ERLkönig

ERLebnisse, ERLerntes, ERLesenes

Archiv für Gran Canaria 2009

Gran Canaria 2009

03.04.2009

Der Abschied von Max fällt mir schwer. Er hat die ganze Nacht asthmatisch geatmet, ist unruhig umhergelaufen und fand nicht in sein Bettchen.

 

Um 03:00 ziehe ich besorgt von dannen – seinen treuen, wehmutigen Abschiedsblick im Halbdunklen mit mir nehmend …

Nach einer Stunde Autobahn stelle ich meinen Flughafenshuttle in der Nähe S-Bahnstation und Hamburg airport ab und tippel in der Dunkelheit mit vollbepacktem Rolli durch die noch schlafenden Strassen des Hamburger Vororts zu „Departure“.

 

Alle Plätze bis auf den letzten ausgebucht, die Boing 737-800 hebt trotzdem souverän ab und verhält sich die restlichen 5 Fllugstunden überhaupt bemerkenswert ruhig.

 

Seine Eminenz der zarten Töne, Justus-Franz, schräg vor mir auf 1c, mit Beinfreiheit (25,- Euronen extra! Keine Scherz!) wird vom Purser zugeschleimt, als dieser sieht, wie Justus sich just die Ohrhörer in die klangkritischen Lauscher drallert: „Hähä, und ich wollte schon immer mal wissen, hähä, was Sie so privat hören, oder, hähähä, bereiten Sie sich sogar auf ein neues Projekt vor!?“

J. sagt etwaas Freundliches – was ich nicht verstehe – und der kleine Dicke, den eine andere airline ob seiner Leibesfülle schon längst ins back-office und damit aus belastungstetechnischen Gründen für immer auf den Boden verbannt hätte, setzt sein joviales Lächeln auf. Justus indes denkt – und das verstehe ich weitaus besser: „Sei lieb und geh, Du nervende Saftschubse und füll mit der Dir gewohnten Geschwindikeit einer Wellhornschnecke das gemeine Volk mit dem mikrowellen-geschändeten Schweinfrass ab, den der flyer dieser airline als „Gaumenfreuden“ und „Snackerlebnis“ tituliert.

 

TUI Purser Moppelchen trollt sich und Justus widmet sich wieder seinem Handy-Spielchen in hoher Farbauflösung ohne musikalischen Hintergrund …

 

Recht geschmeidig setzt die Maschine in LAS PALMAS auf und spuckt ihre mehr als 200 entnervten Fluggäste aus. Pausenlos plärrende Kleinkinder bereiteten fast allen einen schlaflosen Flug.

 

Nach Wagenübernahme beim bekannt billigen TOP CAR Vermieter erwische ich mit meinem roten VW FOX 2 km hinterm Flughafen eine kleine Kneipe am Strand, esse Gofio und Calamares, ziehe meinen Pulli über den Kopf und lasse Urlaubsstimmung in mich strömen.

 

4 Stunden später hole ich HansG vom Flughafen, wir kaufen Proviant und ich besteige mit ihm in PUERTO RICO seine Katmandu, ein Catamaran mt 17m Länge, 8m Breite.

 

04.04.2009

Müsli, Kaffee, der Tag beginnt. Am airport holen wir „meine Malerin“ Astrid ab, die mit einem Inselhopper von Fuerte für 4 Tage rüberkommt.

Als erstes muss Astride zu IKEA, kauft dort alle Bilderrahmenbestände auf, und ich bin froh, als wir die Stätte des menschenüberfluteten Möbelkommerzes wieder verlassen können. Allein das Gedrängel auf dem Parkplatz hat mir gereicht!

MEDIA MARKT verkauft mir für 29 Euronen einen 8 GB Speicherchip für meinen kleinen Camcorder, der damit eine Aufnahmekapazität von 6 Stunden Video erreicht.

In LAS PALMAS verabreden wir mit dem zuständigen, sehr freundichen Hafenmeister einen Termin, zu dem wir das Schiff auf der Slipanlage (Rampa) bei Ebbe trocken fallen lassen können, um uns dem Unterwasserschiff widmen zu können: Algen- und Muschelbewuchs müssen runter, ein Neuanstrich mit Anti-Fouling  wieder frisch drauf.

Danach Käffchen im Hafencaffeemit Blick über Millionen schwere Yachten.

Auf dem Rückweg führt uns HansG in einen Fisch- und Fleischladen, in dem mir die Augen übergehen und mein Magen Knurrhahn spielt … Wir decken uns ein mit Pollo und Panga (Fisch).

Abends gibt’s Tappas a l’Astride mit Rotwein.

 

05.04.2009

Müsli, klar Schiff und raus aus dem Hafen. Wir gehen mit der „Katmandu“ auf kleine Fahrt. 1 bis 2 Windstärken, Sonne satt, und wir dümpeln ein paar Seemeilen gen Osten, drehen und erreichen MOGAN. Riesenyachten der Bootsklasse Hartz 4 bis 5 überholen uns und hinterlassen weisses, aufschäumendes Heckwasser. Nackte Alabasterkörper aalen sich auf den Oberdecks, verdunsten durch ölverschmierte Poren den Champus der letzten Bordparty an bootseigenem Tresen des Salons am Mitteldeck – das Leben ist einfach die Hölle …!

