ERLkönig

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Lago Maggiore & Fuerteventura 2010

16. November 2010

Schon morgens am Trog das Grauen: farbiges Halbkörper-Tattoo statt T-Shirt auf Anabolika geschwängertem GlatzkopfTorso.
Und sie erst: die personifizierte Dürre aus dem Film „Die letzte Fris(s)t“ in hochgekrempelter Stone-washed Jeans, die gerade mal oberhalb des Venushügels endet. Der breite Gürtel – ohne jegliche Bindung zur Hose – schnürt nicht etwa die Taille sondern den zweiten und dritten Rippenbogen von unten beängstigend ein, wird seinerseits getragen von einem kurzen T-shirt, das hinten genügend Freiraum für ein dilletantisch geritztes Hirschgeweih gibt. Dieses Gesamtwerk wird gecovert durch ein mindestens 6 Grössen zu kleines bzw. eingelaufenes, rosa Kuschel-Strickjäckchen.

Das alles übertreffende Highlight aber zeigt sich achtern zwischen Hirschgeweih und Hosenrand: eine Schnur zieht sich durch die dem Betrachter unverhohlen dargebotenen Kimme der modebewussten 19-jährigen, deren Funktion weder von dekorativer noch hygienischer Bedeutung sein kann …

Mehr Brech- als Reiz am frühen Morgen! Mahlzeit!

Ich düse bei knapp 30 Grad wieder gen COSTA CALMA und mache einen Abstecher an einen verborgenen Strand. Nackedeis soweit das Auge reicht. Nicht ein immer uneingeschränkter Genuss … Also, Hosen runter, rein in die Wellen. Ich freue mich wie ein kleines Kind: das Wasser azurblau, nicht ein Steinchen am Boden, 22 Grad, keine einzige Qualle, nur hahahahaie … (isn Schääärz!). Bodysurfing wie Jack Jahnson in der letzten Sequenz seines Musik-Videos.
Langsam verstehe ich all die Nacktschwänze: unten ohne hat wahrhaftig etwas Befreiendes!

Astrid ist nicht da und gibt sich wohl zuhause ihrem Kummer hin: seinen geliebten Vierbeiner zu killen, auch wenn es ein Akt der Barmherzigkeit ist, das ist kaum auszuhalten …

Ich lass es mir im „Avenida“ gut gehen. Käffchen, vino tinto, und es ist erst 13:00h.

15. November 2010

Bei 87 Cents pro Liter haut man gern mal den Allradantrieb rein! Auf der Fahrt an die COSTA CALMA verlasse ich hin und wieder den Highway und treffe auf Panoramen, die sich mit einem normalen Pkw kaum für mich erschlossen hätten.

Astrid befindet sich im Aufbruch, als ich gegen 12 bei ihr eintreffe. Mit ihrem Ex muss sie zum Tierarzt, um den gemeinsamen, 13 Jahre alten Hund einschläfern zu lassen. Erinnerungen werden wach …

Ich klapper ein paar Hotels ab, finde für mein angestrebtes Winterlager interessante aber leider teure Objekte, kaufe abends in MORRO JABLE bei movistar eine spanische PrepaidKarte und falle nach einem spannenden Krimi im ZDF um Mitternacht erschöpft ins schmale Bett.

14. November 2010

Nach dem Gang an den Trog knatter ich weiter südwärts und verlasse hinter MORO JABLE die Asphaltpiste und begebe mich auf altbekannte Achterbahn, staubig, eng, kurvenreich – das tiefblaue Meer in seiner unendlichen Ausdehnung zu meiner Linken.

Das ist die schönste Route der Welt, die Passage ins einsame Blau, von der ich im Krankenhaus nach all dem schwer Er- und Überlebten geträumt habe.

