ERLkönig

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Archiv für November, 2010

Lago Maggiore & Fuerteventura 2010

29. November 2010

Eine letzte Dusche auf Zimmer 707, wohlbedachtes Packen und auf einen letzten Kaffee in die fast leere Speisehalle. Es ist 10:30 h.

Bei Nicole gebe ich die Hälfte meiner in Plastiktüten verstauten Klamotten ab. In unseren heimischen Wintertagen werde ich Badeschuhe und Badeshorts nicht gebrauchen, und in sechs Wochen kehre ich zurück, soweit es die höheren Mächte denn auch wollen …

In Gran Canaria ist Stromausfall, auf Fuerte und allen anderen Canarischen Inseln haben die Kinder „sturmfrei“. Ich hoffe, mein Flieger geht pünktlich!

28. November 2010

Der Regenguss hat ein paar farbenprächtige Blüten erweckt, die mich auf dem Gang zum Futter zur Camera greifen lassen.

Zum Abschied fahre ich rüber zu Astrid, kipp einen Cortado, ergänze meinen Rapport, mache ein paar Anrufe, und schon ist es drei.

Der Bär tanzt heut auf dem Buffet! Frischfleisch ist eingetroffen. Plärrende Kinder, die wohl schon die Flugpassagiere genervt haben müssen, nicht minder übermüdete Eltern, die ich schon immer per se für verrückt erklärt habe, mit zwei, drei Ablegern – nicht über 2 Jahre alt – in den Urlaub zu fliegen …

Tischbeine stöhnen unter den hoffnungslos überladenen Tellern, die Sauce schwappt über den Tellerrand, weil die sechs Koteletts und anderthalb Pfund Fritten keinen Platz mehr zulassen. Und wenn’s denn noch schneller gehen soll mit dem freudigen Reinwurf, dann werden gleich zwei Teller voll angeschleppt, und was nicht drauf passt, wird in die Hosentasche gesteckt. So auch Fraa Pfleiderer vom Nebentisch, die ihr Leben lang schon in ihrem selbst gebauten Schwabenhäusle immer mit viel Fett und Öl in der Pfanne Kurzgebratenes zubereitet hat, um ihren Gatten, den Bullen von der schwäbischen Alb – bestückt mit denselben Brüsten wie seine gudde Fraa – zumindest ernährungsmässig zufrieden zu stellen.

Ihr besonderer Charme aber geht aus von dem zugänglichen Gesicht Marke „Bärenbeisser“, das in seiner Grimmig- und Verbissenheit gekrönt wird durch ein Paar buschiger, männlicher Augenbrauen, deren derber Charakter eigentlich einen Damenbart erwarten lassen …

Als Vermieterin hätte ich sie zu meinen schwäbischen Zeiten vor vielen Jahren nicht unbedingt haben wollen. Einmal die Kehrwoche vergessen, und unbarmherziger Zorn hätte das Mietverhältnis zunichte gemacht …

Während Walli-Bär die gesamte Wucht seiner zwei Tonnen-Statur in aller Vornehmheit mittels seiner umfangreichen Ober- wie Unterarme auf dem Tisch ruhen lässt, betrachtet er das ungebremste Hineinschaufeln seiner Begleitung: Fresslade auf, volle Gabel rein, und noch schnell eine weitere hinterher geschoben, weil Fresslade zu groß. Fresslade zu und mampfen, mampfen, mampfen, schlingen, würgen, runter damit. Und die nächste voll beladene Forke lauert schon zitternd in der fleischigen Linken … Wieso muss ich grad an meinen Hund denken?

Ein t-Shirt huscht vorbei: weiße Druckbuchstaben auf schwarzem Hemd. D&G (dumm & geil). Passt scho!

Ein paar Engländerinnen mit schrägen Frisuren erheben sich plärrend, woraufhin der noch voll versabberte Tisch gleich wieder belegt wird. Mit wohlbekanntem irren Blick und wirrem Haar stürzen die Verhungerten zum Trog. 24 Grad draußen, hier drinnen hat es glatte zehn Grad mehr. Kellner Schwitzen, weil sie mit dem Abräumen gar nicht mehr fertig werden. Gäste schwitzen, weil sie Angst haben, dass jemand hinter ihrem Rücken das Buffet leer frisst …

Ich habe gut Lachen, denn zwanzig Riesengambas mit Knoblauchsauce und sechs scalloppinos sind in mir und mein Fressneid wäre damit erfolgreich bezwungen.

Mir steht der Eiweiss-Spiegel in den Augen. Cholesterin geschwängert verlasse ich nach meinen Studien die unwirtliche Stätte und freue mich, ab morgen Mittag nicht mehr Zeuge (und Opfer) dieser Orgie sein zu müssen. Abflug!

27. November 2010

Um 2 Uhr nachts weckt Mondschein mich. Friedhof wie Strand im Halbdunkel. Der Wind ist warm, das Meer tobt unermüdlich.

Gegen halb acht entwinde ich mich der stabilen Schräglage im Auto, nummeriere meine Knochen neu, schultere mein kleines Kampfgepäck und begebe mich auf einen mehrstündigen Strandspaziergang. Um acht gesellt sich die Sonne dazu. Wir sind allein mit dem Atlantik und meinen Gedanken …

Um 12 treibt mich die Müdigkeit nach Haus. Ich falle ins Bett und schaffe es grad rechtzeitig genug, zum Abendbrot aufzustehen.

Bei Freddy (Hotel Aquamarin) zisch ich noch ein Bier, und es gießt wie aus Kannen draußen. Ein Pläuschchen mit zwei deutschen Eingeborenen und tschüss!

26. November 2010

Duschen, Frühstück im Meer der Massen, Käffchen und „Büroarbeit“ bei Nicole (Hotel Aquamarin).

Der Atlantico tobt und zeigt bis zum Horizont verräterische Schaumkronen. Es hackt gewaltig.

Bei Nicole gibt es nix Neues. Das zu erwartende, neue Angebot verspricht sie mir per eMail zukommen zu lassen.

Kurz entschlossen diesel ich mit meinem Nissan nach COFETE. Die Federung meines japanischen Freundes schluckt bereitwillig fast jede Bodenwelle, welche die Federn des Wranglers mit Sicherheit krachend quittiert hätten. Allerdings ist die Strecke durch und auf Vulkanfels geebnet worden, die nahezu radtiefen Schlaglöcher von vor zwei Jahren hat man ausgebügelt.

Am Scheitelpunkt des Bergzuges mache ich an alt bekannter Aussichtsplattform halt und erfreue mich eines Panoramas, das für mich zu den schönsten der Welt zählt: COFETE und Villa Winter in der Ferne sowie der gesamte Altlantik liegen mir zu Füssen.

