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Vom Pastor zu/und Pharisäer

Eine dicke Freundschaft hatte uns einmal, nein zweimal verbunden:

Stina, ein Jugendschwarm aus Flensburger Zeiten, verschwand wie ich in der Versenkung, als ich vor 100 Jahren meine Geburtsstadt verließ.

15 Jahre später begenete ich ihr kurz in Begleitung ihres ernsthaften Schwarms, seinerzeit Theologiestudent in Hamburg.

Es brauchte nochmals 15 Jahre , bis wir uns an der Ostsseküste wieder einmal zusammentrafen, wo der Göttergatte eine Pastorenstelle zugesprochen bekam, und es entwickelte sich eine für mich kostbare Freundschaft.

In ihrer Folge bildete ich mit Herrn Pastor eine Bootsgemeinschaft, und wir legten uns ein altes, aber seetüchtiges Segelboot zu – und ich legte aus: seinen Anteil, von ein paar Tausendern, denn Herr Pastor war klamm …

Als ich mir dann über die Dauer von mehr als einem Jahr ansehen musste, dass Her Pastor mit Familie (2 Kinder) gut und gerne 3 bis 5 mal in den Urlaub ging, fragte ich eines Tages einmal bescheiden nach, wie es denn angesichts seiner offenkundigen Finanzpotenz um die Begleichung seiner Bootsschulden stehe …

„Weißt Du, mein Lieber,“ hob er an mit verschränkten Armen, draußen auf dem Eingangsportal seines Pastoratshauses über mich hinwegblickend, „weißt Du, man muss in seinem Leben gewisse Prioritäten setzen.“

In meiner Atem- und Sprachlosigkeit ließ ich mir nochmals vom Prediger der Nächstenliebe bestätigen, dass ich in seiner Prioritätenliste keinen der oberen Ränge belege und kündigte meine Freundschaft, die ich wohl völlig missverstanden hatte, fristlos auf.

Frau Pastorin Stina, ihm treu ergeben, mied daraufhin wie Hochwürden bei Begegnungen jeden Blickkontakt mit mir, nicht einmal mit der hochpastorlichen Kehrseite wurde ich gegrüßt.

Ich hatte schon wieder einmal gelernt – vor allem einen der besten Anschauungsunterrichte darüber erhalten, dass ein Pharisäer nicht immer ein auf Spitzendeckchen servierter, alkoholgeschwängerter Kaffe mit Sahnehäubchen ist, sondern durchaus ein Arschloch erster Kategorie verkörpern kann, das vergeblich nach seines Gleichen suchen muss …

Damit aber noch nicht genug!

Wiederum 15 Jahre später – gestern nämlich – gehe ich mit Max altbekannte Gassipfade, und mir kommt in Begleitung eines schwarzen Hundes eine etwas faltengezeichnete und arthrosegeplagte Stina entgegen und beginnt nach 15 Jahren beharrlicher Ignoranz, Geringschätzung und ununterbrochenen Schweigens mit mir eine freundliche, losgelöste Konversation zu betreiben, als hätten wir in der Vergangenheit jeden Tag mindestens drei mal liebevoll und vertraut telefoniert.

Letztendlich gipfelt dieser Plausch darin, in dem sie mich einlädt, sie einmal besuchen zu kommen … Man wäre nach pastoralen Entsendungen nach Hamburg, Irak und nun Berlin nun mit dem ersten Wohnsitz in die liebe Heimat zurückgekehrt, gerade mal zwei Strassen weiter.

Mein Mund steht heute noch offen …

Fortsetzung folgt.

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3 Kommentare»

  ichbinimmerich wrote @

Erzähl, wie gehts / gings weiter !!!!

  blueswolf wrote @

@ ichbinimmerich
danke für das interesse!
bislang noch keine „feindberührung“.
bin selbst gespannt auf die fortsetzung!!!
ich werde unverzüglich berichten 😉

  ichbinimmerich wrote @

Ich bitte darum!!


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