ERLkönig

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Archiv für März, 2011

Kegelrobben

Wale hat man in unmittelbarer Nähe zum Strand schon des öfteren gesichtet. Meine Schock gewohnten Augen durften heute eine im lupenreinen Strandsand ruhende Kegelrobbe bewundern.

Vom Achterteil her mich nähernd erspähte ich als erstes die Hinterflossen bestehend aus zwei übereinander geschlagenen Füssen – Fersen oben, Zehen in den Sand gesteckt. Geradezu keilförmig verliefen zwei in Breite wie Masse beeindruckende Beine in ein nacktes, ölig glänzendes Hinterteil, dessen ausladenden Backen auf Grund der Schwerkraft links und rechts schlaff und füllig im Sand ihre bewundernswerte Ausdehnung fanden, als wollten sie zum angestammten Körper gar nicht mehr gehören.

Selbst aus diesem weniger vorteilhaften Betrachtungswinkel war das Geschlecht der Robbe nicht eindeutig zu identifizieren. Einen zweiten Schritt weiter erschloss sich meinem ungläubigen Auge dann der Torso mit dem wuchtigen Kreuz eines Catchers. Kein Jungtier mehr, dachte ich, aber zumindest ein Männchen.

Die Arme in der Bauchlage am Körper anliegend, die Hände dabei flossenartig hochgeklappt, könnte es noch immer eine Kegelrobbe sein – würde sich unter der Öl- aber auf der Fettschicht nicht eine bereits fortgeschrittene carcioide Rotfärbung abzeichnen …

Schulter, Nacken, Kopf waren schwer voneinander zu trennen. Die vergilbte Dauerwelle sowie die unter den Massen hervorquellenden Quarktaschen ohne Brustriemen liessen schlussendlich und definitiv auf ein weibliches Tier rückschliessen. Die breiteste Stelle an diesem Alabasterkörper der zweiten Steinzeit war in der Tat der Schultergürtel, und ab hier verjüngte sich Richtung Hinterflossen alles. Schiffe und Torpedos werden nach diesem Konstruktionsprinzip gebaut – der Natur abgeschaut …

Zur Krönung hatte ich zwei Schritte weiter das Glück, die Schaltzentrale, das Intelligenzzentrum  des Geschosses zu bewundern: das Kinn lagerte auf einem zerknüllten, aufgetürmten Handtuch, in dem blutrot geschminkten Mund steckte ein bunt gestreifter Strohhalm, der seinerseits in der Öffnung einer Dose irgend eines Zuckerwassers verschwand. Durch den Saugvorgang – die einzige, erkennbare Aktivität übrigens – bildete sich ein kreisrunder, leuchtend roter Fleck im nicht minder Cholesterin geschwängerten Gesicht, dessen Augenlider geschlossen und daher einwandfrei erkennbar, mit blaumen Metalliclack divamässig geschminkt waren.

Zu meiner Überraschung war damit aber noch nicht genug. Ich hob meinen Kopf, sah über das liegende, saugende Alttier hinweg, und da lag nicht, da stand nochmal dieselbe Ausgabe dieser Gattung: nackig, fettig, fleischig, mit gespreizten Beinen, die Fäuste dort im Leib versenkt, wo andere ihre Hüfte haben. Brüste, Bauch, Oberschenkel, Oberarme, einfach alles zog übergewichtig Richtung Boden. Und Madame – frei jeglichen Schamgefühls, frei jeglichen Anflugs von Ästhetik und Anstand – präsentiert sich auf einer vom Meer geformten Düne wie auf einem Denkmalsockel den vorbeiziehenden Strandläufern groß und klein.

Wahrhaftig, lieber Gott, Dein Tierreich ist groß!

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Garnelen mit Folgen

Ein halbes Klo frischer Garnelen für knapp 4 Euro haben es mir angetan. Ich eile mit meinem Fang nach Hause, setze Reis auf, hacke eine Riesenzwiebel mikro klein, greife zu meinem Special-Öl – eine KnoblauchKNOLLE hauchfein filitiert und vor 8 Wochen in einer Flasche Olivenöl versenkt), benetze in Tim-Mälzer-Dosis die Pfanne damit, also 2,5 Hektorliter, Zwiebeln dazu sowie auf Grund meines unbändigen Appetits die in Rekordzeit gepulten Garnelen. Alllein der Duft …! Das schreit geradezu nach einem Glas Roten.

Also wird ein Rijocha geköpft, ein Gläschen geschlürft, angerichtet, im Angesicht des fürstlichen Tellers mit zwei Schalen gehäuften Reis in Umarmung der organoleptischen Garnelenkreation zur Freude ein zweites Gläschen geleert. Die Freude steigert sich bei der Vereinnahmung der ersten Gabelfuhre – das ist doch ein Gläschen wert … Und die Flasche findet synchron zum deliziösen Mal ihr im höchsten Masse genussvolles Ende.