Kurz vor COFETE zweige ich Richtung Meer ab und lande nach einer wirklich nur für allTerrainFahrzeuge geeignete Achterbahn durch eine Felsenschlucht an einem Platz ganz für mich allein: hinter mir die überwundene Bergkette, über die sich langsam Wolken schieben und die Sonne abschirmen, vor mir die tosende Brandung von Cofete. Die hauchfeine Gischt zieht wie Nebelschwaden über den steinigen Strand in die Berge hinein. Mehr als drei Stunden sitze ich auf einem Stein und kann mich von diesem Schauspiel der Natur nicht lösen.

Der warme Wind lässt nix von den 27 Grad verspüren, die Dir aufs Hirn brennen. Wellen, vor tausenden von Meilen haben sie sich aufgebaut, türmen sich in Ufernähe meterhoch auf, krönen sich mit weißem Schaum und brechen wenig später tosend in sich zusammen, laufen am Strand immer flacher werdend aus und sterben, um sich danach zurückzuziehen, wieder eins zu werden mit dem Element, aus dem sie und angeblich auch wir stammen …

Neben mir kämpft ein junges Pärchen, das sich nicht mehr viel zu sagen hat, mit der Seezunge auf dem Teller, und meine Bemerkung „Na, wenn das die Zunge vom Fisch ist, wie gross mag dann wohl der Fisch selbst gewesen sein?“ wird milde belächelt oder wie ich denke, eher gar nicht verstanden …

Die Karte des mucho simple Restaurants Cofete ruft Preise auf, die an das Riz in Paris erinnern, aber, um mit den Worten von Hans-Georg zu argumentieren: „Man muss sowas einfach unterstützen!“ Schließlich hat jede Frikadelle, jeder Liter Wein, jede Kartoffel und jeder Liter Diesel für den Stromgenerator denselben kurvenreichen und beschwerlichen Weg hinter sich wie ich ….

Ich schreibe dies alles bei einem halben Liter Roten in dieser liebenswerten Kaschemme, und es wird nicht der letzte Halbe sein, denn ich habe vor, hier für eine Nacht zu bleiben. Im Auto, in der Kneipe, am Strand. Es ist mir schnurzegal!

Dies ist der Platz, DER Ort meiner Träume. Das eigentliche Ziel liegt ein paar Meter entfernt: der steinlose Strand und der Friedhof von COFETE. Ein Platz, der von mir vor zwei Jahren voller Mystik und wahrhaftig kosmischer Kraft empfunden wurde. Die leidvollen Tage und Wochen im Krankenhaus in diesem Jahr habe ich von der Hoffnung gelebt, noch einmal hier sein zu dürfen.

Grad erfahre ich durch den Wirt, dass die Villa Winter im letzten Jahr verkauft worden ist. Da ist mir doch irgend so ein Grossmogul zuvor gekommen! The thrill is gone … Es gibt den zahnlosen Ziegenhirten nicht mehr, der ’nen Euro für den Zugang erbettelt hatte. Das Areal ist unzugänglich. Bin ich einfach froh, den Urzustand – kurz vor dem Zerfall – vor 2 Jahren noch mal gesehen haben zu dürfen. (Mein Gott, was für ein Satzgefüge nach einem Litro …!)

Als letzter Gast auf sonnenloser Terrasse gegen 18:00 lausche ich der spanischen Musik – genau wie ein alter, braun gebrannter, wohl einheimischer Ziegenhirte mit roter Emmerson-Fittipaldi-Kappe, der über die Mauer schaut. Ich spendiere ihm ein Glas Roten, was ihn anspornt, mich um eine Zigarette anzuhauen. non fumare!!!

Ich esse noch ein paar Tintenfischringe, trinke noch einen und bezahle eine horrende Rechnung.

Im Stockdunklen fahre ich (eigentlich fahruntüchtig) runter an den Strand, parke direkt neben dem sandverwehten Eingang zum Friedhof von Cofete und finde mich Menschen Seelen allein – nein, ich glaube nicht wirklich Seelen allein! – wieder in einer Szene, die ich auf der Intensivstation in diesem Jahr herbeigesehnt habe:

allein unter einem sternenklaren Himmel, hinter mir das Bergmassiv, vor mir – nur durch die tosende Brandung erkennbar – der schier unendliche Atlantik. Ein warmer Wind weht, die Toten raunen … Mit ihnen, den unbekannten neben mir auf dem sandverwehten Strandfriedhof wie mit den mir sehr wohl bekannten halte ich Zwiesprache und fühle eine Nähe, die diesen Ort ausmacht: mystisch, kosmisch, ergreifend in jeder Hinsicht. In sternenklarer Nacht, unter dem Rauschen der nahen Brandung danke ich allen guten Geistern und Göttern, dass mein Traum in Erfüllung ging. Allein, nur mit dem Wind, den Sternen und der nie endenden Brandung in glückseliger Nacht und Einsamkeit … Und dennoch: wie schön wäre es, diesen Moment mit jemandem gemeinsam in Einklang genießen und erleben zu dürfen …

Inmitten seit Jahrzehnten verwehter Gräber reiße ich die Arme hoch und danke dem verwirrenden Sternenbild für mein Dasein, danke der göttlichen Fügung, danke meinem Glück auf Erden … Meine Schreie und mein Weinen werden von der Brandung diskret verschluckt, niemand hört mich, niemand sieht mich, und doch habe ich das Gefühl, ich bin nicht absolut allein …

Der Wind streicht um das Auto, während ich diese Zeilen schreibe, es ist fast 10, und die letzten Orientierungslichter hinter mir sind erloschen: Cneipe Cofete wie Villa Winter. „And The Wind Blows MARY …“ (Jimmy Hendrix). Liegesitzstellung und bonna notte …!

25. November 2010

Um 20 vor 8 kündigt sich am Atlantik-Horizont ein puterroter Sonnenaufgang an, unmittelbar unterhalb einer wohl strukturierten und dichten Wolkenformation. Einen Moment später ist der Ball da, ein atemberaubendes Schauspiel oberhalb des tief blauen Meeres!

In MORRO J. finde ich in einem schmucklosen Appartementgebäude Seniora Maruca. Hinter einem blechernen Garagentor lebt sie mit Enkelkindern, Opa, einer Vogelvoliere mit hunderten, bunter, zwitschernder Kanarienvögeln und sonstwem noch in einer gemischten Schöner-Wohnen-Idylle aus Kellerraum, Abstellkammer, Werkstatt und Garage.
Sie zeigt mir ein Appartement mit Bunkerflair und an Einfachheit nicht zu überbietender Güte-Klasse für 750,- den Monat. Danke und adios!

Um 12 mit Günter in GRAN TARAJAL verabredet, dröhne ich den Highway gen Nord. Ein, zwei Rote und „Puntillias“ (kleine, zerteilte und frittierte Minikraken) an Knoblauchsauce … ein Gedicht!

Gegen 16:00 trennen wir uns, und ich begebe mich auf eine 1-stündige Autosuche. Durch Kontakt zu einer Apothekerin ergibt sich im Vorübergehen die Besichtigung eines weiteren Appartementos, lupenrein sauber, erster Stock, Blick auf Marktplatz und Hafen: 400 €. Verlockend, der Ort selbst aber etwas sehr ruhig.

