ERLkönig
ERLebnisse, ERLerntes, ERLesenesArchiv für Krankheit & Tod
Herzkatheter No. 22
Ich trete mit meiner 2-Nächte-Tasche vor das Portal des Krankenhauses, breite die Arme aus und mache trotz Feinstaub und voller Dieseldröhnung einen tiefen Atemzug: wieder einmal geschafft, wieder einmal alles gut gelaufen. Dank wieder einmal an all meine guten Geister, Engel und die liebenswerten Menschen, die in Gedanken bei mir waren.
Meinem 22. Herzeingriff dieser Art ging die alt bekannte Angina Pectoris voraus, die zum Schluss selbst beim einfachen Daherschlendern in freier Natur meinen Brustkorb vor Schmerz schier zum Platzen brachte. Wie vor 2 Monaten …
Eine Stenose (Verengung) eines abseits gelegenen Bypass-Gefäßes von 90% war die Ursache, und eine nach dem Kathetereingriff durchstandene MRT-Untersuchung ergab, dass diese Fehlfunktion im unmittelbaren Umfeld des Gefäßes einen Mini-Infarkt am Herzen hervorgerufen hat, also dazu beigetragen hat, dass Herzmuskelgewebe abgestorben ist … Ich konnte es kaum glauben! Ballondehnung und Stentsetzung sind wieder einmal probate Standards. Mein Prof. leistet wieder einmal ganze Arbeit!
Der Besuch der Röhre (MRT=Magnetresonanztomographie) war ein Erlebnis für sich: auf die Enge, die den Kopf und Oberkörper umgibt, war ich eingestellt. Ich schloss die Augen und lauschte der klassischen Musik in den Kopfhörern, und war so imstande, den Einatmen-, Luftanhalten- und WiederAusatmen- Anweisungen entspannt Folge zu leisten. Dann aber, als die süffisante Stimme der netten Rothaarigen mit dem Flughafenansage-Timbre ankündigte, dass in meine Vene nun das angekündigte Stresshormon eingelassen wird, um meiner Pumpe eine höhere Belastung abzufordern, tobt im Nu ein Überlebenskampf los:
der linke Arm wird durch die Flüssigkeitszufuhr kühl, im gleichen Moment tritt mir der Schweiss auf die Stirn und mein Kopf droht zu explodieren. Nein, nicht die Art der post-alkoholischen Regeneration am Morgen danach, nein, das Hirn scheint sein Volumen zu verdoppeln, die Schüssel drumherum bleibt stur und gibt nicht nach … Ich glaube, dass nun all meine Windungen durch Ohren und Nase herausquellen müssten, und schon erreicht mich übergangslos die nächste Folterstufe: meine Rippen drohen sich samt der dahinter liegenden Lungenflügel explosionsartig verabschieden zu wollen.
Nicht genug der Qualen, zum Schluss sind die Innereien dran, die denselben Drang nach Aussen verspüren, ich kann schier nicht mehr an mich halten, atme laut keuchend, möchte schreien und befreit werden, statt dessen werde ich sonor um Ruhe gebeten, damit die Testreihe abgeschlossen werden kann.
„Du rotes ?*!?!$§* Gift da draußen,“ schießt es mir fluchend durch den Kopf, „hast Du denn selbst schon mal diese Scheiß-Höllen-Tour mitgemacht!?!?! Weisst Du eigentlich, was Du da von einem verlangst!?!?!“
Ich hatte es überstanden und überlebt, beschliesse aber noch im Aufstehen, diese Untersuchung nie wieder in meinem Leben nochmals über mich ergehen zu lassen. Es fehlt nur noch, dachte ich für mich, dass diese Untersuchungsfolter in ihrem Auswertungsergebnis die lapidare Erkenntnis bringen wird, dass ich meine Ernährung umstellen müsse …
Aber so kam es nicht, denn vielmehr erkannte man durch die Durchblutungszirkulationen des Herzens meine besagte lädierte Stelle.
Am letzten Tag meines 3 tägigen Klinik-Intermezzos wollte ich es dann noch einmal selbst wissen: ich lief vom 8. Stock im Treppenhaus auf Level 0 und erklomm in aller Ruhe Stufe für Stufe das 8. Stockwerk wieder, zwar schnaufend aber schmerzfrei …!
