ERLkönig

ERLebnisse, ERLerntes, ERLesenes

Heute hier – und morgen fort: Tanger

Mouad ist Marokkaner. Mouad ist der freundlichste, zuvorkommendste Servicemitarbeiter und ein wahrlich liebenswerter, den ich kenne. Mouad arbeitet im Restaurant meines Schwagers. Mouad fragt mich: Kommst Du mit, ich fahre ein paar Tage in meine Heimat. Ich sag nicht nein, pack kleines Handgepäck, und zwei Tage später sitzen wir in der voll ausgebuchten Lufthansa-Maschine von Frankfurt nach Malaga. Unser Ziel: Tanger.

Hier hat Mouad vor ein paar Jahren das Licht der nordafrikanischen Welt erblickt, wurde im Sinne des Islams liebevoll aufgezogen, und sein eigenes, liebevolles Wesen kommt allen Menschen zugute, mit denen er umgeht: Gäste, Familie, Freunden und mir!

Nach einem fast 3-stündigen 200 €-Flug (hin und zurück!), einem netten Gedankenaustausch mit unserer Stewardess in der rückwärtigen Galley schlagen wir pünktlich in Süd-Spanien auf und übernehmen den bereits in Deutschland gebuchten Mietwagen. Und schon bekommen wir Feindkontakt mit der mir so verhassten Art der Spanier, vermeintlich dumme Deutschtouristen nach allen Regeln der Kunst übers Ohr zu hauen: üblicherweise wird der Wagen vollgetankt übergeben und leer wieder abgegeben. Für den vollen Tank will uns die schlitzohrige Schönheit 76 EURO in Rechnung stellen. Dies bedeutet bei einem Literpreis von einem EURO, dass der FORD Fiesta mit einem 80 Litertank ausgerüstet wäre … Mouad legt auf Spanisch los, und ich drück mit Englisch nochmals auf die Tube der Empörung. Schließlich schrumpft das Tankfassungsvermögen auf realistische Normgröße von 45 Litern und unsere Rechnung damit auch. Man versucht es eben mal … Im Gehen warne ich die noch hinter uns ahnungslos wartende Schlange vor der trickreichen Krähe. Nach gründlicher Schadensbegutachtung besteigen wir einen einwandfreien und silbergrauen FORD und verlassen unter Absingen schmutziger Schimpflieder das schmucklose Flughafen-Parkhaus. Spanische Beschiss-Schachtel, die dreckerte 😉

Wir fahren auf einer mautpflichtigen und nach teutschen Maßstäben excellent gepflegten Autobahn direkt in die spanische Untergehsonne. Romantik pur. Sonne im Herzen und am Horizont. Vogelfrei und unbeschwert mit einem dicken Freund an meiner Seite – Ziel: TARIFA.

In Ruheposition …

In Ruheposition und …

20 Minuten später …

m2.jpg

I need more speed!

In 35 min. haben wir die Meerenge von Gibraltar überquert und legen nach einer Speedboat-Fahrt mit einem Riesenkatamaran um 21 Uhr in Tanger’s Hafen an. Der erste Eindruck vom hiesigen Chaos und laissez faire in dieser nordafrikanischen Stadt: Passagiere ohne Auto müssen sich auf dem Hafengelände selbst den Weg zum Zoll suchen – vorbei und durch Schlangen wartender, verdreckter Lkw’s. Kein Bürgersteig, kein Leitsystem, rein gar nix!

Riesiges Hallo und unendliche Umarmungen zwischen Mouad und seiner kopftuch-bedeckten Schwester sowie seinem Schwager. Ich werde aufs freundlichste begrüßt, und wir steuern mit einem code-gesicherten, betagten Golf HOTEL RAMADA an.

RAMA HAMA DA  ;-) Blick vom 5. Stock

RAMA HAMA DA 😉 Blick vom 5. Stock

Mouad und Schwager handeln einen akzeptablen Preis für mich aus, ich schmeiss meinen Rucksack auf das Riesenbett meines Riesenzimmers mit Vollbad und Blick auf den Hafen aus dem 5. Stock des Riesenbaus, dessen Baustil einher geht mit der gesamten, neuzeitlich Bebauung Tangers: erschlagende Blockbauten mit Nischenartigen Räumlichkeiten auf engstem Platz – kaum ein Haus unter 10 Stockwerken, Strassenschluchten säumend.

Um halb 11 essen wir zu Abend bei Mouad’s Schwester. Mein erster Kontakt mit einer arabischen Familie, und das im eigenen Heim: 6. Stock zu Fuß erklommen, Schuhe aus in einer kleinen aber peinlich sauberen Wohnung mit einem europäischem wie auch arabischen Wohnzimmer, kleine Küche mit Gasflaschen-Herd, kleines Bad und hier ein Gardinen-Schränkchen und dort ein geschnitztes Tischchen.

Eine völlig neue Welt erschliesst sich mir, und ich bin wieder einmal mehr Mouad so sehr dankbar dafür, dass er mir all das so bereitwillig und in seiner für ihn so typischen stolzen wie auch herzlichen Art zeigt!

Die mir von „meiner“ Stewrdess so freundlich mit auf den Weg gegebene Flasche Cabernet Sauvignon 2004 muss – auch das hatte ich vergessen – im Wagen bleiben. NO ALC!

Dafür gab es frisches Wasser im marokkanischen Wohnzimmer – zur Gemüse/Lammsuppe, zum Lammgebein mit Rosinen, Mandeln und Honig auf einem großen Teller in der Mitte des runden Tisches. Es wird mit der rechten Hand gegessen! Danach Obst und noch ein Tee mit selbst gemachtem, HERRLICHEN Gebäck, lecker in Reih und Glied auf Silberteller üppig drapiert, dass ein Ignorieren unmöglich und wohl auch beleidigend ist 😉

Wohlgenährt werde ich ins Ramada chauffiert und falle völlig erschöpft in mein Luxusbett, in dem ich nächsten Morgen mich querliegend wieder finden werde.

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