Ich fahr im Dunkeln direkt ins Bett. Fertig, müde und lostlos bin ich.

24. November 2010

Nach dem kurzen Frühstück besuche ich für „Büroarbeiten“ meine Favoritenherberge, leider ist Nicole nicht da. Noch’n Kaffe, und es ist 14 Uhr. Im Visier nochmals: COSTA CALMA. Ich lerne Baschti kennen, seinerseits Surfinstructor, seit 4 Jahren lebt er für 550 den Monat in einem der Appartements mit Meerblick, die ich seit Tagen wie ein Geier umkreise und in dessen Anlage der Belgier mir bereits ein Miet-Angebot von 600 gemacht hatte.. Basti gibt wertvolle Tips.

Im RIO fasse meinen update zusammen, fahre zur Tankstelle der Costa C., futtere einen Hamburger mit Fritten halb und halb (halb frisch, halb von gestern), trinke zwei edle Glas Wein dazu und mache am Telefon einen erneuten Besichtigungstermin für morgen aus.

Ganz nebenbei buche ich meinen erneuten Anflug auf die Insel für den 13.01. via Internet mit TUIfly für schlappe 150 Euronen.

Im Vorbeifahren springe ich an meiner Geheimbucht nochmals ins Wasser, trinke einen Cortado mit Blick aufs Meer und am Strand heimziehende Touristen.

Absacker bei Roberto, der mir noch einen Wohnungs- Tip für MORRO JABLE mit auf den Weg gibt, und bona notte!

23. November 2010

Es ist vier Uhr. Morgens. Seit zwei Stunden sitze ich auf der Terrasse und versuche, meinen Alptraum zu verarbeiten:

Schleswig-Holstein wird von Nord- und Ostsee tsunami-artig überflutet. Menschen packen ihre Habseligkeiten. In der Wohnung meiner Eltern bedienen sich Fremde, plündern ungestraft. Meine (vor 40 Jahren verstorbene) Mutter packt mumifizierungsartig alles ein, was zurück bleiben soll. Auf den Strassen herrscht völlige Anarchie. Menschen werden umgebracht, die anderen im Wege stehen. Der Fahrer eines blauen Citroens kracht mit der kompletten Familie mutwillig und todbringend in eine Mauer, ein Tieflader mit einem schwarzen Ford jagt ungebremst in das Stauende einer beiderseits hoffnungslos verstopften Autobahn. Jeder versucht sich auf seine Weise zu retten, und alles ist erlaubt. Der Stärkere überlebt. Apokalypse now!

Klitsch(ko)nass und benommen taumel ich aus dem Bett. Auf der Terrasse erzähle ich auf dem grünen Gartenstuhl sitzend dem Vollmond meine Geschichte ohne eine Antwort zu erhalten …

10:00 Termin in GRAN TARAJAL. Vanessa zeigt ein grosses App., 3 Schlafzimmer, Küche, Bad, separate Riesen-Sonnenterrasse, 400 plus NK. Leider keinerlei beeindruckender Ausblick. Und Günter wohnt nebenan.

Mit Günter kipp ich noch ein, zwei Wein und schau mir zum Abschluss meines Ausflugs LAS PLAYATAS an, dekadente Golfanlage mit überteuerten Villen, Appartments und Hotelzimmern.

Heut bin ich fertig mit der Schicht! Die endlose Fahrerei – inzwischen sind es schlappe 700 km – das Fragen, Eruieren, Abwägen, Vergleichen, Nachhaken, Verhandeln bin ich langsam leid, und ich fühle, dass eine Entscheidung hinsichtlich meines Winterlagers fällig ist.

22. November 2010

Terminkalender voll: vormittags zu Nicole ins Aquamarin, Angebot abholen, am späten Abend zum Holländer an der Costa Calma, Appartment-Besichtigung.

7 Stunden später …

Nicole macht mir ein Angebot, das mich hoffen lässt, meine Suche nähere sich dem Ende:

Wie gesagt, kleine Anlage mit 17 Appartements in JANDIA, versteckt und fern vom Trubel gelegen, weder direkter Strandzugang noch Blick aufs Meer, dafür aber: Pool, Frühstück, TV und Minibar, Zimmerservice, Internet (!!!!!), Doppelbett und Couch für 650,- und bei Doppelbelegung 550,- pro Nase. Und Nicole, seit 15 Jahren auf der Insel, ist ausgesprochen nett (und mit einem Spanier verheiratet)!!!

In MORRO JABLE lade ich mein Handy auf und mach einen für meine Verhältnisse ausgiebigen Under The Board Walk (Stones!). Am Ende lande ich in der Wassersportzone des Robinson Clubs.

35 Flocken für eine Stunde Hobie Cat 15 isn büschn vielle … Der Club scheint von Ossis okkupiert zu sein. „Ach nee guuug amol, a Fähnrohr, Alfred! Dorf isch amol durchgugge?!“
Nee, denk isch, Baula, des sin zwee Bananen frisch aaßem HO affm Stadiv, Du leebzschiger Dumpfback, un wennde das Innere raaaslutscht, denn kannste durschgugge, Du saaaableeeed Kuh, Du!!!

Ich trenn mich von dem Elend und gehe ein paar Meilen weiter ins Wasser – naggisch, un des is gudso.
Mehr als eine Stunde wälze, tauche und paddele ich im azurblauen Nass, eine spanische Schönheit watet auf mich zu mit Riesenaugen – wennsewissenwasichmeine – und ich denk noch, bei den Melonen rufen sie jetzt Springflut an der Küste Spaniens aus … Ihre Bräune ist von solcher Intensität, dass man davon ausgehen darf, Domenica liegt schon seit Weihnachten 2008 ununterbrochen am Strand. Beim Verlassen des Bades zeigt sie mir nochmal ihre hinteren Halbkugeln und nimmt ihren angestammten Badetuchplatz ein, indem sie – um die frisch manikürten Griffel nicht dem Sand auszusetzen – die Ellenbogen zum Abstützen bevorzugt, die Hände gespreizt, senkrecht in die Luft gestreckt. Ich tauche unter … und nach erst mehr als einer Stunde beende auch ich mein Bad.

Die Zeit rinnt dahin wie im Fluge. Ortswechsel: der Trog ruft, und dieses Mal übertreibe ich nicht! Schräg vor mir sitzt, nein, kauert am Nebentisch ein junger Kerl, dessen Haltung an die eines Aasgeiers erinnert: Schultern eingezogen, linker Greifarm der Länge nach auf dem Tisch, die dazu gehörige Klaue nahezu unter dem Tisch lagernd. Kopf in Minimaldistanz zum Teller, damit der Weg der Gabel zur Fresslade nicht zu weit ist. Die vom Buffet abgegriffene Beute scheint dem Gourmet zu munden, denn genüsslich wischt er sich mit dem nackten Handrücken der Linken den Sabber vom Maul, greift im Aufstehen mit der rechten Klaue in den Salatteller, schiebt sich noch eine Handvoll in den Schnabel, um auf dem Weg zum Nachladen nicht zu verhungern.