Gegen 4 können wir das Elend nicht mehr sehen und werfen vor MOGAN den Anker. Badespass im smaragdgrünen Wasser – ein unbeschreibliches Gefühl nach 6 Monaten pausenlosem Nebel, Regen ud Frost an der Ostsee!!!

Endlich gib es ein postbalneares Einlaufbier – das preabalneare wurde uns vom Skipper verwehrt: „no alc on törn!“

Astride springt sportlich im farblich mit der Katmandu abgestimmtem Badeanzug in die ihr gewogenen Wogen und erhält vom Rest der Mannschaft die Haltungsnote 10,0 und 10,0.

So sportlich wie Astride sich leichten Fusses auf dem Schiff bewegt, so schwindelfrei und professionell bewegt sie sich mit lukullischer Glanzleistung in der Kombüse. Heute kündigt die an bordeigener Druckerei erstellten Menuekarte „Pollo a l’Astride“ als main course an. Und schon wieder übereinstimmend zweimal die Note 10,0 für organoleptische Glanzleistung!

Beim Dinner unterhielt uns unser Koch- und Segelwunder mit ihren Erlebnissen aus ihrem letzten Kurs auf Fuerteventura, dem „Angstfreien Töpfern“, und HansG hielt mit seinen ernüchternden Berichten aus seiner Frauengruppe dagegen. Da überliest man doch glatt das Inserat in der Inselzeitung: „Die Trommelgruppe auf GOMERA hat noch Plätze frei!“ Wir diskutierten das alles auf der rotweinbefleckten Jutematte und gingen erst spät in die Kojen.

MOGAN: vor rund 15 Jahren verlebte ich hier ein paar glückliche Tage. Im Angesicht des Hotels, dessen Illuminierung sich in den leichten Abendwogen sanft spiegelt, überkommt mich altbekanntes Gefühl der Wehmut über verlorene, schöne Zeiten …

 

06.04.2009

Müsli, Kaffee, Motor. Wir tuckern unter Maschine wieder an der wüst bebauten Küste zurück und werfen mittags Anker vor ARGUINEGUIN. Mit dem motorisierten Schlauboot geht’s ins Städle Farbe kaufen und Tapas essen.

Dieser Tag ist der ultimative ChillinTag, und jeder hängt – ob in der Sonne oder im wenig kühlen Schatten – seinen Gedanken nach.

Unsere Küchenchefin macht einen 10,0 – Pangratius an Paprika und Knoblauch. Faulenzen an Sauerstoff geschwängerter Luft mit Meeraroma macht einen unbeschreiblich hungrig!

Nachmittags kommt Frank aus Heidelberg mit seinem Beiboot vorbei. Er liegt ein paar Schiffslängen neben uns, und HansG begrüsst ihn als alten Bekannten herzlichst. Frank hängt seit Jahren mit Frau und zwei Kindern auf einem in Flensburg selbst gebauten Katamaran hier herum, verdingt sich als Fotograf und assistierender Schiffsbauer, unterrichtet seine beiden Söhne zu Hause – auf dem Schiff.

Astrid zieht mit Frank ein neues Projekt für Fuerte hoch und geht mit verheissungvollen Konzept-Träumen ins Bett.

07.04.2009

Müsli, Kaffe, Motor. HansG steuert Heimathafen an. Unsere Ernährungsberaterin verlässt uns heute Abend, und vorher muss unser Auto noch abgegeben werden.

Astride gibt sich ausgiebiger Körperpflege an Land hin, ich widme mich dem Decksschrubben, Wassertankbefüllung, Abwasch.

Nach einem kleinen AbschiedsSnack verlässtt uns unsere Diätassistentin mit Rollkoffer und Bilderrähmchen Richtung airport mit dem „kleinen Dicken“ vom Schiff nebenan, der wegen zwei SchiffsGummibändern mit seinem 320 SEL eh nach Las Pamas muss.

Nach einem Astride-Pollo-Gedenk-Reste-Fresserchen führt mich HansG in die Abgründe des Puerto Rico Nachtlebens: Schweine-Derby im Neonlicht. Spärlich verpacktes Übergewicht im high-heel-catwalk soweit das Auge reicht …

Mit zwei laptops und zwei handys versuchen wir vergeblich, ein schnelles W-LAN zu erwischen und verdrücken uns resigniert in einen irish pub, in dem zwei Typen mit Gitarre, Tamburin und Micro ein Feuerwerk musikalischer Improvisation hinlegen. Man sieht ihnen die irische Lebensfreude und innere Leberbeanspruchung an …

Der Abend endet früh am Morgen, und da ich GuinnessBier gar nicht mag, sind die 5 Pints schnell vertilgt.

