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Tanger, Tag 3 von 6

Sonne in Tanger! Da steht man gleich viel froher auf. Früstück gleich gegenüber zu zivilen Preisen: frisch gepresster O-Saft, Wasser, Tee – dieses Mal ohne Zucker, dafür mit Mini-Berbermütze überm Teekannenhenkel gegen die Hitze, Harcha (Maisbrot) mit Käse …

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Im Verlauf des Vormittags ergibt sich eine leidliche Diskussion mit der Managerin Mrs. Nazik des Hotel RAMADA LES ALMOHADES:

Hotel Ramada, Tanger

Hotel Ramada, Tanger

Ich habe zwar einen 35%igen Rabatt auf einen (mir unbekannten) Normalpreis erhalten, liege aber immer noch mit 68,- € ganze 40% über dem von mir vor 6 Tagen ermittelten Internet-Preis. Versichert wurde mir beim Einchecken, dass ich „best possible price“ erhalten hätte. Dies war die erste Lüge.

Beim Einchecken bat ich um ein Zimmer mit uneingeschränkten Hafenblick. Nein, nicht möglich! Alle Zimmer mit Meerblick – ich zähle rund 30 Fenster – wären Suiten. Heute lese ich im Hotelprospekt, das Hotel habe 126 Zimmer und lediglich 12 Suiten. Lüge Numero due. Oder fehlte nur das Bakschisch?

Zuguterletzt versucht mich bei meiner Bitte um ein Entgegenkommen die charmante Managerin dahingehend aufzuklären, dass infolge der abgeschlossenen Buchung eine Preisreduzierung leider nicht mehr möglich wäre … Die erste Managerin in meinem Leben, welcher der Begriff der Storno-Buchung nicht geläufig ist 😉 – genau wie Customer Satisfaction, Kreativität bei Konfliktlösungen und Kundenorientierung: Fehlanzeige! Es wäre so leicht gewesen, sich mit mir wieder zu versöhnen …

Für diese kleine Enttäuschung werde ich großzügig entschädigt: Mouad ergattert für 2 Tage den Golf seines generösen Bruders! Im Rahmen der Fahrzeugübergabe werden wir zu Mittag wieder einmal üppig umsorgt mit einem marrokanischen erster Klasse: köstliches Hähnchen an eingelgten Zitronen.

Ein weiterer Bruder ist angereist, um sein 2 Monate junges Enkelkind zu sehen – mit braunen Riesenknöpfen im freundlich dahersabbernden Gesicht . Mohammed II ist extrem kommunikativ, und wir unterhalten uns angeregt in 2,5 Sprachen im marokkanischen Wohnzimmer. Dann lerne ich eine neue Tradition kennen: wir 4 Männer – ohne Knopfauge – speisen fürstlich im Zimmer, während ich in der Küche viele Frauenstimmen höre, ohne auch nur eine der Kopftuchdamen bislang gesehen zu haben. Mouad merkt, wie ich ihn wegen dieser „Ausgrenzung“ von der Seite her fragend anschaue. Er zuckt mit den Schultern, streckt seine hähnchen-verölten Hände zu Allah in die Höhe und sagt: „Muss man mit leben.“ Ich muss das Hühnerbein schnell aus dem Mund nehmen, sonst hätte ich mich im wahrsten Sinne des Wortes totgelacht …

Mohammes II mit “Knöpfchen”

Mohammed II mit “Knöpfchen”

Mohammed verabschiedet sich nach dem Tee in einer Art von mir, als wäre ich einer seiner vielen Brüder. Diese Herzlichkeit hier überwältigt und berührt mich zutiefst – einmal abgesehen von der „Herzlichkeit“ einer Hotel Managerin …

Bevor wir uns wieder die 6 Stockwerke herunterkugeln, lässt Mouad noch schnell den parkenden Golf von einem älteren, zahnlosen aber freundlichen Mann innen wie aussen für ein paar EURO waschen.