Aber damit noch nicht genug! Vom dritten Beuteflug zurück wird der halb volle Resteteller in Schräglage auf den ersten halb vollen gestapelt, damit Platz geschaffen wird für ein Cordon Bleu, das unter völliger Ignoranz eines bereitliegenden (wenn auch verbogenen) Bestecks mittels fettriefendem Händepaar mampfend und schmatzend – die Ellenbogen auf dem Tisch zur Sicherheit abgestützt – zerrend verzehrt wird.

Hyänen habe ich gesehen, deren Tischmanieren an der „Aastafel“ weitaus geschliffener waren, als das Benehmen dieses (armen?) Schweines, das wohl bis zum Ende seiner Tage mit offener Hose durch sein Leben tölpeln wird …

Mahlzeit!!!!!!!

Zum Absackerweinchen fahr ich noch mal rüber zu Roberto, lerne die hinter seinem Tresen stehende Tochter kennen, mit der ich nach zwei Sätzen zum beiderseits bewegenden Thema komme: unsere verstorbenen Hunde.
Roberto gefällt das gar nicht, als wir uns gegenseitig die Taschentücher reichen und unter pikierten Kommentaren der deutschstämmigen wie dumpfbackigen Stammgäste vorrgerückten Alters uns still und leise die Tränen vom Tein tupfen …

Gut Nacht!

21. November 2010

Meinen Jeep Wrangler – im Begriff, sich in seine Einzelteile aufzulösen – bringe ich heute in der Annahme zurück, dass ich ein neueres Modell im Tausch bekomme, wie mir gestern telefonisch zugesagt wurde.

Nun, es stellt sich nach 85 km Fahrt heraus, das dem nicht so ist. Nothing on stock under 95.000 km or 5 years aged. Als Alternative übernehme ich einen Nissan Quashquashkaidosushiduschidusho oder so ähnlich: 22.000 km, Autoradio, Klima, 6 Gänge, geländegängig – welcome back im 21. Jahrhundert! Meinen Nymbus als verwegener All Terrain Camel Man habe ich damit verloren, Komfort ohne Ende dafür aber gewonnen. Ich handle für meine Anfahrt eine Kompensation in Form einer halben Tankfüllung heraus und gehe wieder Kurs Süd, 180 Grad bei 24 degrees.

Abzweigung GRAN TARAJAL / TUINEJE weckt mein Intereresse und an der mit Touris moderat bestückten Strandpromenade hau ich mir voller Genuss und unter Verlust jeglichen Zeitgefühls die Birne mit vino tinto zu – nicht zuletzt aus lauter Freude und Dankbarkeit darüber, als mich an meinem „spanischen“ Handy die Botschaft erreicht, dass meine Tochter mit ihrem Wolfie und Bulli Blue (VW Transporter) gesund und wohlbehalten von einer fast 8 monatigen Europareise daheim gelandet ist. Am liebsten würde ich sie jetzt an mich drücken …

Mit dem Wirt des Strandlokals tausche ich unsere Telefonnummern aus, als ich mich frech nach einem freien Appartment am Strand erkundige. Günter Schmidt aus Ossi-Berlin macht den Übersetzer. G., 75 Lenze schon, wohnt seit 14 Jahren in diesem liebenswerten Kaff mit relativ unterminierter Migrationspopulation (Deutsche).

Vicente, unrasiert aber nicht unvermögend, hat Appartemento mit bella Vista Mare. Ist aber belegt, er ruft mich an zwecks Besichtigungstermin. Calamari ala Romana und noch nen Roten, Pläuschchen mit Günter, der mittlerweile vom Mittagessen bei Mama zurück ist und tschüss.

Ich suche den nördlichen Ortsausgang und lande in einem Neubaugebiet. Häuser, Apartmentanlagen, ja ganze Strassenzüge, neu, halb fertig oder ganz – in jedem Fall aber leerstehend.

In einer neuen 9-geschossigen Wohnanlage – 79 Einheiten an den Hang getackert – tänzelt eine Grazie graziös zum Pool auf Level Zero. Ich bremse meinen Nissan auf Zero herunter, steige aus und spreche sie über die abgrenzende Mauer an, um mich nach den ersten drei Sätzen auf ein Bad einzuladen. Sie öffnet mir Tür und Tor des abgeschirmten und gesicherten Areals, und ich tänzel in meinen Camel Boots auf malerisch verlegten Mosaikfliesen ins heilige Reich, belege die nächst beste Sonnenliege neben ihr und lausche …

Ja, man hätte sich im März erst hier eingekauft, total saubere Anlage, bestens ausgestattet, Indischer Investor, 80% stehen leer, aber schön hier, erzählt mir die Saarländerin bereitwillig. Schwarzgeld in Säcken wohl wieder mal versenkt – sowohl der Inder wie auch die Grazie …

Ihre Freundin stößt hinzu, die den Hausmeister herbeordert. Beide wittern wohl Provisions-Chancen 😉 Carmelo Santana macht einen Rundgang mit mir, präsentiert drei unterschiedliche Wohneinheiten, die allesamt erstaunlich solide & geschmackvoll ausgestattet sind – selbstredend mit einem unübertrefflichen und unverbaubaren Blick aufs Meer. Mieten wäre auch möglich – leider zu einem horrenden Preis. Er hätte da aber noch was, privat, im Ort, erschwinglich … Wir machen aus, zu telefonieren.

Ich nutze noch die Gunst der Stunde und mache einen Satz in den Pool, sauberes Meerwasser, blau-weiss gefliesst und vorbildlich gepflegt – alles ganz allein für mich.

Um 6 mache ich mich auf den Heimweg und einen Zwischenstopp in meinem RIO Spitzenhotel an der Costa Calma …

http://www.r2hotels.com/de/hotels-fuerteventura.html

mein zweites Büro mit Internetaccess. Ein wieder mal ereignisreicher Tag, der völlig unspektakulär begann, neigt sich dem Ende und ich mich ins Bett.

20. November 2010

Durchfall macht schlank, denke ich bei meinen unzählbaren Toilettenbesuchen. Zuviel Wasser getrunken oder Duffy Duck war Salmonellen verseucht. Scheiss drauf! (Kannste wörtlich nehmen!)

Bei Zahra nehme ich heute schon vormittags meinen Platz ein und erkläre ihren Surfshop TUBO zu meinem offiziellen Büro (Central Intelligence Office).

Ich fand es mehr als gerecht, ihr für die allabendliche Duldung meiner InternetConnectionBesuche eine Flasche Rotwein zu überreichen. Darüber freut sie sich so sehr, dass sie mir beinahe um den Hals gefallen wäre, wenn der Thresen denn nicht zwischen uns gewesen wäre. Überhaupt fällt mir dabei auf, was ihren persönlichen Sympathiefaktor ausmacht: sie hat das frische Temperament, die lebensfrohe Aufgeschlossenheit und das ansteckende Lachen meiner Tochter …

Den Nachmittag hänge ich auf meinem Zimmer ab. Die Pommes, frisch und fettig, aber leider gut, sowie das Ziegenragout zum Abendessen waren köstlich. Weniger der Anblick der gestapelten Teller, die an ihren Rändern reihenweise Beschädigungen aufweisen. Sowas gehört in den Müll!

