ERLkönig

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Neulich im Fahrstuhl …

Ich drehte mich um und sah in den Spiegel meines Fahrstuhls, der – so hoffte ich in dem chaotisch weil nachlässig organisierten Parkhaus – mich in einem Stockwerk ausspucken sollte, auf dem ich wieder frei atmen konnte. Grad hatte mich auf dem Level zuvor eine junges Päärchen – selbst noch fast Kinder – mit drei kleinen quakend-plärrenden Ablegern orientierungslos nach ihrem Pkw suchend verlassen, und als die Tür uns voneineinder trennte, stand ich allein mit meiner Geiz-ist-geil-Plastiktüte in der Edelstahlgondel voll fettfingerverschmierter Flächen, lächelte mich im ebenso verschmutzten Spiegel an und erschrak, als ich die 1.000 Falten unter und um meine Augen herum sah.
Für Lachfalten sahen sie keineswegs freundlich genug aus, und es waren mir auch einfach zu viele. So viel hat es in meinem Leben nun doch nicht zum Lachen gegeben, dachte ich. Wo kommen die bloß aller her!? Und ich mußte erkennen, daß knapp 57 Jahre nicht unbedingt spurlos an mir bzw. an meinem – im entspannten Zustand – glatten Gesicht vorbeigezogen sind.
Nun gut, mein Körper war optisch wie auch konditionsmäßig im Laufe der letzten Jahre etwas erschlafft, könnte man sagen. Eine gewisse Kurzatmigkeit hatte sich auf Grund einer relativ bequemen Lebensweise eingestellt, Dynamik und Spontanität sind einer überlegten Besonnenheit gewichen, viele kleine Zipperlein und größere chirurgische Eingriffe in mein Innerstes haben ihren Rest zum eingeschränkten Grad der globalen Funktionstüchtigkeit beigetragen. Und nun auch noch diese Falten, die zu meinem schwachen Trost erst beim Lachen in Erscheinung treten.
Muß schon was dran sein, als ich mich vor mehr als zwei Jahren mit meiner knapp 20-jährigen Tochter an die Bar einer lauten Disco lässig hinpflegelte, deren Musik aber nicht laut genug war, um die Konversation zweier Teenies nebenan mitzuhören, die eindeutig auf mein Erscheinen abzielte: „Guck mal, jetzt kommen die schon zum Sterben hierher …!“
Naja, tat ich das für mich ab, schließlich hatten wir’s damals auch so richtig drauf, wenn wir als 16-18-jährige Halbstarke einem 28-30 Jahre „Altem“ begegneten: „Mann, Du, der hat ja auch schon seine Zukunft hinter sich …!“

Heute im Fahrstuhl aber hab ich’s mir selbst gegeben. Mit blanker Selbsterkenntnis und frei von jeglichem Zynismus. Das Lächeln ist mir dabei schnell wieder vergangen …

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