ERLkönig

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Archiv für Oktober, 2007

Abschied vom Peleponnes

Noch reichlich verschlafen ein Klippen-Bad genommen, mittags zu H. auf die Mühle und Öl eingekauft.

Abschiedsdinner bei RAFFTI: leckerer F(r)ischfang der Fischer, die auch hier zu essen pflegen. K. opfert ihre letzten Vorräte an selbst hergestelltem Käse von ihren mittlerweile verkauften Ziegen und drückt uns – sorgsam für die Reise verpackt – ihre Eigenproduktion zum Abschied in die Hände. Wir sind ge- und berührt … Um 23:00 in die Falle mit Meeresrauschen und kein Auge zugetan …

Den nächsten Morgen um 03:00 aufgestanden, Hotel geräumt, den Wagen gepackt und 5 Stunden über Höhen und Tiefen des Peleponnes zum Airport Athen gekurvt.

Dieses Mal ist das Peronal der AGEAN Airline nicht nur wesentlich hübscher, sondern auch freundlicher. Das Essen? Na ja, man hat sich bemüht …

11:30 airborne, 3 Stunden später schlagen wir nach einem unspektakulären Flug in Frankfurt auf. Siggi Kid holt uns ab, und ich weiss, es wird noch lange dauern, bis ich wirklich angekommen bin …

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Ich habe / bin fättich

Der Sonntag ist erdrückend schwül, die Birne belastend schwer. Dieser Tag zieht im Bett an mir vorüber.

18:00 Frühstück, 19:00 Dinner bei RAFFTI. Das war’s dann.

Aeropolis, Zigge in der Röhre, Wein im Kopp …

Dusche, Snack und ab zu Heinz auf die Oelmuehle. Dort nemen wir seine Bestellung auf fuer ein kleines Abendbrot zu Haus.

Wir duesen Berge hoch und runter, legen uns in die Kurven und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus ueber die prachtvollen Perspektiven in unterschiedlichen Hoehenlagen, die die Augen nahezu uebersaettigen: malerische Orte, vielfaeltige Buchten, weites, blaues Meer.

Wir erreichen den Wochenmarkt von Aeropolis – leider etwas spaet. Wir erstehen fuer ein paar Euro Unmengen an Kartoffeln, Knoblauch, Paprika, Zucchini und was der garten sonst so hergibt.

Das alles findet am Abend Verwendung als Sättigungsbeilage beim Vertilgen einer halben Zigge. H. tafelt auf in seinem kleinen Haus in einem versteckten Piratennest mit Blick über das halbe Mittelmeer, K. schnipselt, was das Messer hergibt, es fließt Wein in Unmengen, und das Trio Infernal findet nach einem kleinen Absacker bei Agi um ca. 3 Uhr morgens den Weg ins Bett. Ein grandioser Abend!!!!

Stoupa

Viel geschlafen. Kleiner Ausfluf ins Nirwana. Auf allen Strecken bgleitet uns das Meer sowie Haeuser im Halbfertig-, Fertig- und voellig fertigen (Ruinen) Zustand in feinster Beton und beachtlicher Natursteinkunst.

In Stoupa nehmen wir einen kleinen Mittagssnack ein mit Blick auf die Badebucht, um uns bald wieder zu Haus aufs Ohr zu legen. Herrlich: Essen, Schlafen, Doesen – wie mein Hund …

Abends treffen wir uns mit H., Hans und K. wieder bei RAFFTI, dem InsiderLokal mit klasse Kueche nach Mammas Art.

Das Meer tobt bei geoeffnetem Fenster, ich schlafe wie ein Stein, obleich ich am Tag schon ein paar Stunden geratzt habe.

Stoupa

Die Sonne scheint!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Die beste Nachricht fuer heute. Wir nehmen einen kleinen Snack zu uns – dort, wo wir gestern noch versackt waren. Wir muessen heut morgen zuviel getrunken haben, denn die huebsche Bedienung ist heute Morgen ein zahnloser Kellner mit offenem Hosenladen. Schoiss Alkohol!

Danach ist Individual-Tourismus angesagt: Achim floetzt sich in die Sonne auf den Balkon, Bernd chauffiere ich zu Katharina, ich nehm den Wagen und duese nach Stoupa in den Supermarkt und ins Internet-Caffee.

Stoupa: etwas schoener und gepflegter als unserer, denn hier gibt es wohl nur noch Touris. Kein Fischerboot, schoene Strandpromenade, geballte Ladung Fereienhaeuser.

Abends treffen wir auf „unsere Riesenklicke“ am Strand in Stoupa: Hans, der Wiener, das Trio aus dem Norden: F., J., F. (allesamt aus Hamburg und etwas gaga), ein paar Englaender von der Isle of Man sowie natuerlich H. + K. Irgendwer hat Geburtstag. Die Tassen hoch an blumenreich gedeckter Tafel, die Badebucht gehoert uns!

Zuvor aber besteht Hans darauf, dass das Quartett komplett unbedingt seine Knoblauchsuppe zu kosten hat. Wir also wieder in die Autos und eine Bucht weiter.

