ERLkönig

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Archiv für November, 2008

Fuerteventura (3)

Nach einem einsamen Fruehstueck unter 500 Hotelgaesten erst mal ab ins Internetcafe. Astrid, die Malerin, begruesst mich mit Bussi links, Bussi rechts, als waeren wir seit 100 Jahren die engsten Freunde. Gern nehme ich das an 😉 Sie posititioniert sich mit ihrem Equipment grad vor dem Cafe, in dem eine kleine Auswahl ihrer kuenstlerischen Phasen aushaengen. Wir trinken Kaeffchen, plaudern ueber die Schwierigkeiten ihres kanarischen Daseins und wuenschen uns einen schoenen Tag.

Ich geh zum vierten Mal auf die Piste Richtung Sueden und treibe meinen Jeep eine halbe Stunde spaeter ueber laengst bekanntes Steinterrain, um nach Einlegen des Allradantriebes und einigen Wirbelsaeulenfrakturen an einer entlegenen Bucht zu landen.
Keine Menschenseele, kein Auto, kein Gequatsche ueber das beste Essen, den miesen Service und das Wetter in Deutschland! Allein mit mir und „meinem“ unendlichen Meer, das ewig rauscht. Gemaessigte Briese im Einklang mit ebenso sparsamer Sonne, die es trotz Wolken schafft, den Atlantik in gleissendes Licht zu versetzen.
Regional zumindest habe ich meinen Ruhepunkt gefunden – auf einer Felsennase hockend, im Ruecken durch hohes Lavagestein vor Wind und jedem Blick geschuetzt, vor mir unendliches Blau …
Es ueberkommt mich ein Gefuehl, als haette ich einen magischen, energiespendenden Punkt gefunden, bis mich nach zwei Stunden ein Paerchen aus meiner Meditation reisst, die – als gaebe es keinen anderen Ort – belangloses, dummes Zeug lauthals quasselnd mit ihren affigen NordicWalkingStoecken durch diese steinige Mondlandschaft stoeckeln und auf mich treffen muessen, diese Affen, diese gelben!

Ich fluechte, finde nach harter Piste ein anderes Fleckchen und setze meine Gedankenausfluege fort – dieses Mal an einer kleinen, versteckten Bucht (ich hatte mit dem Jeep ins Wasser fahren koennen), in der ich – auf Millionen runder Lavasteine liegend – dem Kommen und Gehen der flachen Wellen lausche, die beim Ruekzug diese Steinchen ein wenig mitnehmen und dabei ein Geraeusch erzeugen, als wuerde jemand Saecke voller Murmeln verstreuen … Musik in meinen Ohren!

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Fuerteventura (2)

Gestern:

Wolkig bis lauwarm sonnig. Kleiner Ausritt mit dem Jeep: rueber an die Westkueste – LA PARED, auf der Strecke weiter noerdlich nach PARAJA nix als Klamotten, Asche, Berge, Staub. Die Orte sind so interessant wie die Landschaft … Nix wie raus hier! Nur: wo ist EXIT!?!?!?! TUINEJE, GRAN TARAJAL und wieder an die COSTA BRAVA.

Endlich ein bezahlbares Internetcafe gefunden! 3,-/Std.
Im Hotel sind es 6,- bis teilweise 8,- Euro!!!

Apropos teuer: das Hotel verlangt fuer die Selbstverstaendlichkeit einer Savenutzung auf dem Zimmer ganze 21,- pro Woche! Abzocke!

Heute:

Grosser Ausflug! Vorbei am Ballermann von Fuerte (MORRO JABLE und JANDIA) ueber steinige Felsenstrasse, die wirklich nur mit einem Jeep zu bezwingen ist, achterbahnmaessig durch ueberschwemmte Abschnitte nach COFETE: 24-Seelen-Dorf mit einem Cafe. Sonst nur Berge im Ruecken, vor mir aber der Atlantik in seiner vollen, unbaendigen Kraft.