 

08.04.2009

Erst spät kommen wir aus den Federn, meine GuinnessBirne passt zum Glück noch durch die Luke … Der Tag ist heiss, wir bleiben im Hafen. HansG hantiert mit Zangen, Klemmen, Schraubern, Kabeln und Schaltplänen an der Elektrik herum, mich lähmt die Hitze …

Ein Hajo besucht uns,der schon 10 Jahre auf der Insel lebt und seit dem auch mit HansG befreundet ist.

09.04.2009

Um 11:00 stösst Matt Molloy (THE CHIEFTAINS) zu uns. Wir segeln bei uns gewogenen Winden die Küste auf und ab, werfen die Angeln aus, fangen nicht eine Sardine, liegen vor Amphi del Mar, baden hängen ab, bringen Matt wieder in den Heimmathafen, weil er noch ein Date hat, der alte Schwerenöter mit einer Yacht (Fisher 37) auf St. Lucia in der Karibik, Wohnsitz in Irland und Apppartemento in Puerto Rico.
Wir gehen nach Arguineguin, besuchen Frank Fox & family an Bord ihres selbst erbauten Kats, und trinken einen Absacker. Frank – er könnte der Zwillingsbruder von Ingo bei Dietsche sein – zeigt mir seinen Kommandositz am Bordrechner, das Schiff selbst ist komplett aus Sperrholz gebaut und aussen mit GFK überzogen. Unbedingt seine website ansehenMit ihren beiden Söhnen leben sie seit Jahren schon auf im Gewässer der Canaren – heute hier und morgen fort … Das Leben ist bunt!

10.04.2009

Mir geht’s nicht besonders. Vermutlich war das pausenlose Segeln in praller Sonne gestern dem Alabasterkörper nicht gerade zuträglich.
HansG knüpft in praller Sonne an seinem Netz auf dem Vordeck weiter – alles makrameemässig einwandfrei wie in der Gruppe nicht erziehender Frauen emsig gelernt -, ich gebe mich totalitärer Entspannung hin. No sex, no drugs, no work and rockn roll!

 

11.04.2009

Einkaufen bei einem Super sortierten SparMarkt, HansG taucht mit Flasche nach einem verlorenen Anker von foxy Frank – leider vergeblich. Danach gehen wir unter Motor die Küste hoch nach Mogan. Kaum iist in brüllender Sonne der Anker ins blaue Meer gefallen, geht das Telefon von HansG. Unser Einlaufen wurde von Land beobachtet, und eine Stunde später sitzen wir bei Ilia auf der schattigen Terrasse mit Blick über halb MOGAN samt Hafen, schlürfen Käffchen und lassen uns gut gehen. Ilia und HansG retten in tiefgründigem Gespräch die Welt, während mich der überwältigende Ausblick vom Hochsitz der mondänenen Dame des Hauses derart fesselt, dass die Weltverbesserung ohne meinen überflüssigen input kommentarlos und fast unhöfich ihren Lauf (an mir vorbei) nimmtAn dem mir vertrauten „Hotel del Mar“ vorbei treffen wir auf auf dem Steg einen HansG bekannten Segler mit Hund (11 Jahre alt), der seinen vor Jahren beerdigten „Vor-Hund“ besuchen will – so, wie er es seit Jahren tut, wenn er hier vorbei kommt.
Wir setzen mit unserem motorisierten Schlauchboot über und nach gepflegter Körperpflege widmen wir uns den „Spaghetti ala Salmon“.

12.04.2009

Klar Schiff und unter Motor wie strahlender Sonne zurück nach Puerto Rico. Gegen Mittag kommt Bernd – meine Ablösung – eingeflogen. Der eine packt aus – der andere ein. Abends nehmen wir ein gepflegtes, argentinisches Rind – medium/rare – ein und trinken einen Absacker  bei Mac Gowan’s. Ein sturzbetrunkener irrer Ire (tShirt: „Get rich or die tryin“) gibt der liveMukke keinen akustischen Raum und vertreibt uns schliesslich mit seinem haltlosen Gegröle. Schade. Ich hätte den Blödmann sonstwas können … „Meinem“ Gitarristen und Sänger mit dem treuen Hundblick in sonst reichlich verlebtem Gesicht hätte ich die ganze Nacht lauschen können. Seine Stimme, sein Repertoire, seine Freude am Spiel allein war für mich faszinierend.

13.04.2009

Klar Schiff und tschüss. Schweren Herzens ziehe ich meine sieben Sachen hinter mir her und besteige den alten Diesel Daimler (Tachostand: 473.586 km) von Hajo, der mich dankenswerterweise auf seinem Rückweg nach Hause am airport absetzt. Hajo, ein Auswanderer mit fachlich größter Performace im elektronischen Sektor, seit 10 Jahren auf der Insel, alles in München damals hinter sich abgebrochen, heute mit ausgewählter Kundschaft, ausgereiftem Spanisch auf den Lippen und beneidenswerter Zufriedenheit und Dankbarkeit im Herzen.

Der Flug: ein einziges Inferno von Kindergeschrei und Geplärre. Dankbar für eine gesunde Heimkehr falle ich um Mitternacht ins (eigene!) Bett und lasse die unvergesslichen canarischen Impressionen an mir vorbei ziehen …

Danke dafür, lieber HansG!!!