Der Regen prasselt auf die Strassen, ich drehe mich mit Pink Floyd / remastered im Ohr (Wish You Were Here) mehrfach um die eigene Achse, und der Tag ist mein Freund ..

nicht gesucht – einfach gefunden …

Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut,
sondernd dass man gemeinsam in dieselbe Richtung blickt …
Antoine de Saint-Exupery

Wer liebt, muss das Los dessen teilen, den er liebt!
aus dem Buch: „Der Meister und Margerita“ von
Michail Bulgakow

Momentaufnahmen

Schöne Momentaufnahmen heute:

Im Vorbeigehen auf der Tourimeile in Jandia läuft auf einem der riesigen Flachbildschirme in einem Eiscaffee ein Flmbericht ab, wie Gaddafis Kampfjäger das eigene Volk bombadieren.

Im Laden nebenan, direkt schräg unterhalb dieses Monsterfernsehers im Aussenbereich bückt sich in genau diesem Moment Mama in einem Spielzeugladen zu ihrem kleinen Sohn und hält ihm eine russische MIG zum Aufziehen und mit Kanonengeknatter frohlockend und lächelnd unter die begeisterte Nase ….

Auf demselben Bildschirm huschen Bilder vorüber von explodierenden Meilern in Japan. Menschen verlieren ihr Leben, und wenn sie Glück haben, nur ihr gesamtes Hab und Gut bzw. ihre Existenz. Die Welt droht unterzugehen – zumindest in einem grossen Land -, und mit offenem Mund sitzen die Touris an den Tischen – sich die nächste Kugel (eis) reinlöffelnd, bestellen Sahne nach und regen sich über den verregneten Tag auf…

Was soll man machen …!?

Die Beine der Dolores …

Erschöpft hocke ich auf dem Steinplateau oberhalb des Hafens von Morro Jable und blinzel in die gleissende Sonne. Ein Touristenpärchen betritt die Bühne, er: nicht weiter wichtig, sie: für mich der wahre Hingucker!

Ich weiss nicht, was den wirklich entscheidenden Aufmersamkeitsimpuls ausgemacht hat. Ob es ihre für mich so handliche Grösse war, ihr verspielter Sonnenhut, oder ihre so makellosen Beine, mit denen sie gelangweilt an mir vorbdefiliert – mir unter einer riesigen Sonnenbrille ein flüchtiges Lächeln schenkend.

Ihre kleinen Füsse stecken in einem Paar schlichter Sandalen, ein luftiges Röckchen gibt genug preis von ihren mich so faszinierenden Beinchen. Selbst von hinten betrachtet zeigen sie trotz oder gerade wegen ihrer moderaten Grösse eine klare Kontur, ihre Proportionen rufen meine helle Begeisterung hervor: nach zwei festen, orangenhautfreien Schenkeln die leichte Wölbung ihrer Knie, ein wenig nach innen geneigt, übergehend in samtige und dennoch kräftige Waden, die zur rechten Zeit in schlanken Fussgelenken münden, die durch zwei Füsse mit rot lackierten Nägeln ihre Krönung erfahren. Welche Schöpfung!!!

Es sind alles andere als die dürren Stelzen eines mehr oder weniger bekannten Models. Es sind nicht die bestrapsten Schenkel einer zu allem bereiten Pornoqueen. Auf der anderen Seite ist es auch nicht der sexdurstige Blick eines geifernden, alternden Lustmolches. Nein, es muss die Art der Betrachtung sein, mit der schon seit jeher Künstler den Körper einer Frau begeistert wahrgenommen haben und diesen – frei jeglicher Fleischeslust – aus reiner Ästhetik und mit keuscher Bewunderung für einen makellosen Körperbau mit Stift und Pinsel auf die Leinwand oder in geblümten Worten zu Papier gebracht haben.

Schon lange wollte ich gegangen sein, aber ich musste warten. Noch einmal musste ich sie sehen, in ihrer ganzen Pracht! Und als hätte sie meine Gedanken gelesen, steht sie mit ihrem gänzlich uninteressanten Begleiter auf und stellt sich an den Rand des Plateaus, blickt versonnen hinunter zum Hafen und wechselt zu meiner stillen Begeisterung ununterbrochen das Standbein. Für mich ist dieses Spiel ein willkommenes Posing, und ich studiere nochmals jede Biegung ihrer leicht gebräunten Beine, die ich aus unerklärlicher Sehnsucht am liebsten innig umschlungen und nie wieder los gelassen hätte.

Meine kleine Schönheit dreht sich um, sendet mir im Schatten ihres Sommerhutes ein letztes Abschiedslächeln und entschwindet mit grazilem Schritt unter ihrem wippenden Tennisröckchen um den nächsten Felsenvorsprung …

Strandleben

Ich vertrete mir die Füsse am Strand und kann mich nicht entscheiden, welches Szenario interessanter ist: die tollkühnen Surfer, welche langgezogene Wellen jubelnd abreiten oder der im Sand buddelnde Vater, um den ein kleines nacktes Mädchen – bekleidet nur mit einem Blümchen bedruckten Sonnenhütchen mit Rüschenkrempe –  in heller Vorfreude herumspringt. Nicht exaltiert schreiend, quietschend, nein, sondern wie ein Hund, der still aber hochaktiv immer wieder dieselben Kreise zieht und in heller Vorfreude mit seinem Schwanz rudert.