Ich treffe auf Martin und Katinka mit Riesensonnenbrille (Puk, die Stubenfliege?), die ich beide zur VILLA WINTER mitnehme, sagenumwobenes, vermeintliches Nazi-Versteck, U-Bootbucht-Planungszenter, usw. 1985 von den Erben verkauft, heute das Domizil eines alten Ziegenhirtes, der die Hand aufhaelt und Bares nimmt (1 oder 2 Euro) fuer den Eintritt:
total heruntergekommene Villa mit einem Blick auf den Atlantik, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde … voellig einsam gelegen, letzte Bastion am allerlezten Arsch der Welt.

Was mag hier alles gelaufen sein, was waren die Motive, hier ein solches Monument an Wohnraum zu erstellen??? Viele Tueren verschlossen, kein Zugang in das unterirdische Labyrinth, Bruch, soweit das Auge reicht. In 2 Minuten abgehakt. Aber der Blick vom Turm war den Weg wert!
Die Villa Winter unter Wikipedia …

Auf dem Rueckweg nehmen wir noch den Leuchtturm PORTO DE LA CRUZ mit sowie das Leuchtfeuer PUNTA COTILLO … vom tosenden Atlantik umgeben!!! Ich kann gar nicht genug bekommen von diesem wahsinnigen Meer!

Fuerteventura (1)

Vor 5 Tagen bin ich hier aufgeschlagen. Angenehme 23 Grad, leichte Briese. Der 4-Stunden-Flug von Frankfurt verlief reibungslos, den ersten Schweiss trieb es mir beim Gepaeckempfang auf die Stirn: fast volle Maschine, nahezu 300 sonnenhungrige Passagiere, aber mein Samsonite wollte nicht in Erscheinung treten. Er war schliesslich der letzte auf dem Rollband …

Der Bus Shuttle ins Hotel fuehrte eine Stunde lang ueber ein exzellent ausgebautes Strassennetz durch eine sonderbare, oede und wuestenartige Landschaft, die hin und wieder, teils bescheiden, dann aber auch wieder fuers Auge beleidigend weil flaechendeckend mit Beton zugeschuettet wurde, dass man kein Steuerfahnder sein muss, um zu erahnen, was hier an Schwarz- wie auch Mafiageldern versenkt wurde.

Wasser ist absolute Mangelware. Alle Gruenflecken der Insel sind entstanden durch ein aufwendiges Bewaesserungssystem.

Mein All-Inclusive-Hotel SUNRISE COSTA CALMA BEACH RESORT mit beeindruckender Empfangshalle besticht schon beim Empfang durch freundlichen Service und fuer suedlaendische Verhaeltnisse ausserordentliche Sauberkeit.

Singles werden an 8er-Tischen zusammengefuehrt, an denen nur zum Abendessen Platzzuweisung herrscht. Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich – offensichtlich saisonbedingt – in einem Altenheim der Superlative gelandet bin: bei 100% Hotelbelegung sind 90% wahre Oldies, die sich aber alle ueber 3 Pools und 3 Strandregionen fein verteilen. Wasser weder im unbeheizten Pool noch am Strand temperaturmaessig wirklich badefaehig.

Gestern habe ich mir fuer 5 Tage (200,- EURONEN) einen wuesten- und duenentauglichen, fahrbaren Untersatz am airport geholt: Agentur: TOP CAR, guenstige Tarife aber arbeitsunwilliger,  unvorstellbar unfreundlicher Service!!!!

Als ich besitzergreifend hinter dem Steuer Platz nahm, sass ich im selben Moment in einer riesigen Staubwolke. Die hinteren Fenster fehlen, Subermachen hat hier gar keinen Sinn …

Ich bretter den highway Richtung Sueden, das Droehnen der PS-starken AmiMaschine versetzt mich in Marlboro-Paris-Dakar-Feeling, eine Regenwolke wird die ganze Strecke zur treuen Begleiterin.

Ich schiesse ueber mein Heimatziel hinaus, lande nach einer zu(e)gigen Fahrt an einem Ballermann-Ort namens Morro Jable / Jandina, wo ich auf Steffi und Tina und ihre zwein Buggy-Kleinkindern treffe, mit denen ich schon im Flugzeug Bekanntschaft gemacht hatte.