Gegen 19:00 düse ich durch die Nacht ins Avenida an der Costa Calma. Astrid pinselt so versunken oder über irgend etwas verärgert an ihrer Welle herum, dass sie mich frei von jeglichen Wahrnehmungsdefiziten durchaus bemerkt, aber bewusst völlig ignoriert. Nicht einmal ein „Ola“ ist drin … Na ja, ich denk mir meinen Teil, setze mich auf meinen Stammhocker und lass es mir gut gehen. Es geht mir gut! Es geht mir gut!

19. November 2010

Einem inneren Instinkt zufolge gehe ich kurz hinter JANDIA in die Berge – mit Auddo. Mir wird etwas mulmig zumute, denn die Höhe, die Geröllpiste, die Kurven, die Hitze fordern mich. Oben angelangt, werde ich belohnt: ein unvergesslicher Ausblick, der ganze Küstenabschnitt von BUTIHONDO bis JANDIA liegt mir in strahlendem Sonnenschein zu Füssen. Welch Panorama!

Unter mir auch die fast neue aber völlig verwaiste Golfanlage mit Hotelkomplex und Appartments – leerstehend, eingezäunt, kein grüner Halm auf dem Green, abgebrannt wie der Investor wohl auch …

Käffchen mit Astrid im Avenida, LogbuchEintrag, Internet, weiter zum favorisierten RIO Hotel. Internet und retour.

Im Vorbeifahren treffe ich Renate, eine Deutsche, seit 4 Jahren hier lebend in einem Appartmentkomplex (60 qm für 600 all inclusive – auch Meerblick!) und quatsche sie beim Blumengiessen in ihrem Vorgarten an. Ja, das App. über ihr wäre noch frei. Sie gibt mir eine TelNr. Jo, man muss nur mit de Leut schwätze, gell! Un des kann i …

Weil ich keine Lust habe auf Dress-Change (am Hoteltrog nur in langen Hosen für Herren …), ignoriere ich das Stella-Canaris-Futter und brettere durch nach MORRO JABLE, wo ich mir zum Abschluss des schön faulen Tages beim Chinesen eine Ente einverleibe. Duffy Duck schmeckte gut, und so schlafe ich auch …

18. November 2010

Studie am Morgen:
Am Frühstückstisch dirigiert ein kleiner Zwerg von ca. 12 Jahren seine fettleibige Mutter – man kann ihre Statur wirklich nicht anders umschreiben – beim Brötchenschmieren. Mit seinen beiden Händen, die er noch hat, zeigt er auf die gewünschten Brotbelege, und Mama reicht dem kleinen Despoten mit vorwitzig steil hochgegeelter Tolle zwischen den rechtwinklig abstehenden Segelohren den hoffnungslos überfüllten Teller.

Danach schiebt sie sich selbst eine Serie kleiner Fleischbällchen zwischen die schwabbelnden Pausbacken – is ja alles inclusive …

Es ist knapp 10, und ich trenne mich von den beeindruckenden Impressionen, denn der Lorenz brennt vom Firmament – es scheint ein schöner Tag werden zu wollen.

Ich besuche die 17 Einheiten grosse Apartment-Anlage „Aquamarin“ unterhalb meines „Stella Canaris“, und Nicole zeigt mir zwei kuschlige Wohnungen, leider ohne grosszügigem Panorama, dafür aber mit kleinem Pool – HP möglich. Wir verabreden uns für morgen zur Preiskundgebung …

Um 11 treffe ich auf Patricio, der mich in seinem Toyota All Terrain zu seinem 5km entfernten Appartement chauffiert … in MORRO JABLE. Es erweist sich zwar als neu und ausreichend groß für eine Person aber 380 €/Mon. plus Wasser & Strom ist zuviel für eine Cheminate mit ernüchterndem Blick auf die Strasse und hinten raus auf eine unmittelbar angrenzende Felswand, 3 Stockwerke hoch. Es kommt Höhlenwahnfieber auf …

An einem Taxistand wirft er mich freundlich raus, ich nehme dies als Chance, zu Fuss Centrum und Strand von Morro J. zu erkunden, wundere mich aber schon über seine wurschtige, ja eher unverschämte Art, mir auf diese Weise Adios zu sagen …

In der City treffe ich auf den Teppichhändler aus Düsseldorf, der mir im Hotel vor 2 Tagen das Ohr vollgesülzt hat. Wir gehen nach kurzem Informationsaustausch unserer Wege …

Ein Cortado für uno € (das ist der faire Kurs für Einheimische, denn in den TouriBuden habe ich schon mehr als 1,60 bezahlt!) in einem dunklen Strassenkaffe bringt den Kreislauf wieder in Schwung. Von letzterem hat der kleine rothaarige Rollmops mit übereinander geschlagenen Stummelbeinchen auf dem Barhocker neben mir genügend. Seine spanischen Konversationsbeiträge untermalt er wild und exaltiert gestikulierend mit seinen bis zum Limit Ring-besetzten Schweinspfötchen.

Ein Anderer betritt die Pinte, nähert sich von Hinten dem Schweinchen, Küsschen hier und Küsschen dort, ach sind wir wieder lieb zueinander … Und deideidei, es sind gleich drei, da erkenne ich erst: der Barkeeper hat auch Goldknöpfchen im Ohr und zeigt verräterischen, aber klar erkennbaren Habitus. Meine Güte, ist das warm hier 😉 Nix wie raus hier!

Per pedes lande ich 3 Ecken weiter an der Punta von M.J. Sie ist von einer luxuriösen Strandpromenade gesäumt, die ihrerseits mit einer schier unendlichen Reihe von Eiscaffees und Restaurants aufwartet. Deutsche, soweit Auge und Ohr reichen …
Reichen tut’s auch mir, und für 1,20 bringt der überfüllte Bus mich wieder in meine Touristenhochburg JANDIA.

Ich suche den Zugang zu meinem Hotelkomplex vom Küstenstrassen-Zugang unten, und ich durchwandere steile Wege durch zum Teil still gelegte Appartmentzüge und vernachlässigte Palmenhaine wie Gartenanlagen. Nur punktuell wird der Laden hier gewartet und in Schuss gehalten, und nach saisonbedingter Stillegung sieht das hier nicht aus … Wirklich schade drum, aber viele Ressorts habe ich die Küste rauf und runter schon gesehen, die seit einiger Zeit bereits brach liegen oder erst gar nicht fertiggestellt wurden.

Ich habe überhaupt schon viel gesehen in den paar Tagen, die ich hier bin. Das Auto macht nicht nur unabhängig und Spass, sondern erweitert den Horizont ungemein! 400 km zeigt der Tacho nach 5 Tagen bereits.