Car Wash

Car Wash

Dann werden wir stadtflüchtig, fahren am südlichen Stadtrand vorbei an Villenkomplexen, die es mit Beverly Hills durchaus aufnehmen können, vorbei am schwerbewachten Palast des Königs MOHAMMED VI., und bald begleitet uns zu rechter Hand der tosende Atlantik. Surf Area in untergehender Sonne.

An einem touristischen Ausflugspunkt parken wir. Ich sehe life meine ersten Kamele, die auf Kundschaft warten und mit ihrem gelangweilten Blick wie auch ihrem lässig mahlenden Knutschmaul mich durchaus an meinen Max erinnern …

Knutschen …?

Knutschen …?

Wir erklimmen ein paar zementverschmierte Klippen, gelangen zu einer ganz bescheidenen Teebar (NO WINE, NO BEER!!!!), nuckeln auf klebrigen Plastikstühlen wippend an einer Flasche Wasser und zählen die sich weit draußen langsam aufbauenden Wellen, die sich in ungestümer, weisser Gischt an dem unter uns liegenden, schroffen Gestein tosend brechen. Ich könnte ewig so dasitzen …

Der alte Mann und das Meer …

Der alte Mann und das Meer …

Doch Mouad ist im Gegensatz zu mir nicht zum Vergnügen in seine Heimat gekommen – heute hat er seinen wichtigsten Termin: Preisverhandlung zu einem Immobliengeschäft. Wir düsen zurück, schlängeln uns auf Tuchfühlung mit den vielen Stadtfröschen (besagte, grüne Minitaxis) durch den tobenden Feierabendverkehr und erreichen bald mein Etablissement.

Verabschiedung – wie immer – so herzlich, als würde man sich das letzte Mal sehen, und für den Rest des schönen Tages drücke ich meinem Mouad alle Daumen, dass er seinen Preis heut Abend realisieren kann …

HISTORISCHES

Die mythologische Geschichte der Stadt Tanger gründet sich auf den Legenden der Berber und Griechen. Für die Berber ist Tanger die Gegend, von der die Erde stammte, welche an den Krallen der Taube klebte, die Noah nach der Sintflut aussandte. Tanja ist ein Begriff aus der Berbersprache und bedeutet: neues Land.

Für die Griechen leitet sich die Gründung Tangers von der Tochter Tingi des Riesen Antäus ab. Für die Schreiber des alten Griechenlands war Tanger „die schönste Stadt der bekannten Welt – eine Region der Götter, in der die größten und schönsten Männer lebten“.

Die Geschichte Tangers ist durch die Jahrhunderte geprägt von Invasoren und vielfältigen kulturellen Ereignissen. Durch seine geographische Lage ist Tanger einerseits eine begehrte, strategisch günstige, am Ausgang des Mittelmeeres liegende Stadt, andereseits bildet sie das natürliche Tor zum Afrikanischen Kontinent. Sie war Heimat großartiger Gelehrter, in neuerer Zeit lebten viele Schriftsteller und Künstler, wie zB Mark Twain und Tennesse Williams hier, oder der Maler Henri Matisse.

Durch Unabhängigkeit Marokkos von Frankreich (1956) wurde Tanger wieder in den Staat eingegliedert und fand wieder stärker zu seinen Wurzeln.

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1 Kommentar»

  BiniMauser wrote @

Na Papa, du entdeckst wohl wieder ein Stück mehr von der Welt – so ist es richtig! Was du wieder alles erlebst! 🙂

Traumhaft das Meerbild, das wäre perfekt zum surfen. Hast sicher schon nen paar Wellenreiter gesehen, oder? Jetzt weißt du was ich immer so am französischen Atlantik treibe! 😉

Dann noch eine schöne Zeit und Finger weg von den Mädels die so alt sind wie ich!! (echt krass.)

LG Binchen


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