ERLkönig

ERLebnisse, ERLerntes, ERLesenes

Carnaval SANTA CRUZ 2019 …

Ein Riesen Fest der puren Lebensfreude – frei von Alkoholexzessen, Agressionen, Übergriffen, Randale, uniformierten Vorschriften & Zwängen sowie Eintrittsgeldern oder Spendenerwartungen, die bei Verweigerung gleich mit Konfetti- oder Wasserduschen gebührend bestraft werden ‼️

Dahingegen kostümierte Familien & Freundesgruppen mit Kleinkindern, Menschen mit Handicap und Senioren bis weit über den Ruhestand. Alles in Harmonie & gegenseitigem Respekt, mit Gelassenheit und Freude am Spaß. Solch eine natürliche Art von Karneval, bei dem die Lust am Leben, das Feiern und Verkleiden im Vordergrund stehen, habe ich in noch keinem Land erlebt‼️ Allein dieses Erlebnis auf Teneriffa macht Lust auf das nächste Jahr‼️


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Sonntag, 8 Uhr …

Es ist 8.
Lübecks sonntägliches Glockengeläut schmeichelt meinen Ohren, die Häuserschatten auf der gegenüberliegenden Straßenseite ziehen an historischen Fassaden ihre sonnengerahmten Formen.
Mein Käffchen dampft auf wackligem Bistrotisch, das noch warme Franzbrötchen klebt an meinen Fingern, eine leichte Brise zieht durch die Strasse und blättert unwissend in meiner Zeitung.

Leicht verschlafen schlurfen die ersten Brötchenholer grusslos an meinem Trottoire-Tisch vorbei in „meine“ Bäckerei, in deren Türrahmen ein Golden Retriever steht – Kopf drinnen im wohligen Duft frischer Backwaren. Für mich ist draußen lediglich seine erwartungsvoll wedelnde, buschige Rute zu beobachten. Eine junge Mutter am Nebentisch singt ihrer kleinen Tochter leise ins Ohr „Wie schön, dass Du heut geboren bist!“ und ich denke bei ihrem Anblick dasselbe.

Busse übertönen das Glockenkonzert der malerischen 7-Türme-Stadt. Das Bühnenbild wechselt … unaufhörlich.

London

Vier Tage meiner kostbaren Zeit, von der man glaubt, so viel zu haben, ertranken letzte Woche im unaufhörlichen Regen Londons.

Vor 18 Jahren war ich das letzte Mal in dieser Tumultstadt. Nun haben sich scheinbar Menschen, Autos, Lärm im selben Masse vervielfacht wie die Preise. Ein Dach über dem Kopf ist für Häuslebauer wie für Mieter und Touristen schier unbezahlbar.

So finde ich in einem Hostel in der Nähe von Kings Cross eine Bleibe, die mir für 30 € pro Tag ein sauberes Bett in einem kleinen 5-Bettzimmer mit ein paar vor sich hin pupsenden Brasilianern, einer partysüchtigen Mexicanerin und einem stillen Briten bietet. Ich ziehe den Altersdurchschnitt auf 21 hoch ….

Das Innere der Stadt brodelt, die Vorbereitungen auf die Olympics blockieren bereits jetzt schon so manche Strassen, das System scheint vor dem unmittelbaren Kollaps zu stehen.

Fish & Chips sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, nämlich frisch. Da haben sie mit der Queen durchaus etwas gemeinsam …

Aber die kleinen Engländerinnen werden immer jünger. Und geben den Trend an: High Heels und Hot Pants – soweit das Auge reicht. Letztere sind aber so klein geworden, dass sie ohne Sehhilfe nicht mehr zu erkennen sind.

Übermüdet und erschöpft besteige ich in Gatwick meinen Airbus und freue mich auf mein Bett zu Hause, das ich zwei Tage nicht verlassen werde … Good bye, London, Du kannst nochmal mindesten 18 Jahre auf mich warten!

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Schmeichelhaftes kommt immer gut!

Heute erreichte mich eine liebe Nachricht einer fuerteventurischen Bekanntschaft, die ich auf der Insel bereits vor einem Jahr in mein Herz geschlossen hatte:

Hallo Wolfgang, ich habe heute so einiges von Dir gelesen –  glücklicherweise nicht über mich!
Warum sollte ich ein Buch in die Hand nehmen – Deine Berichte sind interessant, direkt, amüsant und geistreich.
Mir wird meine fehlende Bildung deutlich.
Werde Deine Berichte aufmerksam weiter verfolgen!