Es eroeffnet sich nach einem felsigen Garten eine Enklave, in die es wirklich nur Aussteiger verschlaegt. In einer open air Kueche koecheln zwei Knoblauchknollen in Wasser, Thymian und Salbei vor sich hin. Der Sud wird ueber ein Weissbrot gegossen, ueber das zuvor etwas Parmesan verstreut wird.

Hans erweist sich nach und nach als ernsthafter Koch, belesener AllesWisser, erfahrener Kleingaertner und verschmitzter Witzeerzaehler …

Agios Nikolaos

Um 11:00 stehen wir 3 auf dem Balkon und bewundern Regen, tobende Brandung und unsere herrliche Aussicht auf die Bucht von Agios Nikolaos.

Wir fahren ein paar km den Berg hoch, vorbei an herrlichen Privatbauten – zu 70% im Rohzustand oder aufgegeben – und suchen H. und seine Oelmühle auf.

H. macht eine Fuehrung mit uns, platziert uns in die gegenueber liegende Taverna, ueberlaesst uns Kasse und Schlussel und zieht sich mit Landvermessern zurueck, die seine Olivenhaine wegen Foerdergeldern ausmessen wollen. Schon bald habe ich Gelegenheit, mein frisch erworbenes Wissen weiterzugeben:

Erst ein kanadischen Paar, dann ein englisches bittet um eine Fuehrung und um Erklaerung des Produktionsprozesses. Ein Leichtes fuer mich … 🙂 Ich verkaufe ein paar Oliven und etwas Oel und beschliesse, fuer immer hier zu bleiben 😉

Derweil verputzen A. und B. tonnenweise Pommes, Schweinswuerste, Teigtaschen, Feta. So verbringen wir den Tag, und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein …

Abends treffen wir uns alle wieder, K. zeigt uns den naechsten organoleptischen overkill, indem sie uns in ein urbanes Retsaurant fuehrt, in dem Mama persoenlich kocht.

Noch einen Absacker im Caffee Rouge – man kennt sich nun aus! -, in dem eine griechische, aber perfekt englisch sprechende Dynamik-Lady mit Charisma, Charakter, Figur und Fummel namens AGI hinterm Tresen steht, dass man sich als Mann vom letzteren kaum zu trennen wagt … B’s letztes Wort: hier sauf ich mich fest!

Spruch des Tages: Mannomann, bei dem Wein verbiegt sich meine Zahnspange …!

on the road …

Schlaflose Nacht, Fruehstueck im Hotel, Autouebergabe. Um 12:00 starten wir mit unserem himmelblauen VW Polo und schlagen uns tapfer zunaechst durch Athen. In den Strassen regiert das Messer: Kampf um jeden Millimeter, Stosstange an Stosstange, Moppeds fahren Dir gleich links und rechts zugleich die Rueckspiegel ab, A. verdreht die Augen auf dem Ruecksitz, B. neben mir widerholt eine Stunde lang immer nur ein Wort: Fahr, fahr, fahr!!! Ich verbiege Steuerrad und Gangschaltung und suche den EXIT aus diesem Inferno … Nur raus hier, nix wie raus!

Unsere Route: Athen – Tripoli – Kalamata – Cardmili – Stoupa – Agios Nikolaos.

300 km. 5 (!) Stunden. Ein Drittel wunderschoen ausgebaute und voellig leere Autobahn, der Rest Berg hoch, Berg runter, Serpentinen bis zum Abwinken.

Auf einer Strecke von 30 bis 40 km begleiten uns – soweit das Auge reicht – verbrannte Erde, verbrannte Plantagen. Ein einziges Schwarz. Selbst die letzten Baeume beidseitig unmittelbar an der Strasse blieben von den Urgewalten des Jahrhundertfeuers in diesem Sommer nicht verschont. Es regnet, und in der Luft steht noch immer der absolute Brandgeruch. Das alles hat keine Tagesschau, nicht ein einziger Auslandsreport so rueber bringen koennen. Hier muss die nackte Angst regiert haben, Agonie, Verzweiflung und Verderben!

Nach 5 Stunden werden wir von H. und K. herzlich begruesst. H. verfrachtet uns in das Hotel seines Freundes Janosch. Janosch geht in Urlaub, kassiert uns ab (25 Euro pro Nacht), uebergibt uns kampflos die Schluessel und damit die Macht ueber das Hotel, schenkt uns noch kraeftig einen ein und wuenscht uns in perfektem Deutsch (10 Jahre BMW, Muenchen) eine schoene Zeit.

Wir speisen ausgiebig mit H. und K. in einem Restaurant am anderen Ender der Bucht unseres Ortes AGIOS NICOLAIOS, und ich verabschiede mich schon frueh, um einen Verdauungsspaziergang zu machen.

Haette ich bloss nicht! Streckenweise wars stockdunkel, das Meer tobt auf der Linken, auf der Rechten raschelt und scharrt es. Mir stehen die Haare zu Berge, ich denke an Albaner mit langen Messern – es sind nur Katzen mit langen Krallen.