ERLkönig

ERLebnisse, ERLerntes, ERLesenes

Red Lips

Vor rund 12 Tagen fielen mir die Glotzböppeles aus dem Gesicht, als abends gegen 21 Uhr ein Mädel etwas suchend in eines meiner InternetCaffés hereinstolperte. Rita – einen Tag zuvor gerade mal 40 Lenze alt geworden – war in einer AppartementAnlage ohne Restaurant abgestiegen, und mein zwei Strassen weiter gelegenes Bistro bot den dazugehörigen VerpflegungsService an.

Direkt vom Flieger kommend zwang sich angesichts ihres Auftritts in schwarzen Netzstrümpfen, high Highheels, schwarzem MiniLederrock und schwarzem BoleroJäckchen wieder einmal die altbekannte Frage auf „Wo komme ich her, wo gehe ich hin, und was ziehe ich dazu an?“ Rot lackierte Fingernägel, blutrot geschminkter Mund, gerrahmt von einem Paar schöner, dunkler Augen und einer üppigen Löwenmähne rundeten den nicht gerade Fuerteventura konformen Auftritt ab und trugen ihr Übriges zur allgemeinen Verwirrung eines durch optische Reize überforderten Männerhirnes bei.

Ich vergass meine mails und webBeiträge, und in einem intensiven Gedanken- und Erfahrungsaustausch bei einem Käffchen stellten sich eine Menge Gemeinsamkeiten heraus, die in diversen Lebensbereichen unserer Existenz zu finden waren …

In der Hitze unseres angeregten Mitteilungsdranges berührte ich fahrig und unbewusst ihre Hände, was sie zurückschrecken liess mit den Worten: „Ach, ich kann im Moment soviel Nähe nicht ertragen …!“

Da es keine Zufälle gibt, trafen wir uns an meinem Abreisetag einer inneren Fügung zufolge am Strand wieder, wo ich mein Abschiedsbad von der Insel nahm. Ihre unter einer roten Kappe versteckten Haare, ihre riesige Sonnenbrille und ihre nackten Brüste liessen sie mich nicht gleich wiedererkennen, und noch in meinem Abwenden sprang dieselbe Schönheit mit angeblichen Berührungsängsten freudig auf mich zu, umarmte und küsste mich, als hätte sie mich in all den langen Tagen, in denen ich mit einer fetten Bronchitis in einem verschwitzten Bett zu kämpfen hatte, unendlich vermisst. Nun hätte sie doch auf dieser Insel nach all den erlittenen Enttäuschungen und Verletzung zum Leben zurückgefunden und fragt sich, nein, fragt mich (!), was sie mit all den Männern machen soll, die mit ihr und mit denen sie so gern schlafen würde/n …

Ich riet ihr, alle auf einmal zu vernaschen, damit sie ihren Urlaub nicht nochmals verlängern muss, oder unsere Variante der keuschen aber geistig befruchtenden Begegnung zu praktizieren, was ihren Körper zwar schmachten lassen, ihren Geist aber erfrischen würde.

Schon lange war sie auf ihrem Weg den Strand von Jandia entlang in die anonymen Massen nackter und halb nackter Körper getaucht und darin als Individuum nicht mehr auszumachen, da muss sich so mancher Badegast über mein stilles Kopfschütteln gewundert haben, als ich mich an die ach so peinliche Berührung unserer Hände beim ersten Treffen erinnerte. Verstehe einer die Frauen …

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1 Kommentar»

  Maria wrote @

Mensch Wolf, Du bist die Wucht!!! Ich lach mich gerade krümmlings…und bevorzuge weiterhin die geistig-keusch-erfrischende Variante des Spiels..:))

Na, da überleg ich mir doch gleich mal, wie ich unsere erste Begegnung beschreiben könnte…


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