ERLkönig

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Zeit heilt alle Wunden?

Den letzten Abschnitt meiner Heimkehr bewältige ich mit der DB. Mit 249 kmh, wie der monochrome Monitor im Wagenabteil zeigt, knallt mein IC 78 unter grauem Himmel durch das grüne Deutschland. Meine Gedanken fliegen mindestens genauso schnell, und angesichts meiner in 5 Stunden zu erwartenden Rückkehr in heimischen Gefilden ist die Freude auf der einen Seite groß, nach drei Monaten mich meinen Angstträumen wieder im eigenen Bett hingeben zu können, andererseits beschleicht mich Angst vor der Konfrontation mit verdrängten Realitäten – allen voran das Grab meines Hundes im Garten.

Der Schmerz über seinen schon über ein Jahr zurückliegenden Tod und mein damit verbundenes Gefühl der kaum zu ertragenden Stille in meinem Haus treibt mir zu meiner eigenen Überraschung noch immer vehement die Tränen in die Augen. „The sky is crying, can‘t you see the tears running down my nose …“, wie Stevie Ray Vaughn in einem seiner grossen Glanzstücke so treffend singt, geht mir durch die musikalische Hirnhälfte, und sein Gitarrensolo bringt mich auf etwas andere Gedanken.

Zeit heilt alle Wunden? Nun, diese Wunde schmerzt auch nicht mehr so intensiv wie zu Beginn des Dramas. Aber ich merke immer wieder, dass ich die Tiefen dieser Emotion immer wieder zu erreichen imstande bin und eine Schwermut von mir Besitz ergreift, die ich nur allzu schwer zügeln kann. Diese Abstürze kommen zwar immer weniger vor, aber ihre Intensität lässt mich manchmal zweifeln, ob ich mich jemals von meinem Max wirklich verabschieden kann.

Sehe ich einen Golden Retriever auf meinen Streifzügen, falle ich über ihn her und erdrücke ihn schier mit meiner Sehnsucht und Hundeliebe, umklammere seine Öhrchen und stecke meine Nase in sein Nackenfell, inhaliere den spezifischen Geruch und rede mit dem Tier, dass beim Besitzer Zweifel aufkommen, ob es sein oder mein Hund ist, den er da an der Leine führt.

Und jeden muss ich langweilen mit der Geschichte meines besten Freundes, den ich so sehr über alles und wohl für immer vermisse …

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Red Lips

Vor rund 12 Tagen fielen mir die Glotzböppeles aus dem Gesicht, als abends gegen 21 Uhr ein Mädel etwas suchend in eines meiner InternetCaffés hereinstolperte. Rita – einen Tag zuvor gerade mal 40 Lenze alt geworden – war in einer AppartementAnlage ohne Restaurant abgestiegen, und mein zwei Strassen weiter gelegenes Bistro bot den dazugehörigen VerpflegungsService an.

Direkt vom Flieger kommend zwang sich angesichts ihres Auftritts in schwarzen Netzstrümpfen, high Highheels, schwarzem MiniLederrock und schwarzem BoleroJäckchen wieder einmal die altbekannte Frage auf „Wo komme ich her, wo gehe ich hin, und was ziehe ich dazu an?“ Rot lackierte Fingernägel, blutrot geschminkter Mund, gerrahmt von einem Paar schöner, dunkler Augen und einer üppigen Löwenmähne rundeten den nicht gerade Fuerteventura konformen Auftritt ab und trugen ihr Übriges zur allgemeinen Verwirrung eines durch optische Reize überforderten Männerhirnes bei.

Ich vergass meine mails und webBeiträge, und in einem intensiven Gedanken- und Erfahrungsaustausch bei einem Käffchen stellten sich eine Menge Gemeinsamkeiten heraus, die in diversen Lebensbereichen unserer Existenz zu finden waren …

In der Hitze unseres angeregten Mitteilungsdranges berührte ich fahrig und unbewusst ihre Hände, was sie zurückschrecken liess mit den Worten: „Ach, ich kann im Moment soviel Nähe nicht ertragen …!“

Da es keine Zufälle gibt, trafen wir uns an meinem Abreisetag einer inneren Fügung zufolge am Strand wieder, wo ich mein Abschiedsbad von der Insel nahm. Ihre unter einer roten Kappe versteckten Haare, ihre riesige Sonnenbrille und ihre nackten Brüste liessen sie mich nicht gleich wiedererkennen, und noch in meinem Abwenden sprang dieselbe Schönheit mit angeblichen Berührungsängsten freudig auf mich zu, umarmte und küsste mich, als hätte sie mich in all den langen Tagen, in denen ich mit einer fetten Bronchitis in einem verschwitzten Bett zu kämpfen hatte, unendlich vermisst. Nun hätte sie doch auf dieser Insel nach all den erlittenen Enttäuschungen und Verletzung zum Leben zurückgefunden und fragt sich, nein, fragt mich (!), was sie mit all den Männern machen soll, die mit ihr und mit denen sie so gern schlafen würde/n …

Ich riet ihr, alle auf einmal zu vernaschen, damit sie ihren Urlaub nicht nochmals verlängern muss, oder unsere Variante der keuschen aber geistig befruchtenden Begegnung zu praktizieren, was ihren Körper zwar schmachten lassen, ihren Geist aber erfrischen würde.

