ERLkönig

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Tanger, Tag 6 von 6: der Rückzug …

Auf die schnelle: Salemaleikum,

es ist 8. ich sitz gepudert und gekämmt auf meinem Zimmer, hinter mir das Riesenbett, auf dem meine gepackten Habseligkeiten mit mir auf den Abflug warten.

Um 9 kommt Mouad mit seinem netten Schwager, der uns zur Fähre bringen wird nach TARIFA. Dort besteigen wir unseren seit 5 tage wartenden Ford Fiesta, fahren 160 km an spaniens mittelmeerküste nach Malaga, besteigen den Flieger gegen 17:35 und werden gegen 21:00 – also in ziemlich genau 14 Stunden – in Frankfurt aufschlagen. So der Plan …

Bei herrlichstem Sonnenschein fährt uns Mohammed samt Frau Sakina und einer Schwester zum Fährhafen, erledigt als Zollmann im Wochenende alle Formalitäten für uns, kauft Tickets und verabschiedet sich herzlich von uns.

Die Verabschiedung bei den tuchbedeckten Damen geschieht nicht minder herzlich – allerdings nur unter Familienmitgliedern. Mir wird distanziert aber dennoch ausgenommen freundlich die Hand gereicht, und wer als Gast meint, hier mit der europäischen Bussi-links-Bussi-rechts-und-wieder-zurück-Kultur landen zu können, wird keinen Korb gewinnen! Aufpassen! Das schickt sich nicht!

Erst eine halbe Stunde nach dem Erklimmen des 2. Oberdecks heißt es Leinen los, und das Winken aus weiter Ferne wird eingestellt. Der 25.000 PS Katamaran schießt aus dem Hafen, und über das Handy berichtet Mohammed bei Kaffe und Kuchen mit Blick aus unserem Frühstücksrestaurant über die Bucht, dass er und seine Frauen uns noch immer im Visier haben – weit draußen auf dem Meer schon …

Mouad wird etwas still neben mir, aber Müdigkeit allein wird es nicht sein …

Nach Packen, Fahrt zur Fähre und „Gibraltar-Brückenschlag“ erwartet uns Stufe 4 unserer Heimkehr: Auto in Tarifa wieder finden und Ford-Fiesta-Fahrt nach Malaga.

Error: Wagen da, Batterie auf Minus Null!

Zwei Jungs mit Auto helfen uns in einer unerwarteten Weise, das zum Dank meine Lufthansaflasche Rotwein den Besitzer wechselt. Das also war die Bestimmung dieses weit gereisten Cabernet Sauvignon.

Ein Abschleppwagen wurde geschickt, und er gab uns Starthilfe. Nun hatten wir 2 Stunden mit dieser Panne und damit unsere Chance verplempert, an der Küstenstrasse uns nach Malaga durchzuschlagen und einen spanischen Lunch mit Meerblick einzunehmen.

Stattdessen gab M. Vollgas über die leere Autobahn, und bei 130 km/h kamen wir über die spanischen Bausünden nicht dazu, unseren Mund vor Staunen zu schließen. Ich habe ja schon viel Zerstörung von Landschaft und Landschaftsbildern gesehen, aber was sich da an der spanischen Wasserlinie bis hinein ins Innenland (beidseitig und unmittelbar an der Autobahn!!!) unter strahlender Sonne an Betonschandtaten in alle drei Dimensionen erstreckt, ist ein Vergehen an Gottes Natur unter dem Credo „Money makes the world go arround!“

Hinzu kommt, dass nicht nur Schwarz- sondern auch viel Blutgeld in dieser km langen Betonwüste steckt und die Nachbarn wohl weitaus weniger weiße Westen tragen. Mouad, gib Gas und nix wie weg hier!

Wir laufen planmäßig und checken müde am Airport Malaga ein, essen einen Apfel für 1,30 € (!?!?!) und heben um 17:45 ab.

3 Stunden später, Bodenkontakt mit der Heimat. Nach einer herzlichen Verabschiedung Recht erschöpft gehen wir zum ersten Mal wieder unsere eigene Wege …

Resumée

Nach 5 Tagen bin ich erschöpft und mit einem Gefühl erfüllt, als wäre ich 5 Wochen auf Reisen gewesen. Daran schuld ist Mouad, der ein besserer Freund und Fremdenführer an meiner Seite nicht hätte sein können!!!

Menschen sind für mich – auch auf Reisen – weitaus interessanter als Gebäude oder sog. Sehenswürdigkeiten.

Ich durfte Mouad als einen Freund kennenlernen, der mich wohl wieder versöhnen wollte/sollte mit einer Männerwelt, die ich in den letzten Jahren zunehmend zum Kotzen fand. Beschiss, Betrug, Hintergehen, Falschheit und Egoismus hatten die Oberhand – und ich wohl ein Riesenproblem mit dem männlichen Geschlecht.

Ich vermute weniger, dass seine Religion und sein unbeirrbarer Glaube ihn zu dem machen, was er für mich wurde – obgleich sein tiefer Glaube ihn nicht unmassgeblich in diese Richtung mit beeinflussen wird, nein, ich denke, vielmehr haben ihn eine liebevolle Erziehung und ein sozialer Familienbund zu einem wahrhaft liebevollen, uneingeschränkt vertrauenswürdigen und friedvollen Menschen werden lassen, und jeder in seiner Nähe fühlt das unmittelbar und kann sich diesem „Charme mit Charakter“ nicht entziehen …

Danke Mouad, dass es Dich gibt!!! Das Großartigste an diesem kleinen Kurzausflug in eine fremde Welt und interessante Kultur, das warst Du!

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