Nicht mit „ERL“ aber mit „ER“ ist mir etwas zu DIR eingefallen:

ERfolgreiche_Karriere,
ERwiderte_Liebe,
ERtragene_Schicksale,
ERleichtertes_Dasein,
ERbetene Gesundheit,
ERwünschtes_Glück.

Mit den allerbesten Wünschen – Bernd

Lieber Bernd, mit Abstand der schönste Kommentar, den ich auf meiner Seite bislang gelesen habe! Besten Dank dafür, lieber Schmeichler!
Mit Nachdruck muss ich Dich aber korrigieren! Wenn es jemandem an Bildung fehlt, dann bestimmt NICHT DIR!

Ich selbst bin es, der leider allzu oft an sein geistiges Vakuum erinnert wird, weil er in seiner Vergangenheit überwiegend lern- und exorbitant lesefaul war.

Nichts in meinem ganzen Leben hat mich mehr angekotzt als mein Gymnasium mit seinen teuflischen Lehrkräften – es gab nur zwei Ausnahmen mit halbwegs menschlichen Zügen! Der Rest war ein Haufen von gescheiterten Existenzen, die von der Pädagogik im allgemeinen und der Psyche eines Heranwachsenden im speziellen soviel Ahnung hatten wie die Kuh vom Klavierspielen …
Die Schule bezeichne ich als  die schlimmste Zeit in meinem Leben. Dort hatte ich es mit Lehrkräften zu tun, die heutzutage als pädagogische Krücken nicht annähernd eine Chance gehabt hätten, als „Erzieher“ den Fuß in die Tür einer Bildungsstätte zu bekommen. Aber ihnen will ich keine Schuld geben an meinem persönlichen Bildungsdesaster. Lesestoff, der mich ermüdet, war nie mein Metier. Und so habe ich einiges verpasst und mehr noch verpatzt in einer Zeit, in der man eigentlich gesegnet war mit einer riesigen Aufnahmekapazizät ….! O sole mio … culpa!

Meine beiden studierenden Kinder – als ob es nichts Einfacheres wie Unterhaltsameres geben kann – legen da eine Vorlage an Wissensdurst, Lernbereitschaft und schier unendlicher Energie hin, dass ich nicht glauben kann, sie wären von mir! Bereits das Abitur hatte ich schon beharrlich verweigert. Schande!

Mein lieber Freund R. in meinem Heimatkaff findet in seiner suffisanten aber liebevollen Art immer wieder einen Weg, mich zart darauf hinzuweisen, dass es nicht reicht, sich zwei Bücher zur Dekoration staubfrei ins Regal zu stellen. Nicht allein, dass es in heutiger Zeit einen gewissen Trend zum Drittbuch gäbe, nein, er, der Bücher frisst wie andere Nahrung zu sich nehmen, versehen mit einem Doktortitel, den er aber nicht wie die meisten Promovierten zur Schau stellt oder gar gekauft hat, er findet immer wieder das Fremdwort, das mir nicht einfallen will, kennt alle Synonyme dazu und beweist mir an einer unendlich langen, im Hirn gespeicherten Latte an einschlägiger Litaratur respektive Autorenverzeichnis beispielsweise zum Thema „Segeln“, dass man sich auch durch Lesen schlau machen kann. Zudem setzt er sogar die dokumentierte Theorie gleich in die Praxis um und baut sich schnell mal ein Schiff …

Welch schlaues Hirn sagte einmal „Ich weiss, dass ich nichts weiss!“? R. wüsste es! Mein geistiger Horizont dahingegen ist schnell erreicht. So taumel ich im Orbit meines nackten Unwissens und eines gähnenden Bildungsloches durchs Leben, beobachte besonders gern den Menschen samt seiner Unfähigkeit wie Machtlosigkeit und bastel gern mit und an Worten herum – nicht ganz frei von Zynismus gebe ich zu.

Das nenne ich einen, meinen zweiten, wahrhaftigen Bildungsweg 😉

Don Pedro Gonzales

Unser Cat dümpelt bei Anfi vor Anker. Die Sonne glüht, der Wind kühlt, und alle sechs an Bord grinsen vor lauter Wohlbefinden mit geschlossenen Augen in sich hinein, der Sonne entgegen.

Mehr als sieben Stunden lang sind wir zuvor nach Mogan und kreuz und quer gesegelt, hatten knapp 10 Knoten auf die Logge gebracht, und das allein mit den beiden Vorsegeln ohne Einsatz des Großsegels. Unser 17 Meter Cat ging ab wie ein Zäpfchen!

