ERLkönig

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Fuerteventura 2011: Begegnungen

Fast 2 Monate liegen hinter mir, und es sind nicht nur Bilder, die auf Reisen haften bleiben, vorrangig sind es die zahlreichen Begegnungen mit Menschen – wie zum Beispiel:

Richard mit seiner Britta. Im Hotel lagen unsere Appartments gegenüber, durch den Pool getrennt. Ohoh, war der erste Impuls. Die Vorhut der HellsAngels? Kommen da noch welche? Richard, stattlich beleibt, seine Arme nahezu flächendeckend tätowiert, Haare ungegeelt bis zum Hintern, schwerer, raumgreifender Gang. In seinem bärtigen Gesicht glimmte stets eine Fluppe. Ich brauchte einen Korkenzieher – R. schenkte mir einen. Ich hatte Durst (R. hatte mich mit Wodka/Orange angefüttert) – R. schenkte mir ein. Wir hauten uns im Laufe seines Aufenthaltes 14 Tage und Nächte liebevoll Beleidigungen um die Ohren – R. grinste sich eins und war des souveränen Einsteckens nicht müde.

So raunte er einmal über den Pool herüber, ich möge in der Zukunft davon absehen, Gäste auf dem Zimmer zu empfangen. Der verabschiedete Besuch, entgegnete ich, wird sich eh nicht wieder sehen lassen. Es wäre für die Dame ekelerregend genug gewesen, das verdreckte Poolwasser allein nur zu sehen, das er nach einem Bad hinterlassen hätte. R. grinste sich eins.

Kurzum: R. war ein Hamburger Pfundskerl mit Basslage, den man gern um sich hatte. Ganz besonders, als eines Tages merkwürdige Gäste im Hotel aufschlugen: ein 85jähriger mit Trippelschritt am Rollator, ein an Krücken geruhmsamer Schwabe mit Mönchsfrisur, beide in Begleitung einer 18jährigen, durchgenallten Kreischmöve, die sich in einer Tonlage und Lautstärke mit ihren Begleitern  zu verständigen pflegte, dass jeder andere Gast auf dem gesamten Areal unweigerlich Zeuge ihrer inhaltslosen Tiraden wurde. Nach einer Stunde drohte Tinnitus. Um Mitternacht – ich hatte schon einen Fuss aus dem Bett, um der Töle die Sirene abzudrehen – da hörte ich R. Er bot auf der Terrasse der Möve im Hemd stehend mit seinem Bass der Trällerstimme contra. Möve schreite ein letztes Mal auf, R. setzte ein „Das werden wir dann mal morgen sehen …!“ nach und Ruhe war im Karton.

Leider hat R. den leidvollen Abflug des Trios nicht miterleben dürfen. Er war schon wieder in Hamburg, als 2 Tage später alle Hotelgäste die Ohrenschmerzen nicht mehr ertragen konnten und die Beschwerden überhand nahmen. Nicole kassierte ab und schmiss das Trio Infernale raus. Danke!

Dann lief mir noch B. über den Weg, viel mehr, sie lag mir im Weg, am Strand von Costa Calma. B. war im Rio Calma abgestiegen und liess es sich dort mit Mama – 90 Jahre und fit wie ein Turnschuh – gut gehen. Wir kamen im Wasser ins Gespräch, glaube ich. Auf die „Ach-ist-das-nicht-schön-Tour!“ Nach ihrem Diner holte ich B. zwei, drei Mal auf einen Drink ab in ihrer Nobel-Absteige und ich strengte mich an, auch bei Mama einen guten Eindruck zu hinterlassen … B. reiste bald ab. Schade, ich konnte sie Richard nicht mehr der Begutachtung vorstellen. Es reicht aber auch, dass sie mich beeindruckt hat mit ihrer feinen Art gepaart mit gezügeltem Charme und schillerndem Charisma …

Nach der Abreise von Chrishy versuchte ich es nochmal mit der Bank – nicht gezielt, nur so. Zum Ausruhen. Ein paar mal. Immer nur Männer neben mir. Einer aber hob sich aus der Masse der langweiligen  Kurzurlauber hervor: Thilo. Thilo: weisser Haarkranz zum Pferdeschwanz gummigebunden, knielange Camouflagehose, sockenlose Schlappen. Die im Sichtbereich liegende Hautpartien legten Zeugnis ab von der Dauertorpedierung durch Sonnenlicht – typischer Resisdentio (eingebürgerter Neger aus nördlichen Gefilden Europas) dachte ich und lag richtig. Aus Berlin hat er vor Jahren rüber gemacht, bewohnt mit seiner Frau ein nettes Haus in ruhiger Lage und lässt ansonsten das Leben auf sich regen. Seine Gelassenheit und Ruhe hat mich ungemein beeindruckt. Vor dem Hintergund einer ärztlicherseits angedrohten Bypass OP hat Thilo sich fürs Leben entschieden – ohne OP!  Fand dann auf Fuerte zu Gelassenheit und Lebensfreude und lebt seither als ungebremster Raucher nicht ganz beschwerdefrei in den Tag hinein – seit mehr als 12 Jahren, seine anstehende OP beharrlich verweigernd! Für mich schien er so etwas wie mit dem Tod zu flirten. Seine Gürtelschnalle in Form eines silbernen, etwas überdimenisionierten Totenschädels wurde für mich zu seinem Markenzeichen …

TO BE CONTINUED …!

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