Stärke hat einen neuen Namen: Sandra Schadek
Im Zusammenhang mit dem Schicksal meines Schwagers Bernd bin ich schon einmal in diesem Blog auf die überflüssige Krankheit ALS (Amyotrophe Leteral Sklerose) eingegangen, deren deftige Übersetzung als „Aller Letzte Scheiße“ durch den selbst betroffenen und mittlerweile daran verstorbenen Frank Kannemacher dem verheerenden Ausmass dieser todbringenden Krankheit eigentlich weitaus näher kommt …
Zum wiederholten Male schlage ich nun die website von Sandra Schadek auf, denn von Anbeginn hat mich diese Reportage einer ALS-Betroffenen in einem recht fortgeschrittenen Krankheits-Stadium begeistert:professionelles Design, völlige Offenheit in den Berichten aller Lebensum- und Zustände, keinerlei Scheu vor der öffentlichen Formulierung persönlicher Sehnsüchte und Wünsche, druckreifer Schreibstil mit einem Humor zum Wegschmeißen bestückt. Mir sind vor Lachen schon die Tränen runtergekullert! Leseprobe hier: KLICK!
Menschen, die nur Scherze über Andere machen können, sind einfach platt (das Fernsehen lebt davon!) – Menschen die im größten Unglück noch über sich selbst lachen können, beweisen wahre Größe!Für mich, liebe Sandra, bist Du eines dieser wenigen Exemplare – und damit ein ganz beonderer Mensch! Und Deine Krankheit habe ich bei dieser Betrachtung – sorry, kein Mitleidsbonus! – noch nicht einmal einbezogen!!!
Die Hoffnung – so sagt man – stirbt zuletzt. Weitaus mehr Inhalt aber haben für mich die letzten Worte meiner Mutter, bevor sie von einem Lungekarzinom vollständig aufgefressen wurde als ich 19 war: „Wolfgang, Du kannst in Deinem weiteren Leben alles verlieren. Nur achte darauf, dass Du immer Deinen Humor bewahrst …!“ Und die größte Kostprobe ihres Humors gab sie von sich, als ich sie am Krankenbett des spartanischen Krankenhauses fragte, ob sie noch etwas brauche wie zB ein frisches Nachthemd. „Nein danke,“ brachte sie kraftlos aber noch verständlich kurz vor Ihrem Davongehen über die Lippen, „in diesem Etablissement wird nackend gefrühstückt!“
In diesem Sinne, liebe Sandra, gib das Lächeln nie auf! Und Deine Frage nach Sinn und Unsinn des Lebens hast Du Dir eigentlich schon selbst beantwortet:25.000 Leser Deiner website pro Monat! Ich wiederhole: 25.000, die Dich lieben Deiner Stärke wegen, Deines Humors, Deiner Hilfe, Deines Mutes und Deiner Stärke, die Du gibst durch die detaillierte Darstellung Deines Lebens als ALS-Betroffene.
Ich bin nur einer von Ihnen …
Lungenspiegelung
Im Zusammenhang mit einer hustenreichen Erkältung fiel mir 4 Tage in Folge auf, dass immer etwas Blut in meiner Spucke war. Bei meinem Hausarzt gingen die roten Lampen. Ich wurde sofort zum Pneumologen (Lungenspezialisten) überwiesen. Auch er hatte sofort Blaulicht auf dem Dach. Die Batterie aller Diagnoseverfahren brach über mich herein: EKG, Röntgen, Blutuntersuchung, Lungenfunktionstest. Und heute der Gipfel:
Lungenspiegelung (Bronchoskopie). Der Verdacht auf Bronchialkarzinom musste abgeklärt werden.
Die Nacht kaum geschlafen, in einiger Aufregung heute morgen um 8 beim Arzt aufgeschlagen, gab’s erst einmal 20 Minuten Inhalieren. Danach hatte ich eine gefühlte Zunge so gross wie ein LKW, Rachen und Luftröhre waren taub. Ab in die horizontale Lage, EKG-Ankopplung, eine letzte Spritze, und ich war im Land der Träume.
In dieser Zeit wurde ein Endoskop durch Nase (!) und Luftröhre in die Lungenflügel geschoben und mittels einer kleinen Beisszange eine Gewebsprobe der bzw. den Bronchen geklaut. Diese soll näher untersucht werden und darüber Auskunft geben, was los ist …
Ich schreibe dieses Erlebnis nicht auf, um mit stolz zu berichten, was ich armes Kerlchen wieder über mich habe ergehen lassen müssen. Nein, ich möchte nur denjenigen die Angst vor solch einem 20 Minuten-Eingriff nehmen, die ein genau so verzärteltes Sensibelchen sind wie ich, wenn es um medizinisches Eintauchen in die eigene, sterbliche Hülle geht.