Um halb 4 ziehe ich noch zwei Bahnen im Hotelpool, den ich für mich alleine habe, weil die Sonne seit zwei Stunden ihren Dienst versagt. Und trotzdem: welch schöner Tag! Und er ist noch nicht zu Ende …

Szenenwechsel

Rocker Rudi betritt zwar ohne Harley dafür aber in Street Eagels Germany Kutte und mit Familie das Terrain – Pferdeschwanz und Ziegenbart sauberst gelegt. Die exakt 241. Ziegenart der Insel. Die anderen 240 geben Käse! Rudi gibt nur Gas.

Der stets gut abgefüllte all inclusive Franzose Assi Aznavour kommt an der Seite seiner nicht minder vollgedröhnten Partnerin hereingewankt, heute ganz nippelfrei, das Hemd bis zum Bauchnabel offen. Das barrenschwere Goldkreuz an einer goldenen Panzerkette klebt auf ölgesalbter Brust – des Kreuzes Grösse nahezu Format „Jesus Original“.

Nein, wir sind nicht am Strand! Es ist der Aufmarsch der Plebejer zum Mast-Procedere!

Auch Arschgeweih DürrDiva mischt sich unters Volk und schiebt ihren imaginären Hintern durch die Tischreihen. Das Arschgeweih schläft wohl schon, denn die Vorhänge sind zu (heute mal langes T-Shirt).

Nach Verköstigung von etwas Kalbsragout, einem kleinen Paul-Salat (Oktopus) und einer Banane mit einer Kugel Eis verlasse ich die Arena frohgemuts mit dem Eindruck: Mann, ich bin viel zu normaaaaaal für diese Welt!

Bei Zusanne und ihrem Tubo Surf Shop (Tubo =. Welle) nehme ich wie selbstverständlich schon meinen Stammplatz vor der Tür ein, sie näht etwas, ich surfe ohne Brett im Netz und wir plaudern etwas.

Dann zwei Tropical (einheimisches Bier) bei Roberto und Nicole gegenüber und zurück die ZweiMeilenPiste, wo ich Zeuge einer MusicalAufführung werde. „We will Rock you!“ mit Original Sounds von Queen tobt bunt und von der Handlung her undurchschaubar über die Bühne. Nicht gerade perfekt, dafür aber laut, lässig und mit akrobatischen Einlagen versehen, dass pure Lebensfreude sich als Motiv für diese schrille Darbietung herausstellt.

Noch die letzte musikalische Sequenz summend schlafe ich zu Hause ein …

17. November 2010

Mein BoogieBoard und ich wollen es nass! Zur Erklärung: dieses Board ist ein Styropor-Brett, brusthoch, federleicht und nichts anderes als eine Bodysurf-Krücke, mit der man liegend die Wellen abreitet. Von wegen …

Ich also Spiegeleier-gestärkt ins Auddo und die Piste hoch auf die Westseite der Insel nach LA PARED, ein Nest – aber nach Aussage von Boogie-Mausi Surfer’s Paradise!

Ein Vollprofi reitet die Wahsinnswellen mit der Körperbeherrschung eines Hochseiljongleurs ab. Noch ahne ich nix, laß noch einige Beweisfotos mit Brett unterm Arm für meine Kinder machen und nähere mich respektvoll dem tosenden Wellenrauschen …

Beim Versuch, mir die kurzen Flossen über meine Gichtzehen zu ziehen, hauen mich schon ein paar Monsterschaumkronen um, dass es mir die Luft wegnimmt. Macht mir nix, denk ich noch, ich will’s wissen. Da knallt es schon wieder, und nach dem Auftauchen höre ich hinter mir einen schreien. Der Profi-Surfer brüllt im Schwiezer-Deutsch gegen die Brandung: „Das is nix für Sie! Mit DEM board, das schaffen Sie nicht! Zu gefährlich!!! Machen Sie das nie, nie wieder! Sie sind zu alt dafür. Ich auch. Aber ich bin trainiert!“

Das sass! Und recht hatte er auch noch. Voller Demut vor den Naturgewalten zog ich den Schwanz ein und die Badehose wieder aus.

Bei einem „Cortado“ – das ist ein „Gekürzter“, also kleiner Kaffe mit Milch, wir Italiener würden sagen „Espresso Latte“ – im nächsten Caffee lerne ich Patricio kennen, den ich morgen treffen werde. Denn P. hat Appartementos!

Ich versuche nochmals mein Glück am Nackedeistrand, aber da gibt’s heute keine geeignete Brandung. Trotz alledem, es war einfach scheee.

Abends noch einen Absacker, nachdem ich mein Equipment für Jüngere abgegeben habe …

16. November 2010

Schon morgens am Trog das Grauen: farbiges Halbkörper-Tattoo statt T-Shirt auf Anabolika geschwängertem GlatzkopfTorso.
Und sie erst: die personifizierte Dürre aus dem Film „Die letzte Fris(s)t“ in hochgekrempelter Stone-washed Jeans, die gerade mal oberhalb des Venushügels endet. Der breite Gürtel – ohne jegliche Bindung zur Hose – schnürt nicht etwa die Taille sondern den zweiten und dritten Rippenbogen von unten beängstigend ein, wird seinerseits getragen von einem kurzen T-shirt, das hinten genügend Freiraum für ein dilletantisch geritztes Hirschgeweih gibt. Dieses Gesamtwerk wird gecovert durch ein mindestens 6 Grössen zu kleines bzw. eingelaufenes, rosa Kuschel-Strickjäckchen.

Das alles übertreffende Highlight aber zeigt sich achtern zwischen Hirschgeweih und Hosenrand: eine Schnur zieht sich durch die dem Betrachter unverhohlen dargebotenen Kimme der modebewussten 19-jährigen, deren Funktion weder von dekorativer noch hygienischer Bedeutung sein kann …

Mehr Brech- als Reiz am frühen Morgen! Mahlzeit!

Ich düse bei knapp 30 Grad wieder gen COSTA CALMA und mache einen Abstecher an einen verborgenen Strand. Nackedeis soweit das Auge reicht. Nicht ein immer uneingeschränkter Genuss … Also, Hosen runter, rein in die Wellen. Ich freue mich wie ein kleines Kind: das Wasser azurblau, nicht ein Steinchen am Boden, 22 Grad, keine einzige Qualle, nur hahahahaie … (isn Schääärz!). Bodysurfing wie Jack Jahnson in der letzten Sequenz seines Musik-Videos.
Langsam verstehe ich all die Nacktschwänze: unten ohne hat wahrhaftig etwas Befreiendes!

Astrid ist nicht da und gibt sich wohl zuhause ihrem Kummer hin: seinen geliebten Vierbeiner zu killen, auch wenn es ein Akt der Barmherzigkeit ist, das ist kaum auszuhalten …

Ich lass es mir im „Avenida“ gut gehen. Käffchen, vino tinto, und es ist erst 13:00h.

