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Fuerteventura (4)

Gestern …

musste ich meinen lieb gewonnen Jeep am Flughafen wieder abgeben. Bis 15:00 hatte ich Zeit dafuer. Zum ersten Mal also Richtung Nord.

Ich schoss wieder einmal am Ziel vorbei, liess airoporto und PUERTO DEL ROSARIO rechts liegen und visierte die Nordspitze der Insel an. Bevor ich CORRALEJO erreichte, durchquerte ich den „Parque Natural“ auf der FV1 automatisch: auf 10 km Laenge feinste Sandduenen, die sich links bis an den Horizont, rechts bis zum smaragdgruenen Strand hinzogen – afrikanischer Wuestensand, der sich nach seinem langen Flug ueber den Atlantik hier niedergelassen hat. um das touristische Auge wie meines zum Staunen zu bringen …

Die makellose Asphaltstrasse bildet kein Hindernis; der Sand wird von steter Brise einfach darueber weggeblasen.

Zwei Tankversuche scheitern klaeglich: mein 500-€-Schein wurde nicht akzeptiert. Durst hatten wir beide: mein Jeep und ich, doch meine Kreditkarte bahnte mir den Weg zum Ueberleben. Ich dachte noch: da hast Du 500 Steine in der Tasche und kannst glatt verdursten und verhungern!

Hab ich’s schon erwähnt, oder: ich weiß nicht, ob Sie’s schon wußten, der Sprit hier kostet ganze 0,69 EURO (nullkommasechsneun!!!!)

Mich zog es noch einmal an die stuermischere Westkueste, und ich juckelte nach EL COTILLO, wo verwegene Typen auf kurzen Brettern haushohe Wellen durchtauchen, um weit draussen auf die perfekte Welle zu warten. die sie mit high speed wieder an den seichten Sandstrand spuelt. Allein das Zuschauen war so faszinierend, dass ich unweigerlich an meine Tochter und ihren Freund denken musste, die es mit ihren Brettern immer wieder an die franzoesische Atlantikkueste zieht …

Der Tank war voll, und ich kurvte nochmal durchs Landesinnere: LA OLIVA – LA MATILLA – PUERTO DEL ROSARIO – airoporto. Punkt 15:00 schlug ich dort auf, drehte 6 bis 8 Ehrenrunden um das Parkareal, ehe ich begriff, dass mein Vermieter nicht TOP CAR sonder AutoReisen heisst, plazierte den Jeep auf No. 2 und stellte fest, dass er mich – obgleich nie eine Inspektion erlebt und eine verbogene Spurstange besitzt – ganze 679 km kollisions- und pannenfrei durchs Land transportiert hat.

Mein Bares umfasste 505,- €, was meiner Zimmernummer entsprach. Damit kam ich nicht weiter, und entgegenkommenderweise wechselte mir die Senora von TopCar den grossen, lila Lappen.

Merke: hast Du eine Bitte , wird sie Dir in diesem Land erst einmal abgeschlagen: Wagenuebernahme einen Tag frueher NO!, Busfahrt mit 50,–€-Schein bezahlen NO!, ein anderes Zimmer NO!, 500,- € wechseln NO!. Erst der zweite Anlauf, unterlegt mit einem kleinlauten „bitte, bitte“ und verstaerkt durch einen treuen Hundblick ist (meist) erfolgreich!

Der Flughafen war menschenleer: nur ein paar Taxifahrer – Erkennungszeichen: orangenes T-shirt – lungerten herum und haetten mich fuer 70 € nach Costa Calma chauffiert. So teuer und einfach wollte ich mir das nicht machen, aber vor 18:00 ging kein Bus ab Flughafen …

Es ist zwar schon lange, aber wie man einen Daumen hebt, das wusste ich schon noch. Also stellte ich mich an die Ausfallstrasse des airports, und der 15. Wagen war bereits meiner: mein amigo war gern bereit, mich direkt am Busbahnhof der Hauptstadt abzusetzen.

Als haette ich ihn bestellt, kam 15 min. spaeter mein Bus und bereitete mir noch einmal wunderbare, landschaftliche Eindruecke, die ich nun ohne Steuer vor meinem Buch gelassen bestaunen konnte: PUERTO DEL ROSARIO – TEJUALES – LA AMPUYENTA – ANTIGUA – LOS POCETAS – POZO NEGRO – GRAN TARAJAL -TARAJALEJO – COSTA CALMA.

Im Hotel verdrueckte ich dieses Mal nahezu das gesamte Buffet, nahm ein Knochen regenerierendes Vollbad und fiel schon im Schlaf begriffen ins Bett.

Heute …

nahm ich mein letztes Fruehstueck mit Lennard (1J.), Mutter Simone und Papa Andreas ein, die – von einer Freundin avisiert – vor einer Woche hier eintrudelten und heute ihrem Rueckflug entgegensehen.

Klein Lennard bestimmte den Rhythmus und Tagesablauf der Eltern und liess ihnen keine Chance, selbst etwas ausserhalb des Hotels zu unternehmen. So war ich die letzten Tage ihre Verbindung zur Aussenwelt und berichtete immer wieder beim dinner.

Beim 12:00-Wodka/Lemmon dachte ich zurueck an meinen gestrigen Tag, an dem ich wohl 300 km abgespult haben mag. Ich gab mich dem befriedigenden Gefuehl hin, einen repraesentativen Gesamteindruck der Insel mitnehmen zu duerfen – allein die Strecke durch das hoehere Bergmassiv EL ALMACIGO – BETANCURIA – PARAJA fehlt mir noch. Aber noch ist mein Urlaub nicht zu Ende …

Verzweifel rang ich heute beim Lesen um Konzentration. Am Nebentisch nahe des Pools sass ein aelterer Herr, der pausenlos von einem Oeschi zugetextet wurde. Dieser Tattoo uebersaehte Albasterkoerper im Muskelshirt hoerte einfach nicht auf zu beschreiben, welch erfolgreiches Kerlchen er denn sei.

Als Juppi-Oetzi dann beim eigenen Haus mit Pool, Sauna, 3-fach Garage gelandet war, wandte ich meinen angewiederten Blick zur anderen Seite: dort trohnte eine rotgebrannte Kegelrobbe auf ihrer Sonnenliege, zwischen ihren gespreizten Stampfern eine „Bunte“ sowie ihre schlauchartigen, entbloessten Kegeltitten, die den Rest ihres gut gefuellten Tangahoeschens bedeckten.

Nichts schoenes hier – weder fuers Auge noch fuer die Ohren …

Um 17:00 verlaesst „meine“ Kleinfamilie mit dem airport shuttle das Areal, und ich bin wieder allein.

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