Dieser so horrorhaft anmutende Einstieg in den Körper war rein gar nichts! Ehrlich! All meine Aufregung war umsonst! Also Mut – … und Hoffnung auf einen Negativbefund!
Herzkatheter Nr. 21
Ich mache zwei Schritte nach vorn, hinter mir schließt sich die Tür des Markus-Krankenhauses. Nach zwei Tagen Bettruhe, einer ausgesprochen fürsorglichen Betreuung auf der Station und einem weniger schmackhaften Kantinenfraß bin ich kindhaft glücklich über frische Luft sowie über den Segen, wieder auf den Beinen stehen zu können. Tiefe Atemzüge begleiten meine Gedanken: wieder einmal geschafft!
Bereits zwei Monaten nach dem letzten Eingriff war es schon wieder so weit: angina pectoris Anfälle – unter Belastung sowie im totalen Ruhezustand.
Mein 21. Herzkatheter brachte es an den Tag: 4 Verschlüsse mit 90%igen Einengungen. 4 Ballondilatationen und 2 eingebrachte stents stellten zwar den Urzustand nicht wieder her, haben mich aber auf alle Fälle befreit vom Unvermögen, den einen Fuß ohne Schmerz wieder vor den anderen setzen zu können – ich hoffe so sehr, dass es dieses Mal für eine längere Zeit so bleibt.
Herzkatheter Nr. 20
Heute morgen, gassi gehen mit Max. Zwar nur trübes Wetter, in mir aber umsomehr Sonnenschein: seit Wochen der erste Spaziergang wieder ohne Schmerzen, ohne Atemnot, ohne Angstzustände. Allein dies war für mich Glück ohne Ende, Freude und Dankbarkeit! Man wird genügsam – vor allem, wenn man erkannt hat, dass Gesundheit das höchste Glück bedeutet.
Vor drei Tagen sah dies noch ganz anders aus: 08:00 Eintreffen im CCB des Markus-Krankenhauses Frankfurt. Mein Lieblings-Cardiologe wird zum 20. Mal einen Herzkatheter durch meinen Körper bis in die hinreichend lädierten Herzkranzgefäße schieben, weil ich seit Tagen keinen Fuß vor den anderen setzen kann, keine Treppenstufe mehr hochkomme, ohne im gesamten Brustraum einem schmerzhaften, atemraubenden Druck ausgesetzt zu sein, den man Angina pectoris zu nennen pflegt.
Dieser zeugt davon, dass die Blutzirkulation im koronaren System durch Verengungen teilblockiert ist.
Die Prozedur gleicht der von Katheter 19 und fast allen voran gegangenen:
Vorbereitung
Rasieren der rechten Leistengegend, Blutentnahme, EKG, Legen einer Braunüle (für die intravenöse Versorgung während und nach Eingriff), ein „Schnäpschen“ zur Beruhigung (hier kommt immer die Stelle, an der ich leider vergeblich um einen joint bitte), Warteschlaufe im OP-Vorraum.
Katheter-Labor
Bettenwechsel: vom gemülichen Krankenbett auf die Schlachtbank (OP-Tisch, kalt + steril), eikaltes Desinfektionsmittel literweise über meinen zitternden Körper, Verkabelung mit EKG-Leitungen, Abdecken mit OP-Tuch. Über meiner Brust: eine über meinen Brustkorb fahrbare Röntgenröhre, links neben mir zwei Monitore – rechter M.: EKG-Daten, links mein Herz im großformatigen Schwarz-Weiss in voller Aktion.
OP-Eingriff
Man beliebt zu scherzen: „Ach, Sie schon wieder!? Heute machen Sie’s aber allein!“ Ich bin froh, vertraute Gesichter um mich zu haben, insbesondere mein Cardio-Prof, der nun meine Leiste punktiert (spritzenmässig betäubt), um mir unmittelbar danach mit einem 1000fach geübten Schnitt die Schlagader zu öffnen und eine sog. Schleuse einzusetzen – eine Metallröhre mit Schließmechanismus, die später nur das Einführen des Katheters zulassen wird, ohne dass ich dabei verblute.