In PUNTA JABLE stehe ich auf einem Fels, dessen schroffe Steilküste 50 Meter in die tosende Brandung fällt, beobachte das Milliarden Jahre alte Spiel der Wellen, weiße Brecher fallen weit draussen in sich zusammen, woraufhin sich einer mystischen Formel nach in ganz bestimmten Intervallen wieder neue formieren. Der kühlende und dennoch warme Wind zerzaust mir Haare und Hemd, und mir laufen vor Glück, hier sein zu dürfen, die Tränen über das staubverkrustete Gesicht. Das Leben meint es gut mit mir …

Abends geht’s nochmal auf die Piste. Ein Roter muss noch sein, einer geht noch rein. Leider hat meine Internet-Pinte von gestern zu. Das steigert die Vorfreude …

13. November 2010

… FUERTEVENTURA.

Ich sitze auf meinem Raynair-Stammplatz: erste Reihe, gleich am Eingang mit zwei Metern Beinfreiheit. Die Boing 737 sticht sofort nach dem Start in Schräglage durch die Wolken, und die Sonne scheint mir schlagartig ins Gesicht. Kurs 180 Grad, Sonne auf 9 Uhr. Irgendwo unter diesem Wolkenmeer bin ich heute um zwei Uhr aus dem Bett gestolpert, habe mein kleines Bündel gepackt und beim Portier, der mich glockenwach erwartete und mir freundlicherweise noch einen Cappucino kredenzte, meine Rechnung bezahlt.

Auf praktisch leerer autostrada zieht mein Fiat Panda genügsam seine Spur, ich befülle noch den Tank, und mein alter Aldi-Navigator findet im Strassen- und Autobahngewirr um BERGAMO zielsicher meinen auf der Herfahrt programmierten rental Parkplatz.

Auf dem AirPort vertilge ich den vom Hotel liebevoll vorbereiteten doggibag, stürze meine restlichen zwei Liter Mineralwasser hinunter und stelle mich – keine Minute zu früh – in der Ryanair Priority Boarding Reihe an. Airborn: 07:10 – mal wieder perfektes Timing meinerseits!

Über den Wolken will die Zeit nicht vergehen. Vier Stunden in der Luft – für Schlappe 34 €.

11:00 Touch down. Mir schlagen fette 25 Grad ins Gesicht. Top Car hat einen alten Jeep Wrangler mit schlappen 96.000 km auf dem Tacho für mich. Verstaubt und röhrend bringt er mich über alt bekannte Pisten zunächst nach Costa Calma, wo ich Astrid in ihrem Atelier und Verkaufsraum an ihrer Lebensarbeit überrasche: eine Welle, verteilt über 6 Platten im Gesamtformat von ca. 8 Metern.

Mein Jeep knallt den Highway runter gen Süden. In Jandia verfahre ich 50 km und eine Menge Zeit, bis ich meine Herberge finde. Die all-inclusive-Absteige „Stella Jandia“ ist vor jüngster Zeit untergegangen in einem Konklumerat einer Hotelkette und als solches infolge Neufirmirung nicht mehr auffindbar. Für Selbstbucher wie mich eine Zumutung, denn weder Reisebüro noch vermittelnde Agentur geben notwendige Infos weiter. Nach Anfahren von drei Hotelreceptionen stehe ich endlich vor der richtigen und könnte gleich vor den Thresen kotzen.

Aber es kommt noch besser: der Internetzugang ist wie beschrieben frei, aber für satte 8 € am Tag, der Hotelkomplex, der unter dem Namen im Internet wirbt, stellt sich im Netz dar als ein Gebäude, das lediglich Pool, Restaurant und Internet beherbergt, mein zugewiesenes Zimmer aber liegt 400 m bergauf in einer unübersichtlichen Anlage, die schon einmal bessere Zeiten gesehen hat. Nochmals Brechreiz!

Für die Mühen meiner Anfahrt spendiert man ein Abendessen. Den Rest will ich morgen mit der Geschäftsleitung klären.

Das unendlich Buffet bietet Alles und einigen wohl doch noch zu wenig. Ich sage nur: Schweine am Trog benehmen sich mit mehr Anstand …!