Schon lange war sie auf ihrem Weg den Strand von Jandia entlang in die anonymen Massen nackter und halb nackter Körper getaucht und darin als Individuum nicht mehr auszumachen, da muss sich so mancher Badegast über mein stilles Kopfschütteln gewundert haben, als ich mich an die ach so peinliche Berührung unserer Hände beim ersten Treffen erinnerte. Verstehe einer die Frauen …

Kegelrobben

Wale hat man in unmittelbarer Nähe zum Strand schon des öfteren gesichtet. Meine Schock gewohnten Augen durften heute eine im lupenreinen Strandsand ruhende Kegelrobbe bewundern.

Vom Achterteil her mich nähernd erspähte ich als erstes die Hinterflossen bestehend aus zwei übereinander geschlagenen Füssen – Fersen oben, Zehen in den Sand gesteckt. Geradezu keilförmig verliefen zwei in Breite wie Masse beeindruckende Beine in ein nacktes, ölig glänzendes Hinterteil, dessen ausladenden Backen auf Grund der Schwerkraft links und rechts schlaff und füllig im Sand ihre bewundernswerte Ausdehnung fanden, als wollten sie zum angestammten Körper gar nicht mehr gehören.

Selbst aus diesem weniger vorteilhaften Betrachtungswinkel war das Geschlecht der Robbe nicht eindeutig zu identifizieren. Einen zweiten Schritt weiter erschloss sich meinem ungläubigen Auge dann der Torso mit dem wuchtigen Kreuz eines Catchers. Kein Jungtier mehr, dachte ich, aber zumindest ein Männchen.

Die Arme in der Bauchlage am Körper anliegend, die Hände dabei flossenartig hochgeklappt, könnte es noch immer eine Kegelrobbe sein – würde sich unter der Öl- aber auf der Fettschicht nicht eine bereits fortgeschrittene carcioide Rotfärbung abzeichnen …

Schulter, Nacken, Kopf waren schwer voneinander zu trennen. Die vergilbte Dauerwelle sowie die unter den Massen hervorquellenden Quarktaschen ohne Brustriemen liessen schlussendlich und definitiv auf ein weibliches Tier rückschliessen. Die breiteste Stelle an diesem Alabasterkörper der zweiten Steinzeit war in der Tat der Schultergürtel, und ab hier verjüngte sich Richtung Hinterflossen alles. Schiffe und Torpedos werden nach diesem Konstruktionsprinzip gebaut – der Natur abgeschaut …

Zur Krönung hatte ich zwei Schritte weiter das Glück, die Schaltzentrale, das Intelligenzzentrum  des Geschosses zu bewundern: das Kinn lagerte auf einem zerknüllten, aufgetürmten Handtuch, in dem blutrot geschminkten Mund steckte ein bunt gestreifter Strohhalm, der seinerseits in der Öffnung einer Dose irgend eines Zuckerwassers verschwand. Durch den Saugvorgang – die einzige, erkennbare Aktivität übrigens – bildete sich ein kreisrunder, leuchtend roter Fleck im nicht minder Cholesterin geschwängerten Gesicht, dessen Augenlider geschlossen und daher einwandfrei erkennbar, mit blaumen Metalliclack divamässig geschminkt waren.

Zu meiner Überraschung war damit aber noch nicht genug. Ich hob meinen Kopf, sah über das liegende, saugende Alttier hinweg, und da lag nicht, da stand nochmal dieselbe Ausgabe dieser Gattung: nackig, fettig, fleischig, mit gespreizten Beinen, die Fäuste dort im Leib versenkt, wo andere ihre Hüfte haben. Brüste, Bauch, Oberschenkel, Oberarme, einfach alles zog übergewichtig Richtung Boden. Und Madame – frei jeglichen Schamgefühls, frei jeglichen Anflugs von Ästhetik und Anstand – präsentiert sich auf einer vom Meer geformten Düne wie auf einem Denkmalsockel den vorbeiziehenden Strandläufern groß und klein.

Wahrhaftig, lieber Gott, Dein Tierreich ist groß!

Garnelen mit Folgen

Ein halbes Klo frischer Garnelen für knapp 4 Euro haben es mir angetan. Ich eile mit meinem Fang nach Hause, setze Reis auf, hacke eine Riesenzwiebel mikro klein, greife zu meinem Special-Öl – eine KnoblauchKNOLLE hauchfein filitiert und vor 8 Wochen in einer Flasche Olivenöl versenkt), benetze in Tim-Mälzer-Dosis die Pfanne damit, also 2,5 Hektorliter, Zwiebeln dazu sowie auf Grund meines unbändigen Appetits die in Rekordzeit gepulten Garnelen. Alllein der Duft …! Das schreit geradezu nach einem Glas Roten.