Noch während ich frage: „Sind Sie schon drin?“, wird mir vom ersten Kontrastmittelschub etwas warm und ich erkenne auf dem Bildschirm das sich kontrastreich abhebenden Bypass-Geflecht sowie den dünnen Katheter-Draht. Letzteren spürt man deshalb nicht, weil die Blutgefäße ohne Nerven sind, und nur mit der Lokalanästhesie in der Leiste verfolge ich als Patient den gesamten Eingriff bei vollem Bewußtsein. So kann ich mitarbeiten: „Kopf nach rechts drehen, nicht atmen, Hände hinter den Kopf, wie geht es Ihnen?“ Weniger gut geht es mir dann, als sich erweist, dass wieder 4 neue Stellen im Bypass bis zu 90% verengt sind – verhängnisvolle Verursacher meiner angstgeschwängerten Beschwerden.

Intervention
Nun wird über den Katheter, der als Leitbahn fungiert, ein länglicher, dünner Ballon geschoben – bis hin zu der jeweils verengten Stelle und dann mit einem Druck, der weit über dem Reifendruck eines Pkw’s liegt, aufgebläht, um die sog. Stenose (Verengung) aufzudehnen. Im Normalfall stabilisiert sich das, eine Garantie aber gibt es darauf nicht.
Soweit es das Gewebe noch zuläßt, könnte flankierend noch ein sog. Stent an dieser Stelle eingebracht werden: eine gitterartige Hülse, die in diesem Segment mittels Ballon gedehnt wird und dort als metallische Versteifung verbleibt und im Laufe der Zeit in das Gewebe einwächst, um den gedehnten Querschnitt zu stabilisieren. Bei mir infolge der häufigen Interventionen leider nicht mehr möglich, weil das Gewebe „regide“ und der Eingriff damit riskant geworden ist.
Nachsorge
Nach etwas mehr als einer Stunde wird der Katheter entfernt, die Schleuse bleibt, und ein korsagemässiger Druckverband wird kraftaufwendig angebracht. Händedruck, Freudentränen, Taxi auf Krankenzimmer, mind. 3 Liter Wasser runterwürgen, um das Kontrastmittel auszuspülen, nach 4 Stunden wird die Schleuse gezogen, der Druckverband wird mich 24 Stunden einengen.
Trotzdem fühle ich mich unendlich befreit, denn ich habe es wieder einmal überstanden. Alle ausgeliehenen Engel, alle guten Geister, höheren Mächte und transferierten Energien haben mir wieder einmal beigestanden. Und mein Prof. Dr. med. Schräder, der hier endlich einmal namentlich genannt werden muss, hat wieder einmal das nahezu Unmögliche möglich gemacht. Ich danke ihm aus tiefsten – wenn auch lädierten – Herzen sowie dem Umstand und der Fügung, in einem Zeitalter leben zu dürfen, das uns zwar noch keine Unsterblichkeit beschert hat, aber uns körperliche Defizite korrigieren und unser Leben damit beachtlich verlängern lässt …
Herzkatheter – der 19.
Heute mus ich wieder aus meinem Leben über sehr Persönliches – weil Körperliches – berichten: meine Pumpe streikt wieder!
Zur Historie
Mit knapp 40 Jahren hat mich ein stiller Herzinfarkt gebeutelt, der eigentlich schon fast vergessen ist. In den darauf folgenden Jahren verengten sich dann wiederholt einige Herzkranz-Gefässe, und diverse Kliniken in Tübingen, München und Lübeck konnten mit Ballondilatationen und Einsetzen von Stents mich über die Runden bringen, bis dann im Juli 2002 mein koronares System durch professionelle, erstklassige Arbeit eines Prof. Klövekorns in der Herz-Klinik in Bad Nauheim ersetzt wurde durch Venenmaterial, das meinem linken Bein entnommen wurde: ein 5-facher Bypass wurde daraus fein gefertigt und verlegt.
_____________________________________________
Herzkranzgefäße, das Herz in der Vorderansicht.
Von der Hauptschlagader (Aorta) gehen kurz oberhalb der Aortenklappe das linke und rechte Herzkranzgefäß ab. Das rechte Herzkranzgefäß (RCA) versorgt die rechte Herzhälfte. Der Hauptast der linken Koronararterie (LCA) teilt sich in einen Ast auf, der über die Vorderwand des Herzenz verläuft (RIVA), und einen Ast, der seitlich an der linken Herzhälfte verläuft (RCX).