Ich schwinge mich nochmals in den Sattel, und mein Allradgefährt bringt mich auf die Touristenmeile. Eine Douglas(ie) – Verkäuferin von D. – verrät mir ihre Lieblingslocation, woraufhin ich im „Toragano“ lande. Coole Musik, guter Roter, fensterfreier Blick über die Strasse auf Strand und Meer und … freier Internetaccess!!!

12. November 2010

Frühstück wieder mit Kaffee Latte – eher Kaffee della Aqua Spülio … Ich sollte morgens schon mit dem Barolo beginnen!

Da ich mich für die heute anstehende Einladung zum Mittag entschieden habe, suche und finde ich das passende Gast(geber)geschenk: eine Packung praller Pralinen. Noch einmal überquere ich den Lago – dieses Mal mit meinem Fiat Panda – und fahre dann bei schönster Sonne Richtung PINO, also 23km in den Norden – pure Küstenstrasse, que bello!

Die beiden Impeduglias und die BarackenBracke empfangen mich herzlichst in ihrem gediegen eingerichtetem 300 qm Haus in Hanglage mit Riesengrundstück. Im Wohnzimmer lauter Bilder vom Lago Maggiore – ach nee, das sind ja die Fenster …!

Der freie Blick vom hauslangen Balkon ist mehr als atemberaubend: vis a vis das „Armenhaus“ der Schweiz: ASCONA (Millionärsresident), weiter rechts LOCARNO, dahinter Schnee bedeckte Gipfel, und still davor ruht der See … Ein Ruhesitz, den man wohl noch nicht mal im Tode verlassen wird!

Am Kamin ein Aperetivo, am festlich gedeckten Tisch Silber und Teller mit Natur-/Jagdmotiven. Ein überaus guter Roter zu Hirschgulasch an käseüberbackener Polenta, zuvor eine FasanenPate an Rocula mit Kürbisöl benetzt, Pistazieneis zum Abschluss, Caffe Corretto, Limonicetta und einen Myrtheschnaps. Rien ne va plüsch! Nach dieser Druckbefüllung gehts wieder an den Kamin, und man schlägt sich freundlich aber bestimmt die Zahlen um die Ohren, um eine allseits verträgliche Preisfindung für die „Alcione“ („Möwe“) herbeizuführen.

An diesem Tag will uns dies aber nicht gelingen. Eine gewisse Säuernis konnten meine Gastgeber nicht verhehlen, verabschiedeten mich aber dennoch in aller Freundschaft – um halb fünf.

Eine Stunde später liege ich im Bett. Um 3 in der Nacht geht’s zum airoporto, der Flieger um halb sieben nach …

11. November 2010

Auf meinem Weg zu Lidl begleitet mich strahlender Sonnenschein. Der Lago Maggiore zeigt ein neues Gesicht. Que bello!
Meeresfrüchtesalat, grüner Salat, Wasser. Alles gewohnt preiswert und gut. Es zieht es mich an den See und ich genieße auf einer Sonnenbank den Blick über das ruhige Wasser. Eine Oase! Und Villen – alte wie neue – in paradiesischer Lage.

Meine Einkäufe vertilge ich auf dem Zimmer. Nach einem Mittagsschläfchen bis halb fünf zieht es mich wieder in die Strassen von Verbania. Zu 98% ist die alte Bausubstanz in dem niedlichen Städtchen erhalten und liebevoll restauriert. Kein rigoroser Abriss, keine Betonschluchten. In nahezu jedem zweiten Haus ist ein Caffee untergebracht, den Rest der Geschäfte teilen sich Immobilienmakler und kleine Modeausstatter. Hier bringt shoppen sogar Männern Spass.

Zum Abendessen kaufe ich einen Barolo 2005, Parmaschinken und kleine Würfel von Parmagiano. Meine Beute wird wieder genussreich auf dem Zimmer verspachtelt.

