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Archiv für März, 2007

Ein Freund zum Vergessen

Im Juli letzten Jahres teilt mir „Freund“ Christian jubelnd mit, er hätte endlich einen job gefunden. Als Flash-Speziallist hätte er den Einstieg in eine namhafte Softwarebude geschafft. Berlin ist angesagt, und der Umzug kostet Kohle – Kohle, die er nicht hat.

Unter Freunden hilft man sich – soweit möglich. Und mir war es zu diesem Zeitpunkt möglich, kurzfristig auf 3.000,- € zu verzichten. Kein Darlehensvertrag, nix schriftlich – im Vertrauen auf eine unerschütterliche Freundschaft nur eine Überweisung auf sein nacktes Konto mit dem spaßigen Vermerk eines gutgläubigen Vollidiotens: „Keine Flocken zum Zocken!“ Im nachhinien wird mir bewußt, dass ich mit diesem lockeren Spruch wohl etwas heraufbeschworen haben muss …

Eine Dankesmail erreicht mich daraufhin mit der Bewunderung: „Wolfgang, Du bist ein Brett! Kriegst es auf jeden Fall zurück!“

Als im Dezember dann noch keinerlei Ansätze einer auch nur stotterhaften Rückzahlung sich bemerkbar machten, fragte ich leise an, wie er sich denn eine Abtragung seiner Schulden vorstellen könnte. Keine Forderung, keine Mahnung, nichts dergleichen! Nur die schlichte Frage zu seiner Vorstellung über eine Darlehenstilgung bringt „Freund“ Christian dazu, nun sein wahres Gesicht zu zeigen:
ab diesem Zeitpunkt habe ich von meinem feinen Freund bis dato nichts mehr gehört. An die 10 mails, 12 Anrufe privat wie in der Firma sowie ein Brief wurden quittiert mit Schweigen, Verleugnungen durch Dritte und leeren Zusagen des Rückrufs – sogar durch die eigene Ehefrau.

Aber es kommt noch besser: den leiblichen Vater dieses Früchtchens treffe ich nahezu jeden Tag auf dem „Hunde-Acker“. Als unmittelbare Nachbarn sind wir unendliche km mit unseren Hunden Seite an Seite übers Feld gelaufen und haben in freundschaftlicher Offen- und Direktheit über Gott und die Welt debattiert.

Noch zu Beginn unserer Bekanntschaft stellte er mir mit dem Stolz eines Clan-Vorstandes großspurig und bebildert seine gesamte Sippe vor. Nun, nach Darstellung dieser Geschichte, „distanziert“ sich Papa vom fragwürdigen Verhalten seines mißratenen Sprößlings. Anstatt in angemessener Form zu intervenieren oder gar einen Versuch zur Vermittlung zu unternehmen, tangieren sich nun unsere Pfade im respektablen Abseits. Der Respekt vor solchen Menschen allerdings ist mir verloren gegangen.

Soviel zum gefallenen Apfel mit dem bekannten Baum …

In meinem Leben kreuzten schon viele krumme Hunde meine Wege. Immer wieder dachte ich tief betroffen: „Solch eine unverschämte Ignoranz gegenüber Anstand und Humanität ist nicht zu überbieten!“ Aber jeder Fall wurde vom Nächsten im Grad seiner mir immer unbegreiflich bleibenden Unverschämtheit getopt – wie es auch dieser wieder einmal tat …

Freundschaften, die keiner braucht – Bekanntschaften, auf die man verzichten kann …! Ab damit in die Tonne!

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