Auf der Suche nach einer Internet-Pinte lande ich in einem Surfshop, erhalte bereitwillig von der kleinen Besitzermaus das password und mach es mir auf einem Stuhl am Strassenrand gemütlich. Papa will’s dann noch mal wissen und leiht sich ein BoogieBoard mit Flossen und Boardsuit. Mannomann, werde ich morgen cooooool aussehen am Strand …

Nach einer überteuerten PinaColada, die ich neben einem lallenden Franzosen gierig herunterstürze, falle ich gegen Mitternacht ins Bett.

15. November 2010

Bei 87 Cents pro Liter haut man gern mal den Allradantrieb rein! Auf der Fahrt an die COSTA CALMA verlasse ich hin und wieder den Highway und treffe auf Panoramen, die sich mit einem normalen Pkw kaum für mich erschlossen hätten.

Astrid befindet sich im Aufbruch, als ich gegen 12 bei ihr eintreffe. Mit ihrem Ex muss sie zum Tierarzt, um den gemeinsamen, 13 Jahre alten Hund einschläfern zu lassen. Erinnerungen werden wach …

Ich klapper ein paar Hotels ab, finde für mein angestrebtes Winterlager interessante aber leider teure Objekte, kaufe abends in MORRO JABLE bei movistar eine spanische PrepaidKarte und falle nach einem spannenden Krimi im ZDF um Mitternacht erschöpft ins schmale Bett.

14. November 2010

Nach dem Gang an den Trog knatter ich weiter südwärts und verlasse hinter MORO JABLE die Asphaltpiste und begebe mich auf altbekannte Achterbahn, staubig, eng, kurvenreich – das tiefblaue Meer in seiner unendlichen Ausdehnung zu meiner Linken.

Das ist die schönste Route der Welt, die Passage ins einsame Blau, von der ich im Krankenhaus nach all dem schwer Er- und Überlebten geträumt habe.

In PUNTA JABLE stehe ich auf einem Fels, dessen schroffe Steilküste 50 Meter in die tosende Brandung fällt, beobachte das Milliarden Jahre alte Spiel der Wellen, weiße Brecher fallen weit draussen in sich zusammen, woraufhin sich einer mystischen Formel nach in ganz bestimmten Intervallen wieder neue formieren. Der kühlende und dennoch warme Wind zerzaust mir Haare und Hemd, und mir laufen vor Glück, hier sein zu dürfen, die Tränen über das staubverkrustete Gesicht. Das Leben meint es gut mit mir …

Abends geht’s nochmal auf die Piste. Ein Roter muss noch sein, einer geht noch rein. Leider hat meine Internet-Pinte von gestern zu. Das steigert die Vorfreude …

13. November 2010

… FUERTEVENTURA.

Ich sitze auf meinem Raynair-Stammplatz: erste Reihe, gleich am Eingang mit zwei Metern Beinfreiheit. Die Boing 737 sticht sofort nach dem Start in Schräglage durch die Wolken, und die Sonne scheint mir schlagartig ins Gesicht. Kurs 180 Grad, Sonne auf 9 Uhr. Irgendwo unter diesem Wolkenmeer bin ich heute um zwei Uhr aus dem Bett gestolpert, habe mein kleines Bündel gepackt und beim Portier, der mich glockenwach erwartete und mir freundlicherweise noch einen Cappucino kredenzte, meine Rechnung bezahlt.

Auf praktisch leerer autostrada zieht mein Fiat Panda genügsam seine Spur, ich befülle noch den Tank, und mein alter Aldi-Navigator findet im Strassen- und Autobahngewirr um BERGAMO zielsicher meinen auf der Herfahrt programmierten rental Parkplatz.

Auf dem AirPort vertilge ich den vom Hotel liebevoll vorbereiteten doggibag, stürze meine restlichen zwei Liter Mineralwasser hinunter und stelle mich – keine Minute zu früh – in der Ryanair Priority Boarding Reihe an. Airborn: 07:10 – mal wieder perfektes Timing meinerseits!

Über den Wolken will die Zeit nicht vergehen. Vier Stunden in der Luft – für Schlappe 34 €.

11:00 Touch down. Mir schlagen fette 25 Grad ins Gesicht. Top Car hat einen alten Jeep Wrangler mit schlappen 96.000 km auf dem Tacho für mich. Verstaubt und röhrend bringt er mich über alt bekannte Pisten zunächst nach Costa Calma, wo ich Astrid in ihrem Atelier und Verkaufsraum an ihrer Lebensarbeit überrasche: eine Welle, verteilt über 6 Platten im Gesamtformat von ca. 8 Metern.

Mein Jeep knallt den Highway runter gen Süden. In Jandia verfahre ich 50 km und eine Menge Zeit, bis ich meine Herberge finde. Die all-inclusive-Absteige „Stella Jandia“ ist vor jüngster Zeit untergegangen in einem Konklumerat einer Hotelkette und als solches infolge Neufirmirung nicht mehr auffindbar. Für Selbstbucher wie mich eine Zumutung, denn weder Reisebüro noch vermittelnde Agentur geben notwendige Infos weiter. Nach Anfahren von drei Hotelreceptionen stehe ich endlich vor der richtigen und könnte gleich vor den Thresen kotzen.

Aber es kommt noch besser: der Internetzugang ist wie beschrieben frei, aber für satte 8 € am Tag, der Hotelkomplex, der unter dem Namen im Internet wirbt, stellt sich im Netz dar als ein Gebäude, das lediglich Pool, Restaurant und Internet beherbergt, mein zugewiesenes Zimmer aber liegt 400 m bergauf in einer unübersichtlichen Anlage, die schon einmal bessere Zeiten gesehen hat. Nochmals Brechreiz!

Für die Mühen meiner Anfahrt spendiert man ein Abendessen. Den Rest will ich morgen mit der Geschäftsleitung klären.

Das unendlich Buffet bietet Alles und einigen wohl doch noch zu wenig. Ich sage nur: Schweine am Trog benehmen sich mit mehr Anstand …!

Ich schwinge mich nochmals in den Sattel, und mein Allradgefährt bringt mich auf die Touristenmeile. Eine Douglas(ie) – Verkäuferin von D. – verrät mir ihre Lieblingslocation, woraufhin ich im „Toragano“ lande. Coole Musik, guter Roter, fensterfreier Blick über die Strasse auf Strand und Meer und … freier Internetaccess!!!

12. November 2010

Frühstück wieder mit Kaffee Latte – eher Kaffee della Aqua Spülio … Ich sollte morgens schon mit dem Barolo beginnen!

Da ich mich für die heute anstehende Einladung zum Mittag entschieden habe, suche und finde ich das passende Gast(geber)geschenk: eine Packung praller Pralinen. Noch einmal überquere ich den Lago – dieses Mal mit meinem Fiat Panda – und fahre dann bei schönster Sonne Richtung PINO, also 23km in den Norden – pure Küstenstrasse, que bello!