Sorgsam und mit großen Schwüngen zieht Papa seine Kreise im Sand, häuft diesen nach einem noch undurchschauberen Plan mit dem kleinem, grünen Schäufelchen von Töchterchen sowie unter vollem Einsatz seiner kräftigen, aber noch blassen Unterarme.

Im Geiste sehe ich meinen Vater vor mir, als er vor langer, langer Zeit mir am Strand von Solitüde ein Auto aus Sand formte. Der Schonbezug auf dem sandigen Vordersitz war Muttis Handtuch, das Steuer war ein in die Sandkonsole gestecktes Stöckchen. Es war einer dieser wenigen glücklichen Momente mit meinem überstrengen Vater, die mir für ewig in Erinnerung geblieben ist.
Einige vergilbte Schwarz/WeissFotos zeugen noch heute von diesem Tag: mein alter Herr mit seinen von russischen Kugeln zerfetzten O-Beinen, unter der linken Armbeuge einen Fußball geklemmt, die Rechte, die gerade mal meine Schulter erreicht, besitzergreifend und nicht ohne Stolz auf mir ruhend. Ja, es war eine Zeit, da war ich noch seine ungebrochene, große Hoffnung …
Eine blaue, übergroße Turnhose flattert um seine lädierten Beine, um die er im Lazarett mit Starrsinn kämpfte, als man sie ihm absägen wollte. Er setzte sich durch, überlebte den exzessiven Blutverlust und starb nicht, wie die Metzger in Weiss es ihm prophezeit haben.
Gestorben ist er dann rund 30 Jahre später durch die eigene Hand, durch denselben starren Willen, als er ein Leben ohne seine Margarete sich nicht vorstellen konnte, die in Erwartung ihres qualvollen Todes im Krankenhaus seit Wochen vor sich hinsiechte. Aber da war auch ich ihm schon lange egal und zum Versager abgestempelt. Und all die auf mich projezierten Erwartungen, die er – weil selbst nie erreicht – durch mich in Erfüllung gehen lassen wollte, waren schon Jahre zuvor gestorben …

Der Vater am sonnenüberfluteten Strand von Jandia schaufelt, schiebt, formt, gräbt, häuft, türmt unbeirrt weiter. Schweiss rinnt über sein blasses, von Mutti fürsorglich eingecremtes Gesicht, er aber arbeitet an seinem Ziel, als ob es ums Überleben ginge. Vorübereilende Strandläufer schmunzeln über das Bild eines Erwachsenen, der unbeirrt und mit engagierter Freude in seiner „Kinderarbeit“ völlig aufgeht.

Zur Krönung seiner schweißtreibenden Arbeit rammt er feierlich das kleine, grüne Schäufelchen in den Bug des sanddesignten Schiffes. Ohne vorherige Schiffstaufe, dafür aber quietschend vor Freude ergreift die nackte Kapitänin Besitz vom Gesamtwerk, springt in ihr Boot – schier ausser sich vor Stolz und Dankbarkeit für die Leistung ihres Papas und das großartige Geschenk an sie.

Aus tiefsten Herzen wünsche ich ihr, dass sie dieses Erlebnis von Glück und Gemeinsamkeit ein hoffentlich langes Leben sich bewahren mag …

Resisdencia incl. N.I.E. – so schnell wie N.I.E. zuvor …

Seit heute kann man mich mit SENIOR anreden … 😉
Bewaffnet mit

1.Personalausweis
2.Kopie des Personalausweises
3.OHNE Passbilder (werden nicht mehr verlangt!)
4.Kopie der EMPADRONAMIENTO DE CIUDADDANO COMMUNTARIO
(= auf Vorlage des Mietvertrages erstellte Einwohnermeldebescheinigung der Policia Locale)
5.Formular Nr. 16 (NICHT 14!) im Original und unterschrieben

trudelte ich morgens gegen 08:00 Uhr bei besagten Amt in P. d. Rosario ein.
Ca. 10 Leute vor mir, pünktlich um 09:00 wurden die Pforten für mittlerweile 20 Personen geöffnet.

Ich bekam eine Nummer, ging in die (kurze) Warteschlaufe und wurde schnell an einen der zwei Sachbearbeiter verwiesen.
Keine großartige Fragerei, freundlicher Ton, flink auf der Tastatur – aber kein Wort Englisch oder Deutsch!!!!
Mit Zahlungsformular zur Bank gehechtet (5 min. Weg),
Ohne über LOS DIREKT zurück zum freundlichen Beamten,
quittierten Bankbeleg über 19,28 Euronen vorgelegt,
und ich hielt es in der Hand, das Objekt der Begierde:
meine N.I.E. Nummer incl. Resisdencia – exakt um 10:00, also nur eine Stunde Bearbeitungszeit!!!
Noch geschmeidiger geht’s nicht!! !