(5) Hauptschlagader (Aorta)
(6) Lungenschlagader (Pulmonalarterie)
(9) obere Hohlvene
(10) untere Hohlvene
Darstellung entnommen: www.kardiowerkstatt.de
_____________________________________________
Ich dachte damals:“ Das war’s! Nochmal Schwein gehabt!“ Das Glück währte jedoch nicht lange … Immer wieder gingen neue Stellen des frisch verlegten Systems auf meist bis zu 90% zu, und ich hing mit 10% am seidigen Faden des Lebens, als „mein“ Koronar-Prof“ des Bethanienkrankenhauses Frankfurt mir immer wieder das Leben verlängerte – seit der Bypass-OP alle 3 bis 5 Monate …
Für kommenden Donnerstag ist nun der 19. Eingriff dieser Art anberaumt.
Beschwerden
Seit gut einer Woche beobachte ich bei den geringsten Belastungen sog. Angina-Pectoris-Anfälle. Das sind Schmerzen im Brustraum, die das Atmen erschweren, mir den Schweiss auf die Stirn treiben und mich in Todesangst versetzen. Es ist ein Druck, ein Perlen, als ob in den Lungenflügeln Sektflaschen überschäumen.
Diagnose
Die Eskalationsstufen bei der Diagnose sind üblicherweise: EKG, Belastungs-EKG, Ultraschall, Herzkatheder. Seit dem beim vorletzten Mal alle Stufen vor dem Katheder bei mir negativ, also ohne Befund verlaufen sind, ich aber auf einen Herzkatheder bestand und sich tatsächlich entgegen allen medizinischen Erwartungen lebensbedrohliche Verengungen auf dem Monitor zeigten, vertraut mein Prof. nun meiner Selbstdiagnose und nimmt mich sofort bei den ersten Anzeichen ins Katheder-Labor.
Nun ist es wieder soweit: Herzkatheter, der 19. mittlerweile in meinem Leben. Und ich flehe alle guten Geister an, dass es auf diesem Wege noch einmal gehen möge, denn sonst bleibt bestenfalls nur noch eine weitere Bypass-OP …
Gut gebrüllt, Löwe!
Der medienwirksame Rummel und die Ankündigung, das niederländische Fernsehen würde eine QuizShow veranstalten, in der drei todkranke DialysePatienten um die Spenderniere einer krebskranken Frau als 1. Preis wetteifern, hat sich als flop herausgestellt.
Einziges Ziel war es, mit den kontrovers provozierten Meinungen in Politik und Öffentlichkeit die Menschheit auf die prekäre Situation in puncto Organspende hinzuweisen und wachzurütteln. Gut gebrüllt, Löwe!
Blog der Woche
Beeindruckende Initiative eines sympathischen Jungen, der trotz Handicap und aus seinem Handicap heraus eine pfiffige Info- und Hilfsplattform im Internet entwickelt. Einfach grossartig und bemerkenswert:
Bernd und ALS
Gestern kam Bernd wider Erwarten schon nach 2 Tagen aus dem Krankenhaus wieder raus. Alle Befürchtungen haben sich bewahrheitet: ALS (Amyotrophe Lateralsklerose)! Oder auch treffender: die Absolut Letzte Scheiße, wie ich im Verlauf meiner Recherche auf der Website eines an dieser Krankheit verstorbenen Frank Kammacher gelesen habe.
Die halbe Nacht habe ich damit zugebracht, das Internet zu durchforsten, und ich musste wieder einmal feststellen, dass es keine schnellere, umfassendere und ergiebigere Informationsquelle gibt als dieses Medium!
Bei Bernd fing es vor wenigen Wochen an: pelziges Gefühl in der linken Hand bis hin zum sporadischen Versagen der Greifkraft – symptomatischer Beginn dieser Krankheit, die man in diesem Stadium noch nicht einmal erahnen kann, schon gar nicht, wenn man wie in den meisten Fällen noch nie von ihr gehört hat.
Bis zum heutigen Tag ist kein Heilmittel für ALS bekannt. Mit Hilfe eines Medikaments kann lediglich eine Verlängerung der Lebenszeit um mehrere Monate erreicht werden. Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt drei bis fünf Jahre – am Ende steht meist der Tod durch Atemlähmung. „Der Sterbeprozess verläuft entgegen vieler Befürchtungen relativ sanft. Die meisten Patienten schlafen ein und wachen nicht mehr auf“ lese ich in einem Stern-Report und denke: wie tröstlich … Die ganze schlaflose Nacht kreisen unsere Gedanken um Bernd. Jutta bekommt Heulkrämpfe, ich selbst kann die Nachricht nicht fassen …