Die beiden Impeduglias und die BarackenBracke empfangen mich herzlichst in ihrem gediegen eingerichtetem 300 qm Haus in Hanglage mit Riesengrundstück. Im Wohnzimmer lauter Bilder vom Lago Maggiore – ach nee, das sind ja die Fenster …!

Der freie Blick vom hauslangen Balkon ist mehr als atemberaubend: vis a vis das „Armenhaus“ der Schweiz: ASCONA (Millionärsresident), weiter rechts LOCARNO, dahinter Schnee bedeckte Gipfel, und still davor ruht der See … Ein Ruhesitz, den man wohl noch nicht mal im Tode verlassen wird!

Am Kamin ein Aperetivo, am festlich gedeckten Tisch Silber und Teller mit Natur-/Jagdmotiven. Ein überaus guter Roter zu Hirschgulasch an käseüberbackener Polenta, zuvor eine FasanenPate an Rocula mit Kürbisöl benetzt, Pistazieneis zum Abschluss, Caffe Corretto, Limonicetta und einen Myrtheschnaps. Rien ne va plüsch! Nach dieser Druckbefüllung gehts wieder an den Kamin, und man schlägt sich freundlich aber bestimmt die Zahlen um die Ohren, um eine allseits verträgliche Preisfindung für die „Alcione“ („Möwe“) herbeizuführen.

An diesem Tag will uns dies aber nicht gelingen. Eine gewisse Säuernis konnten meine Gastgeber nicht verhehlen, verabschiedeten mich aber dennoch in aller Freundschaft – um halb fünf.

Eine Stunde später liege ich im Bett. Um 3 in der Nacht geht’s zum airoporto, der Flieger um halb sieben nach …

11. November 2010

Auf meinem Weg zu Lidl begleitet mich strahlender Sonnenschein. Der Lago Maggiore zeigt ein neues Gesicht. Que bello!
Meeresfrüchtesalat, grüner Salat, Wasser. Alles gewohnt preiswert und gut. Es zieht es mich an den See und ich genieße auf einer Sonnenbank den Blick über das ruhige Wasser. Eine Oase! Und Villen – alte wie neue – in paradiesischer Lage.

Meine Einkäufe vertilge ich auf dem Zimmer. Nach einem Mittagsschläfchen bis halb fünf zieht es mich wieder in die Strassen von Verbania. Zu 98% ist die alte Bausubstanz in dem niedlichen Städtchen erhalten und liebevoll restauriert. Kein rigoroser Abriss, keine Betonschluchten. In nahezu jedem zweiten Haus ist ein Caffee untergebracht, den Rest der Geschäfte teilen sich Immobilienmakler und kleine Modeausstatter. Hier bringt shoppen sogar Männern Spass.

Zum Abendessen kaufe ich einen Barolo 2005, Parmaschinken und kleine Würfel von Parmagiano. Meine Beute wird wieder genussreich auf dem Zimmer verspachtelt.

10. November 2010

Um 7 öffne ich das Fenster und blicke in den verregneten Morgen. Lieber nehme ich den in Kauf als die kahle Wand, die sich meinen ungläubigen Augen bot, als ich das Fenster des Zimmers öffnete, das mir der Portier bei meiner Ankunft gestern anzudrehen versuchte. Auf meine Reklamation hin begriff auch er, dass Fenster nicht nur zum Lüften da sind …

Nach einem Häppchen und Käffchen vom überschaubaren Buffet entere ich um 9:40 die Fähre VERBANIA > LAVENO und schippere in diesig-nasser Luft vorbei an unverschämt teuren, alten wie neuen Seevillen in exquisiter Lage – hinüber ans andere Ufer, wo mich 20 Minuten später Senior & Seniora Impeduglia mit einer italinischen Bracke – das ist ein Hund und kein Schimpfwort! – abholen. Ohne jeglichen Sonnenstrahl geht es die nasse Seestrasse Richtung Süden zum 23 km entfernten Örtchen SESTA CALENDE.

Angelangt am Objekt meiner Begierde bietet sich ein weniger schönes Bild einer auf dem Land aufgebockten Fisher 25:

anderthalb Jahre unberührt und ungepflegt nimmt Grünspan vom Schiff Besitz, kostbares Teak verliert seinen (überflüssigen) Lack, Taue und Tampen rotten vor sich hin. Ein kompletter Kontrast zu den per mail übermittelten Fotografien … Die Substanz jedoch ist gut, und ich schiesse tausend Bilder vom grauenvollen Anblick der „Alcione“.

Man lädt mich ein zu Pasta, Vino Rosso, Caffee Corretto und Limoncello, verteidigt den überhöhten Schiffs-Preis und beschließt, die Verhandlung in zwei Tagen in heimischen Gefilden fortzuführen – bei einem avisierten Wildgericht, denn der Käpptn is auch Jäger … Und ich denke noch: bringt man Blumen mit oder gehe ich erst gar nicht hin?

9. November 2010

Mein zweiter Martini. Die Pizza war wortwörtlich grandios, der Rosso della Casa ein ehrlicher Babera – schließlich bin ich in der Regieon Piemont – der Caffe Coretto war mehr Grappa für Papa als Kaffee au latta…

Es geht mir gut. Den ganzen Tag schon. Um halb acht holen mich Georgie und Birgit ab und geben mir einen Lift nach Lübeck Hbf. Ich stromer durch Geiz.is.geil.Saturn und nehme den Bus zum AirPort Lübeck. Ryanair – untergebracht in einer Halle für universelle Verwendung, idealerweise für Viehverfrachtung – befördert mich mit 230 Elefanten über die Alpen auf dem Luftweg. Hannibal rotiert im Grabe …. Aber auch für mich immer noch eine nahezu unvorstellbare Errungenschaft ein paar Jährchen nur nach Hannibal, dieses Fliegen über alle Grenzen und Hindernisse hinweg in Herden bzw. Horden!!

Martin – Mister Multitasking – meistert als Purser mit 21 Lenzen seinen Job bravourös, Karoline supportet ihn mit unschlagbarem Charme.

In Lübeck bei Regen eingestiegen, in Bergamo bei Regen den Mietwagen übernommen. 150 km über feinste und teure Autobahntrasse – vorbei an Horror Milano – in das Dunkel einer verregneten Nacht … VERBNIA. Hotel il Chiostro (www.chostrovb.it). Gediegenes Zimmer in ehemaligem Kloster. Von Letzterem nichts mehr zu verspüren, zumal schnellster Internet Access frohlockt. Deshalb bin ich hier, bzw. habe ich hier gebucht.

Kaum gestrandet, klingelt das Telefon. Mein Verabredung für morgen. Wir machen einen Termin aus, und mich überfällt der Hunger. 19:30 h, und erst drei Äpfel im knurrenden Ranzen … Und die Geschichte beginnt (oben).

Maria Pia von der Hotelbar kredenzt den 3. Martini Bianco, und er beginnt zu schmecken.

Noch auf dem Zimmer tanze ich umher zu den groovy licks of Bonamassa und wundere mich ob meiner Wachheit. Beim Zähneputzen fällt mir ein: Caffe Corretto …

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