Also wird ein Rijocha geköpft, ein Gläschen geschlürft, angerichtet, im Angesicht des fürstlichen Tellers mit zwei Schalen gehäuften Reis in Umarmung der organoleptischen Garnelenkreation zur Freude ein zweites Gläschen geleert. Die Freude steigert sich bei der Vereinnahmung der ersten Gabelfuhre – das ist doch ein Gläschen wert … Und die Flasche findet synchron zum deliziösen Mal ihr im höchsten Masse genussvolles Ende.

Der Regen prasselt auf die Strassen, ich drehe mich mit Pink Floyd / remastered im Ohr (Wish You Were Here) mehrfach um die eigene Achse, und der Tag ist mein Freund ..

nicht gesucht – einfach gefunden …

Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut,
sondernd dass man gemeinsam in dieselbe Richtung blickt …
Antoine de Saint-Exupery

Wer liebt, muss das Los dessen teilen, den er liebt!
aus dem Buch: „Der Meister und Margerita“ von
Michail Bulgakow

Momentaufnahmen

Schöne Momentaufnahmen heute:

Im Vorbeigehen auf der Tourimeile in Jandia läuft auf einem der riesigen Flachbildschirme in einem Eiscaffee ein Flmbericht ab, wie Gaddafis Kampfjäger das eigene Volk bombadieren.

Im Laden nebenan, direkt schräg unterhalb dieses Monsterfernsehers im Aussenbereich bückt sich in genau diesem Moment Mama in einem Spielzeugladen zu ihrem kleinen Sohn und hält ihm eine russische MIG zum Aufziehen und mit Kanonengeknatter frohlockend und lächelnd unter die begeisterte Nase ….

Auf demselben Bildschirm huschen Bilder vorüber von explodierenden Meilern in Japan. Menschen verlieren ihr Leben, und wenn sie Glück haben, nur ihr gesamtes Hab und Gut bzw. ihre Existenz. Die Welt droht unterzugehen – zumindest in einem grossen Land -, und mit offenem Mund sitzen die Touris an den Tischen – sich die nächste Kugel (eis) reinlöffelnd, bestellen Sahne nach und regen sich über den verregneten Tag auf…

Was soll man machen …!?

Die Beine der Dolores …

Erschöpft hocke ich auf dem Steinplateau oberhalb des Hafens von Morro Jable und blinzel in die gleissende Sonne. Ein Touristenpärchen betritt die Bühne, er: nicht weiter wichtig, sie: für mich der wahre Hingucker!

Ich weiss nicht, was den wirklich entscheidenden Aufmersamkeitsimpuls ausgemacht hat. Ob es ihre für mich so handliche Grösse war, ihr verspielter Sonnenhut, oder ihre so makellosen Beine, mit denen sie gelangweilt an mir vorbdefiliert – mir unter einer riesigen Sonnenbrille ein flüchtiges Lächeln schenkend.

Ihre kleinen Füsse stecken in einem Paar schlichter Sandalen, ein luftiges Röckchen gibt genug preis von ihren mich so faszinierenden Beinchen. Selbst von hinten betrachtet zeigen sie trotz oder gerade wegen ihrer moderaten Grösse eine klare Kontur, ihre Proportionen rufen meine helle Begeisterung hervor: nach zwei festen, orangenhautfreien Schenkeln die leichte Wölbung ihrer Knie, ein wenig nach innen geneigt, übergehend in samtige und dennoch kräftige Waden, die zur rechten Zeit in schlanken Fussgelenken münden, die durch zwei Füsse mit rot lackierten Nägeln ihre Krönung erfahren. Welche Schöpfung!!!

Es sind alles andere als die dürren Stelzen eines mehr oder weniger bekannten Models. Es sind nicht die bestrapsten Schenkel einer zu allem bereiten Pornoqueen. Auf der anderen Seite ist es auch nicht der sexdurstige Blick eines geifernden, alternden Lustmolches. Nein, es muss die Art der Betrachtung sein, mit der schon seit jeher Künstler den Körper einer Frau begeistert wahrgenommen haben und diesen – frei jeglicher Fleischeslust – aus reiner Ästhetik und mit keuscher Bewunderung für einen makellosen Körperbau mit Stift und Pinsel auf die Leinwand oder in geblümten Worten zu Papier gebracht haben.

Schon lange wollte ich gegangen sein, aber ich musste warten. Noch einmal musste ich sie sehen, in ihrer ganzen Pracht! Und als hätte sie meine Gedanken gelesen, steht sie mit ihrem gänzlich uninteressanten Begleiter auf und stellt sich an den Rand des Plateaus, blickt versonnen hinunter zum Hafen und wechselt zu meiner stillen Begeisterung ununterbrochen das Standbein. Für mich ist dieses Spiel ein willkommenes Posing, und ich studiere nochmals jede Biegung ihrer leicht gebräunten Beine, die ich aus unerklärlicher Sehnsucht am liebsten innig umschlungen und nie wieder los gelassen hätte.

Meine kleine Schönheit dreht sich um, sendet mir im Schatten ihres Sommerhutes ein letztes Abschiedslächeln und entschwindet mit grazilem Schritt unter ihrem wippenden Tennisröckchen um den nächsten Felsenvorsprung …