10. November 2010

Um 7 öffne ich das Fenster und blicke in den verregneten Morgen. Lieber nehme ich den in Kauf als die kahle Wand, die sich meinen ungläubigen Augen bot, als ich das Fenster des Zimmers öffnete, das mir der Portier bei meiner Ankunft gestern anzudrehen versuchte. Auf meine Reklamation hin begriff auch er, dass Fenster nicht nur zum Lüften da sind …

Nach einem Häppchen und Käffchen vom überschaubaren Buffet entere ich um 9:40 die Fähre VERBANIA > LAVENO und schippere in diesig-nasser Luft vorbei an unverschämt teuren, alten wie neuen Seevillen in exquisiter Lage – hinüber ans andere Ufer, wo mich 20 Minuten später Senior & Seniora Impeduglia mit einer italinischen Bracke – das ist ein Hund und kein Schimpfwort! – abholen. Ohne jeglichen Sonnenstrahl geht es die nasse Seestrasse Richtung Süden zum 23 km entfernten Örtchen SESTA CALENDE.

Angelangt am Objekt meiner Begierde bietet sich ein weniger schönes Bild einer auf dem Land aufgebockten Fisher 25:

anderthalb Jahre unberührt und ungepflegt nimmt Grünspan vom Schiff Besitz, kostbares Teak verliert seinen (überflüssigen) Lack, Taue und Tampen rotten vor sich hin. Ein kompletter Kontrast zu den per mail übermittelten Fotografien … Die Substanz jedoch ist gut, und ich schiesse tausend Bilder vom grauenvollen Anblick der „Alcione“.

Man lädt mich ein zu Pasta, Vino Rosso, Caffee Corretto und Limoncello, verteidigt den überhöhten Schiffs-Preis und beschließt, die Verhandlung in zwei Tagen in heimischen Gefilden fortzuführen – bei einem avisierten Wildgericht, denn der Käpptn is auch Jäger … Und ich denke noch: bringt man Blumen mit oder gehe ich erst gar nicht hin?

9. November 2010

Mein zweiter Martini. Die Pizza war wortwörtlich grandios, der Rosso della Casa ein ehrlicher Babera – schließlich bin ich in der Regieon Piemont – der Caffe Coretto war mehr Grappa für Papa als Kaffee au latta…

Es geht mir gut. Den ganzen Tag schon. Um halb acht holen mich Georgie und Birgit ab und geben mir einen Lift nach Lübeck Hbf. Ich stromer durch Geiz.is.geil.Saturn und nehme den Bus zum AirPort Lübeck. Ryanair – untergebracht in einer Halle für universelle Verwendung, idealerweise für Viehverfrachtung – befördert mich mit 230 Elefanten über die Alpen auf dem Luftweg. Hannibal rotiert im Grabe …. Aber auch für mich immer noch eine nahezu unvorstellbare Errungenschaft ein paar Jährchen nur nach Hannibal, dieses Fliegen über alle Grenzen und Hindernisse hinweg in Herden bzw. Horden!!

Martin – Mister Multitasking – meistert als Purser mit 21 Lenzen seinen Job bravourös, Karoline supportet ihn mit unschlagbarem Charme.

In Lübeck bei Regen eingestiegen, in Bergamo bei Regen den Mietwagen übernommen. 150 km über feinste und teure Autobahntrasse – vorbei an Horror Milano – in das Dunkel einer verregneten Nacht … VERBNIA. Hotel il Chiostro (www.chostrovb.it). Gediegenes Zimmer in ehemaligem Kloster. Von Letzterem nichts mehr zu verspüren, zumal schnellster Internet Access frohlockt. Deshalb bin ich hier, bzw. habe ich hier gebucht.

Kaum gestrandet, klingelt das Telefon. Mein Verabredung für morgen. Wir machen einen Termin aus, und mich überfällt der Hunger. 19:30 h, und erst drei Äpfel im knurrenden Ranzen … Und die Geschichte beginnt (oben).

Maria Pia von der Hotelbar kredenzt den 3. Martini Bianco, und er beginnt zu schmecken.

Noch auf dem Zimmer tanze ich umher zu den groovy licks of Bonamassa und wundere mich ob meiner Wachheit. Beim Zähneputzen fällt mir ein: Caffe Corretto …

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