Nach harrrt durchsegelten Stunden macht Ulli ein formidables Ankermanöver – man merkt, sie kennt sich aus mit dem Schiff -, und jeder gibt sich auf dem Vordeck dem stillen Müssiggang hin – schlummernd, meditierend, träumend, sinnierend …

Nur Georgie ist wie immer geschäftig, und schon bald weiss ich womit: wie aus dem Orbit herab ertönt in Dolby Surround Qualität einschmeichelnd im Gleichtakt mit Wind- und Wellenspiel aus den bordeigenen BOSE Boxen plötzlich „Wish You Were Here“ von Pink Floyd. Es fehlen nur noch der Rote und die Tüte, und ich wäre vor Begeisterung über die Reling gesprungen. Aber auch ohne den beschleunigenden Süßstoff fangen wir alle offensichtlich an zu fliegen.

So auch meine Gedanken wieder einmal, und ich erinnere mich an einen Tag vor mehr als drei Jahren, als ich mit Georgie und seiner Yacht an derselben Stelle ankerte – in Gesellschaft mit ca. 8 weiteren im respektablen Abstand zueinander liegenden, beachtenswerten Seglern. Wir waren grad beim Klarschiffmachen, da betrat eine Motoryacht das Parkett. Flach, spitz und unendlich lang, ausgerüstet mit einem DuplexAntrieb, der wohl seine 500 Pferde auf die Schrauben brachte …

Auf dem schmalen, schnittigen, ja pfeilartigen Vordeck aalte sich Blondie im Bikini mit Mega-Augen und strich sich halb liegend lasziv mit der Rechten durchs Wind zerzauste, lange Haar. Hinten, im weissen Ledersitz des offenen Salons nahezu die Zwillingsschwester – nicht minder auf Exhibition und Geld aus.
Beide Barbies aber wurden in Bedeutung und Posing weit übertroffen durch den am Ruder stehenden Mann: Don Pedro Gonzales, braun getüncht, grau meliert, kontrastreiches, weisses Poloshirt über dunkelblauen Shorts, EdelstahlSteuer in der Linken, an der Rechten eine prunkvolle Golduhr. Die Krönung der am Ruder demonstrierten aristokratischen Haltung aber war seine rechte Hand, die halb auf Schulterhöhe ausgestreckt zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger eine 20 Zoll Havanna würgte. Den kleinen Finger weit von der restlichen Hand gespreizt (nach dem Motto: Finger weg vom Nikotin!) war der Ringfinger schliesslich dafür verantwortlich, nach jedem Zug die imaginäre Asche abzuklopfen.

Sein kubanischer Zauberstab aber wurde nicht kürzer, weil er kalt rauchte; ebenso wenig sein anhaltendes Cruisen zwischen all den anderen Schiffen, dessen Eigner angesichts seines nassforschen Fahrstils in nächster Nähe berechtigterweise um ihre Anker und Ketten bangten. Als Don Pedro Gonzales nach geraumer Zeit mit seiner Bugwelle die gesamte Flotte ins Wanken gebracht und sich selbst versichert hatte, dass ausnahmslos alle seinen Auftritt hinreichend bewundern konnten, legte er den Hebel auf den Tisch, was den Bug aus dem Wasser und VordecksBarbie vom Handtuch hob und entschwand mit zunehmender Geschwindigkeit endlich in der Weite des Atlantiks Richtung Horizont …

Pink Floyd reisst mich in die Gegenwart, die erste Gitarre wechselt zu einem weiteren Thema, was Träume weckt, und ich erwarte sanft schaukelnd den nächsten Film …

Schenk mir D/ein Lächeln!

Die breite Feder meines bei eBay ersteigerten Füllers fliegt über das leicht zerknitterte Papier meines A5 Kladdeheftes. Leider gelangt sie im Wettrennen mit meinen Gedanken immer wieder ins Hintertreffen …

Auf meiner Lieblingsbank an Morros Strandpromenade blinzel ich in die über dem Meer stehende Sonne, vorbei an den dahin flanierenden, bunten, halb nackten und zum großen Teil wohl genährten, verschwitzten Touristenleibern.

Grund genug zum Lächeln, zur Freude hätten sie alle, die Sonnengäste: geschmeidige 28 Grad – das Wasser nur ein paar Grad weniger -, keine Wolke trübt den Sonnenschein, der Duft der in Knoblauchöl gebratenen Fische verfliegt in der Meeresbrise, Freizeit von morgens bis in die Nacht hinein, alle Randbedingungen, ja sogar der Biorhythmus scheinen auf „Fun in the Sun“ geeicht zu sein. Alles locker, alles easy, denke ich …

Und dennoch, schaut man in ihre gebräunten Gesichter oberhalb von Goldkettchen und unterhalb von NikiLaudaKäppi, dann glaubt man sich in der Münchener U-Bahn zur Stoßzeit wiederzufinden:

Freudlosigkeit bis hin zum Frust, Sorgenfalten bis zum Hintern, fast schon Schmerz verzerrte Mimik und Mundwinkel, die an die freudvolle Ausstrahlung von Angelika Merkel erinnern. Rucksack und Seele scheinen beladen mit schwerer Last …

Zugegeben, das Leben ist schon eine ernste Angelegenheit, weil lebensgefährlich! Die Kunst aber besteht darin, trotz aller Widrigkeiten und Ängste dem Dasein in Demut eine helle, weil ursächlich wohl begründete Freude abzugewinnen. Urlaub, Reisen, Abspannen geben hinreichend Raum wie Anlass dazu!

Dies scheinen aber nur wenige zu beherrschen, zum Talent der Deutschen gehört dies schon Gen bedingt nicht!
Und so denke ich auf meiner Sonnenbank, ich sitze im falschen Abteil einer falschen U-Bahn, die in eine falsche Richtung nur fährt. Vielleicht reicht ein Abteilwechsel…?

Noch bevor ich diesen Gedanken umsetze, nimmt eine ältere Dame neben mir Platz. Grußlos, wortlos und synchron mit ihrem grau melierten Gatten fächert sie ihr massiges Hinterteil auf und lässt sich wie ein brütender Schwan auf sein Nest nieder – raumgreifend, plusternd und sichtlich zufrieden mit ihrem Plätzchen.

Mit aufmerksamen wie gleichermassen unverhohlenem Interesse verfolgt Madame zu meiner Linken den Federflug meines Füllers. Als sie es schon nach kurzer Zeit vor quälender Neugier nicht mehr aushält, bricht sie überraschend das Schweigen: „Wes schreibe Sie denn do?“

Nun war es wirklich Zeit für einen Abteilwechsel, und ich verließ – hatte ich es doch grad gelernt – gruß- und wortlos Bank und Nachbarin, die wohl als solche der Alptraum eines jeden friedfertigen Hausbewohners sein dürfte …

Irgend wann, irgend wer …

Millionen Male in meinem kurzen Leben habe ich es bereits bewundert, und immer wieder kann ich meine Augen nicht davon lassen: schon seit Stunden sitze ich an einem einsamen Strand in Hafennähe meiner Insel, und jede der hereinbrechenden Wellen fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Das Meer ist für die hiesigen Verhältnisse bis zum Horizont glatt, keine Schaumkrone ist heute zu sehen, nur eine leichte Kräuselung auf der Wasseroberfläche zeugt von böigen Winden.
Und ich wundere mich jedes Mal, wenn kurz vor dem aus Lavasand bestehenden und damit schmuddelig anmutenden Strandufer wie aus dem Nichts heraus sich eine fast zwei Meter hohe Welle über die gesamte Breite der Bucht fast lautlos aufbäumt, für kurze Zeit – fast eine Röhre bildend – ihre tiefblaue Wand zeigt, um sich schliesslich auf ihrem Höhepunkt schäumend und tosend in weisser Gischt über den Sand und das Steingeröll ihrem Tode hinzugeben und zu brechen, während schon die nächste Welle steil sich erhebt – im Begriff, denselben Suizid zu begehen.

Das unter der Folgewelle sich zurückziehende Wasser verfügt aber noch über hinreichend Kraft, um die zahllosen Lavasteine, die durch Wasser, Sand und Wellenspiel die Form und Grösse von Eierbriketts angenommen haben, ein paar Meter mit ins Meer zu ziehen, und das murmelnde Geräusch erinnert an die Glaskugeln im Leinensäckchen, die wir als Kinder wie einen Schatz gehütet und verteidigt haben.

Dieses Murmeln im Einklang mit dem Rauschen des ablaufenden Wassers und dem Dröhnen der brechenden Wellen ist wie Musik, scheint von besonderer Rhythmik bestimmt zu sein. Zugleich treiben Sonne und Wolken ihr verwirrendes Schattenspiel, verleihen dem Meer bis hin zu seinem Horizont alle Nuancen des grün-blauen Farbspektrums.

Es ist eine phänomenale Gesamtinszenierung der Natur von unbeschreiblicher Schönheit, Energie und Perfektion – Millionen an Jahren alt …

Und irgend wann wird irgend jemand irgend wo dasselbe sehen, fühlen und schreiben wie ich – wenn bis dahin nicht in seiner schitzoiden Machtbesessenheit irgend wer irgend wo mit einer falschen Handbewegung die Schönheit unseres Planeten hinweg bläst und damit diesem Schauspiel für die Ewigkeit ein unwiderufbares Ende bereitet …