloches durchs Leben, beobachte besonders gern den Menschen samt seiner Unfähigkeit wie Machtlosigkeit und bastel gern mit und an Worten herum – nicht ganz frei von Zynismus gebe ich zu.

Das nenne ich einen, meinen zweiten, wahrhaftigen Bildungsweg 😉

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